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Stadt Kempen
Kopfstand für den Unterricht

Stadt Kempen: Kopfstand für den Unterricht
Barbara Godizart ist eine von zwei Lehrerinnen, die am Gymnasium Thomaeum das Wahlpflichtfach Umwelt und Mensch unterrichten. Es erfreut sich bei den Schülern großer Beliebtheit. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Der Wahlpflichtkursus "Umwelt und Mensch" am Kempener Gymnasium Thomaeum ist stark nachgefragt. Die Schüler begeistert der praxisorientierte Unterricht. Er ist angelehnt an Bereiche aus dem täglichen Leben. Von Bianca Treffer

Das Skelett im Bio-Raum zieht die Blicke der 30 Schüler auf sich. "Eigentlich braucht es einen Namen", sagt einer der Schüler. Gelächter ist die Reaktion, dann wird es wieder still. Alle hören konzentriert zu, als Barbara Godizart die einzelnen Knochen benennt und deren Funktion erläutert. Aber nicht Biologie steht auf dem Stundenplan, sondern das Fach "Umwelt und Mensch". Im nunmehr zweiten Durchgang haben die Schüler am Thomaeum die Möglichkeit, in der Stufe acht diesen Bereich als Wahlpflichtfach zu wählen.

Für zwei Jahre begleitet das Fach die Schüler, wobei im ersten Jahr das Thema Umwelt und im zweiten das Thema Mensch auf dem Lehrplan steht. Das ist ein Angebot, das stark nachgefragt wird. Es ist der praxisorientierte Unterricht, der die Schüler anspricht und sie begeistert davon erzählen lässt. "Wir haben vor Kurzem das Experiment gemacht, ob man auf dem Kopf stehend essen kann", berichtet Inga. Man kann: Das System Speiseröhre mit seinem Muskeldruck funktioniert auch, wenn es kopfsteht. "Allerdings sollte man dabei nicht reden", ergänzt Marie lachend. Sowohl die Funktionsweise der Speiseröhre als auch das Wissen über mögliche Schluckprobleme werden die 30 Schüler des Wahlpflichtkurses nicht mehr vergessen. Mit dem ungewöhnlichen Experiment hat es sich für alle Zeiten eingeprägt.

Anna und Carla sind immer noch von den Geschmacksexperimenten fasziniert, die die Vorgänge im Mund beim Kauen und die Informationen über die Zunge aufzeigen, während Carmen noch immer darüber erstaunt ist, was passiert, wenn man Knochen in Essig legt. "Durch die Säure wird das Kalzium entzogen und man konnte die Knochen biegen. Durch dieses Experiment werden einem viele Zusammenhänge klar", erzählt die Schülerin. Der Knochenaufbau als solcher hat sich in ihrem Gedächtnis fest verankert.

Vincent und Paul freuen sich indes auf das gesunde Frühstück, in dessen Vorlauf jeder über zwei Wochen die eigene Nahrungsaufnahme dokumentiert hat. Wobei die Ergebnisse noch mit einer Ökotrophologin aus dem Kempener Krankenhaus besprochen werden. "Zum Frühstück werden wir selber einkaufen und es zubereiten", sagt Vincent. Aus diesem Unterricht können man sich viele Sachen herausholen, die das tägliche Leben betreffen, meint Linus. Und genau das ist es, was Barbara Godizart und Silke Hoffmann beabsichtigten, als sie vor drei Jahren mit dem neuen Wahlpflichtfach am Thomaeum starteten. "In vielen Bereichen des täglichen Lebens herrscht ein Halbwissen. Mit den beiden Bereichen Umwelt und Mensch decken wir Etliches ab. Mit Experimenten und, ganz neu, einer Kooperation mit dem Kempener Krankenhaus, können wir eine breite Palette von Wissen vermitteln, das die Schüler in ihrem Alltag betrifft", sagt Barbara Godizart.

In der Stufe 8 stehen den Gymnasiasten sechs Wahlpflichtfächer zur Auswahl. Neben "Umwelt und Mensch" sind es Informatik, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Business-Englisch, Chinesisch sowie Französisch. Umwelt und Mensch erfreut sich einer großen Nachfrage.

Mit 30 Schülern ist der aktuelle Neuner-Kursus voll belegt. Die Nachfrage war größer als das Angebot. Mit 20 Schülern startete der erste Durchlauf. Schnell sprach sich herum, wie interessant die Kombination ist, und die Zahlen stiegen schnell. Das zeigt sich auch im dritten Durchlauf, der jetzt mit dem Thema Umwelt gestartet ist. Die beiden Lehrerinnen freuen sich besonders über die Kooperation mit dem Hospital, die noch mehr Praxis ermöglicht. Neben der Zusammenarbeit mit der dortigen Ernährungsberaterin haben die Schüler das Krankenhaus besucht und unter anderem die Physiotherapie kennengelernt, wurden über EKG-Funktionen und das Herz-Kreislauf-System informiert und erlebten einen Erste-Hilfe-Kursus.

Quelle: RP
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