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Gemeinde Grefrath
Kraftelixier für frostige Wintertage

Gemeinde Grefrath: Kraftelixier für frostige Wintertage
Jenny Hengsten mischt aus Kräutern wirksame Mittel für alle möglichen Lebenslagen. FOTO: Kaiser Wolfgang
Gemeinde Grefrath. Jenny Hengsten ist die Kräuter-Fachfrau des Niederrheinischen Freilichtmuseums. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Grefratherin mit dem Wissen um die heimischen Heilkräuter. Von Bianca Treffer

Aus dem hohen Einmachglas steigt ein würziger Geruch hoch. Melissenblätter geben sich ein Stelldichein mit schmalen Zitronenstreifen und Ingwerstückchen. "Das wird ein Melissengeist. Er wird gerne zur Nervenberuhigung, Stärkung der Immunabwehr und bei Magendarmverstimmungen getrunken. Zudem kann er auch bei schmerzenden Gelenken als Einreibemittel verwendet werden", sagt Jenny Hengsten und greift zum Ziehmörser. Ein leises knirschendes Geräusch ist zu hören, als sie den Erzengelwurz anmörsert, der zusammen mit Nelken, schwarzem Pfeffer, Kardamom und einer Zimtstange auf die Mischung im Glas gegeben wird. 40-prozentiger Wodka folgt. "Das Ganze muss jetzt an einem warmen Ort, aber nicht in der Sonne, ziehen und muss jeden Tag geschüttelt werden. Danach seihe ich es ab und fülle es in Flaschen", informiert Hengsten.

Zielgerichtet hantiert sie mit den verschiedenen Gewürzen inmitten des etwas verborgen liegenden und verwunschen wirkenden Kräutergartens auf dem Gelände des Niederrheinischen Freilichtmuseums Grefrath. Der Garten mit seinen Buchsbeet-Einfassungen, in denen die verschiedenen Kräuter wachsen und es auch Ecken für Wildwuchs gibt, schmiegt sich an die Rückseite des Tante-Emma-Ladens. Er liegt wirklich etwas versteckt und so mancher Besucher hat ihn trotz geöffneter Pforten und hölzernem Hinweisschild schon übersehen.

Vor fünf Jahren hat die Grefrather Nabu-Ortsgruppe den Kräutergarten neu konzipiert und gestaltet. Seit diesem Datum ist es ein Refugium für Hengsten geworden. Mit der Natur und den dort wachsenden Heilkräutern beschäftigt sich die 57-Jährige aber schon seit über 30 Jahren. "Ich habe schon immer jede freie Minute in der Natur verbracht, um von und mit ihr zu lernen. Dazu kamen verschiedene Seminare und Workshops sowie die zweieinhalbjährige Ausbildung in der Heilpflanzenkunde", berichtet die Grefratherin, die auch der Nabu-Gruppe angehört und freie Mitarbeiterin des Freilichtmuseums ist.

Irgendwie ist dann das Wörtchen "Kräuterhexe" an ihr haften geblieben, wobei dies auf der ganzen Linie nichts Negatives bedeutet. Der Name stammt von den Hecken, die früher die Häuser umgaben. Diese Hecken wurden Haag genannt. Es handelte sich meist um Weißdorn- und Schlehenbüsche, an denen wiederum viele weitere Kräuter wuchsen. Die heilkundigen Frauen gingen entlang der Haage und sammelten dort ihre Pflanzen. "Die Frauen wurden Haegsen genannt, abgeleitet von Haag. Es waren die Kräuter-Haegsen", erklärt Hengsten. Daraus entstand der Begriff Hexe. Erst später wurde das Wort Kräuterhexe ins Negative verkehrt.

Derweil hat Hengsten auf dem aufgebauten Tisch im Garten den Stöpsel eines großen Ballonglases entfernt. Eine Duftwolke entweicht der Flüssigkeit im Ballon. Das sogenannte Kraftelixier aus Kräutern, Gewürzen und Wurzeln hat Hengsten zu Maria Himmelfahrt angesetzt. "Das ist für den Winter. Wenn man so richtig durchfroren nach Hause kommt, dann wärmt das Elixier auf", meint Hengsten lächelnd.

Auf dem Tisch stehen außerdem eine Beinwell-Salbe, eine Lavendel-Handcreme und ein Pesto aus Blättern von Radieschen, Kohlrabi, Sellerie und Möhrengrün. Alles Produkte, die Hengsten mit Gewächsen aus der Natur hergestellt hat. Der Grefratherin geht es nicht darum, ihre Produkte zu verkaufen. Ihr liegt es vielmehr am Herzen, dass das Wissen, das seit Generationen überliefert wird, nicht verloren geht. Sie möchte das alte volksheilkundliche Wissen weitergeben. "Ich möchte die Menschen begeistern, sich selber mit der Natur zu beschäftigen. Sie bietet uns so viel. Vieles, was andere als Unkräuter bezeichnen, hat einen Wert. Man muss ihn nur kennen", bemerkt Hengsten. Was man alles aus Brennnesseln, Giersch und Co. herstellen kann und wie lecker als auch vitaminreich Wildkräuter sein können, weiß die Kräuterhexe ganz genau. Eine wilde Ecke im Garten, die sich selbst überlassen bleibt, kann sie daher nur empfehlen.

Quelle: RP
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