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Stadt Willich
Konflikte als Grundkonstante des Lebens

Stadt Willich. Der Willicher Kunstverein eröffnete seine Jahresausstellung mit dem Titel "Konflikt" im Gründerzentrum im Stahlwerk Becker. Von Angela Wilms-Adrians

"Konflikt" heißt die aktuelle Ausstellung des Willicher Kunstvereins, die mit einem Wort eine Gemengelage von Emotionen lostritt. Denn wer kennt nicht das nagende Gefühl widerstreitender Interessen und Auffassungen? 17 Kreative der Gruppe haben das Thema bildnerisch und plastisch, herausfordernd und einfühlsam visualisiert. Diese Fülle ist bis zum 16. September auf den beiden Ebenen des Gründerzentrums im Stahlwerk Becker zu sehen.

"Konflikte haben wir nicht gerne, wir haben es lieber harmonisch, und doch sind Sie gekommen, denn Sie wissen, dass sie den Konflikt hier in einer künstlerischen Dimension erleben", sagte die Vorsitzende Jutta Otto-Gesterling zur Vernissage. Bürgermeister Josef Heyes verwies auf die Auseinandersetzung mit brandaktuellen Themen, wie zum Beispiel dem Flüchtlingsdrama.

Der erste Schock begegnet dem Besucher beim Eingang: Reinhardt Heinen greift im Stil der Renaissancekunst das Motiv einer Raffael-Madonna auf, um ihr ein dunkelhäutiges Kind mit einer Kalaschnikow in den Arm zu legen. Es blickt den Betrachter ernst an, während die Geste der göttlichen Mutter besänftigendes Gitarrenspiel assoziiert. Mit Jan van den Bongard zeigt er in der oberen Etage ein Beispiel vermummter Gewalt und ihre todbringende Frucht mit massenhaft auftretenden Skeletten im Hintergrund. Ferdinand Friess gestaltet mit erschütternder Dringlichkeit in Großformaten historische und aktuelle Konflikte. Der Betrachter ahnt, dass das Kind mit dem Teddybären von dem Soldaten mit dem skelettierten Gesicht und der Knochenhand im Umfeld der angedeuteten Nazisymbole in sein Verderben geführt wird. Im Bild "welcome boatpeople" kontrastiert Friess die namenlosen Gesichter der Flüchtlinge mit der aseptisch vermummten Gruppe, die sie hinter einer Barriere erwartet.

Bei der Begegnung mit Ute Schätzmüllers Arbeiten beginnt der Konflikt bereits im Umgang mit ihrer Kunst. Betreten sei erlaubt, ist vor dem auf dem Boden ausgerollten Riesenformat zu lesen. Wer vielleicht in Gedanken über das Bild läuft, hält im nächsten Moment inne, als habe er ein Sakrileg begangen. Die Komposition "origins" assoziiert derweil dynamisch Wasser und Himmel, während eine menschliche Figur in Embryonalstellung in einer Keimzelle ruht. Renate Fellner umspielt mit Objekten im Schwarz-Weiß-Kontrast innere Konflikte, die sie sprachlich um Konjunktivformen um Wollen, aber nicht Können ergänzt. Spielerisch muten die kleinen Messingteile an, die Moni Müller in Anspielung auf das Konfliktpotenzial einer häuslichen Szene über einem Tisch mit der klebrigen Masse geschmolzener Gummibärchen schweben lässt. Die Kunsthistorikerin Gabriele Bundrock-Hill bescheinigte den Willicher Künstlern, dass diese oft warnend den Finger in Wunden gelegt hätten. Konflikte seien unvermeidbar, so Bundrock-Hill, die Charlie Chaplin zitierte. Der bezeichnete Konflikte als Grundkonstante des menschlichen Lebens.

Quelle: RP
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