| 00.00 Uhr

Stadt Willich
Kritik an jungen Marktplatz-Planern

Stadt Willich: Kritik an jungen Marktplatz-Planern
Einen leeren Platz fürchtet der Landschaftsarchitekt, wenn die Pläne tatsächlich umgesetzt werden. Die Gebäude ringsum hätten nicht die Qualität wie diejenigen an schönen Plätzen in Städten wie Siena oder Celle. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Der Willicher Landschaftsarchitekt Wolfgang R. Mueller kritisiert die geplante Gestaltung des Willicher Marktplatzes. Die Kugelahorne zu fällen, sei ein Fehler. Zudem fehle eine unverwechselbare Vision, die Kosten seien zu hoch. Von Marc Schütz

Mit bisher in der Öffentlichkeit nicht diskutierten Aspekten zur Umgestaltung des Marktplatzes hat sich der Willicher Landschaftsarchitekt Wolfgang R. Mueller in einem Brief an Bürgermeister Josef Heyes gewandt. Mueller kritisiert die Vorschläge der jungen Planer, alle Einbauten und Bäume zu entfernen und so letztlich eine große Leere zu erzeugen. "Der Willicher Kirchplatz hat aber nicht den städtebaulichen Rahmen und die Qualität von Gebäuden wie Plätze in Siena, Celle, Braunschweig, Frankfurt und andere", so Mueller.

Zudem bestehe die jetzige Planung des Platzes aus "überall verwendbaren Versatzstücken": Das Fontänenfeld finde man in Hunderten neuer Ortskernsanierungen, die große Holzsitzkombination oder Podeste seien nur kurzlebig, und eine unverwechselbare Vision für den Standort oder eine mögliche Reflexion auf die Historie seien nicht erkennbar.

"Leider halten die jungen Planer ihren Entwurf für einzigartig und stark, dass selbst die zahlreichen berechtigten Wünsche, die gesunde Kugelahorn-Gruppe zu erhalten, nichts gelten. Hier würden sich die Erfahrung und Übernahme auch von anderen Vorschlägen in die eigene Planung, die sich hierdurch oft verbessert, bewähren", schreibt Mueller weiter. Das Hinzen-Haus werde ohne die Baumkulisse wie ein abgestellter kleiner Kasten fremd wirken, selbst wenn ein Glasanbau entstehe, prophezeit der Diplom-Ingenieur. Zwar könnten einige nicht gut entwickelte Kugelahorne entfernt werden. Dagegen, dass alle entfernt werden, spricht er sich jedoch vehement aus. "Es wäre kein Problem, die meisten Bäume stehenzulassen", so Mueller auf Nachfrage. "Selbst einige große, neu gepflanzte Bäume werden den Kommunikationsbereich unter einem lebendigen grünen Dach bei Kaffee, Kuchen, Eis, Spielen und Zeitunglesen nicht wieder ersetzten", ist sich Mueller sicher.

Auch die Entwicklung der Kosten müsse angesichts eines knappen Haushalts erschrecken - sie waren von zunächst 875.000 Euro in einer ersten groben Schätzung auf 1,5 Millionen Euro gestiegen. So ist eine spanische Granitplatte als Bodenbelag nicht notwendig, findet Mueller. Selbst Düsseldorf habe sich am Kö-Bogen für einen aufgewerteten Betonstein entschieden.

"Für über 4000 Willicher Bürger war es als gelebte Demokratie ein Bedürfnis, sich für den Erhalt der identitätsstiftenden gesunden Kugelahorne zu engagieren", schreibt Mueller und meint damit das Bürgerbegehren der Bürgerinitiative "Pro Kugelahorn am Willicher Markt", die Muellers Brief (allerdings ohne dessen Wissen) an die Presse weitergegeben hat. Da das Verfahren des nun folgenden Bürgerentscheids sehr kompliziert sei, seien die Bäume nun allerdings wohl nicht mehr zu retten, bedauert Mueller im Gespräch mit unserer Redaktion. Er betont, dass er den Brief an den Bürgermeister aus rein sachlichen Erwägungen geschrieben habe - und nicht etwa, weil er bei der Auftragsvergabe nicht zum Zuge gekommen sei. Er habe sich gar nicht beworben, da seine Firma zu jener Zeit ohnehin mit der Planung des innerstädtischen Insel- und Uferparks in Neuss beschäftigt gewesen sei.

Bürgermeister Josef Heyes möchte Mueller auf seinen Brief bald antworten, sagte er gestern auf Nachfrage. Er schätze Mueller als Fachmann, der auch viel für die Stadt Willich getan und wertvolle Tipps gegeben habe. "Für ihn hat der Baum im Stadtbild einen besonderen Wert. Das spiegelt sich auch in seinem Brief wider", so Heyes. Letztlich gehe es aber auch um Geschmacksfragen, und die Umgestaltung des Marktplatzes sei durch das Werkstattverfahren unter großer Bürgerbeteiligung ein demokratischer Prozess gewesen. "Herr Mueller hätte sich dabei als Bürger fachlich einbringen können. Nun ist es zu spät, eine Rolle rückwärts geht jetzt nicht mehr", so Heyes weiter.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Stadt Willich: Kritik an jungen Marktplatz-Planern


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.