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Stadt Willich
Kreisdirektor wirbt für Archiv-Fusion

Stadt Willich: Kreisdirektor wirbt für Archiv-Fusion
Ein modernes Kreisarchiv bietet im Gegensatz zu den jetzigen Räumen in der Kempener Burg laut Ingo Schabrich optimale Bedingungen für die wertvollen Archivalien. Auch aus pädagogischer Sicht sei die Fusion ein Gewinn. FOTO: Kaiser
Stadt Willich. Der Kreis Viersen möchte mit Fördergeld des Bundes ein gemeinsames Archivgebäude aller neun Kommunen errichten. Die Standortfrage ist noch nicht geklärt - aber laut Kreisdirektor Ingo Schabrich ohnehin zweitrangig. In Willich gibt es Widerstand. Von Marc Schütz

Das Willicher Stadtarchiv - das Gedächtnis von Alt-Willich, Schiefbahn, Anrath und Neersen sozusagen - außerhalb der Willicher Stadtgrenzen? Die Willicher Politiker scheinen sich mit dieser Vorstellung nicht recht anfreunden zu können, für manche ist es schlicht undenkbar. Kreisdirektor Ingo Schabrich appelliert allerdings eindringlich an die Politik, die Standortfrage hintenan zu stellen und sich auf Chancen und Potenziale zu konzentrieren.

Der Kreis Viersen möchte und muss das Kreisarchiv aus der Kempener Burg holen, da die bisherigen Räume nicht mehr zeitgemäß und zu klein sind. Ein moderner Zweckbau schwebt Schabrich und Landrat Dr. Andreas Coenen vor, in dem die Archive aller neun Städte und Gemeinden des Kreises vereint wären. Die Archivalien aus Willich und Viersen fehlen noch, aber die Politiker beider Städte sagen bisher entschieden: Wenn unsere Bestände im Kreisarchiv aufgehen sollen, dann muss dieses auch in unserer Stadt gebaut werden! Der Kreis hat sich, was den Standort angeht, noch nicht festgelegt, möchte aber eine Grundsatzentscheidung haben, ob Viersen und Willich mitmachen. Die Politik fürchtet, so die "Katze im Sack" zu kaufen. Auch die Kempener möchten ihr bereits ins Kreisarchiv aufgegangenes Stadtarchiv in der Thomasstadt behalten.

Kreisdirektor Ingo Schabrich. FOTO: Alois Müller

Den Impuls der Politik und der beiden Stadtverwaltungen, die Archive am Ort halten zu wollen, kann Schabrich zwar verstehen. Doch aus seiner Sicht ist diese Entscheidung bei näherer Betrachtung "rein emotional und sachfremd". Vielmehr sollten die Politiker unabhängig von der Standortfrage entscheiden, ob die Archive fusionieren sollen. Und dafür spricht laut Schabrich Vieles: "Keiner macht einen Schritt zurück. Alle Angebote der bisherigen Archive wird es weiterhin geben, wenn die Städte das wollen. Das lässt sich vertraglich vereinbaren." Hinzu kämen immense Vorteile eines großen, neuen, gemeinsamen Archivs - egal, an welchem Standort: "Aus konservatorischer Sicht bietet ein modernes, energetisch effizientes Gebäude bessere Möglichkeiten. Es muss doch im Interesse der Archivare sein, die Archivalien optimal aufzubewahren und zu erhalten", sagt Schabrich. Zudem habe das Kreisarchiv bereits einen Archiv-Pädagogen, der sich dann auch um die Bestände der Städte Viersen und Willich kümmern könnte. Den Willicher Stadtarchivar und die Archivfachkraft könne das Kreisarchiv übernehmen, sagt Schabrich zu - ebenfalls eine Forderung aus Willich. Ein gemeinsames Archiv erleichtere Forschern zudem die Arbeit, weil sie nicht weiter mehrere Archive ansteuern müssten. Und Schabrich ist überzeugt, dass ein moderner Bau zusätzliche Nutzer anziehen würde.

Über mangelnde Nutzerzahlen kann sich das Willicher Stadtarchiv, das derzeit im Keller des Verwaltungsgebäudes St. Bernhard in Schiefbahn untergebracht ist (und in absehbarer Zeit räumlich aus allen Nähten platzen wird) nicht beklagen. Die Lage am Schulzentrum und zu den Heimatfreunden beschert der Einrichtung eine gute Frequenz. Und die stehe auf dem Spiel, wenn das Archiv an einen der derzeit diskutierten Standorte in Kempen in der Nähe des Bahnhofs oder in Viersen in der Innenstadt nahe dem Kreishaus oder in der Südstadt zöge. Deswegen hat Willich ein Grundstück gegenüber dem jetzigen Standort in Schiefbahn vorgeschlagen.

Nach der Sommerpause werde die Kreisverwaltung ihre Bewertung der Standorte bekannt geben, sodass diese noch in die Entscheidung der Politik einfließen könne, versichert Schabrich. Auf welchen oder wie viele mögliche Standorte es hinauslaufe, könne er beim besten Willen aber noch nicht sagen. Allerdings müsse die Politik in ihren Ratssitzungen im September ihre Entscheidung fällen - "sonst bauen wir ohne Viersen und Willich", sagt Schabrich klipp und klar. Denn in das neue Kreisarchiv sollen fünf Millionen Euro Fördergeld des Bundes fließen. Laut Schabrich eine "historische Chance". Um das Geld zu erhalten, muss der Neubau allerdings Ende 2020 stehen. Die Zeit drängt also.

Apropos Kosten: Aus Willich und Viersen wurden Zweifel laut, ob ein neues Archiv günstiger wäre, als an den alten Standorten weiterzumachen. Schabrich ist sicher: "Der Gebäudeaufwand sinkt dramatisch. In Viersen von derzeit 45.000 Euro pro Jahr auf 7100 Euro." Für Willich würde der Kostenanteil für das Gebäude schätzungsweise bei 3000 bis 4000 Euro jährlich liegen. "Das ist mit Sicherheit weniger, als der Gebäudeaufwand die Stadt Willich derzeit kostet", sagt Ingo Schabrich.

Quelle: RP
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