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Stadt Willich
Künstlerin versteigert Absage von Merkel

Stadt Willich: Künstlerin versteigert Absage von Merkel
Sara Ginolas hat Pakete mit individuell gestalteten Kacheln an Prominente geschickt. Viele haben geantwortet, zum Beispiel Thomas Schütte, der das Bild in der rechten Hand der Studentin geschickt hat. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Stadt Willich. Sara Ginolas aus Willich hat Prominenten ein Werk geschickt - und sie im Gegenzug um einen Beitrag gebeten. Von Arne Lieb

Im Kleiderschrank von Sara Ginolas ist es in den vergangenen Wochen eng geworden. Denn dort hat die 32-jährige Studentin aus Willich all das gelagert, was der Postbote ihr von prominenten Absendern gebracht hat: Fotos, Bilder, Briefe - und einen Beistelltisch. Noch heute sind all diese Sachen im NRW-Forum zu sehen, am Abend wird sich Ginolas von ihnen trennen: Sie lässt alles für einen guten Zweck versteigern.

Sara Ginolas studiert Design an der Fachhochschule Düsseldorf, im Januar wird sie ihren Master machen. Der Postwechsel ist Teil eines Kunstprojekts, das sie für das NRW-Forum erdacht hat: Sie hat 83 Prominenten ein Kunstwerk geschickt, jeweils eine von ihr individuell gestaltete Kachel, die sich mit der Person oder deren Werk auseinandersetzt. Ginolas ist ausgebildete Bildhauerin. Sie hat Adressaten aus Politik, Kultur, Philosophie und Wissenschaft ausgesucht, die sie interessieren - und bei der Auswahl keine falsche Bescheidenheit walten lassen. Ein Paket bekommen haben unter anderem Wladimir Putin, Yoko Ono und Bill Gates, aber auch der Astrophysiker Harald Lesch, der Grafiker Henning Wagenbreth oder Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning. Dem in Haft sitzenden Kunstfälscher Robert Driessen legte sie sogar eine Briefmarke für seine Antwort bei.

Mit dem Paket war eine Bitte verbunden: Die Empfänger sollten etwas zurückschicken. Immerhin rund 30 haben das getan. "Das ist keine schlechte Ausbeute, schließlich hatten sie nur wenige Wochen Zeit", meint Ginolas.

Vor allem Künstler haben sich auf den Tausch eingelassen. Wim Wenders hat ein Foto geschickt, Thomas Schütte ein Bild. Vom Möbel-Designer Nils Holger Moormann stammt der Beistelltisch. "Eine Großzügigkeit", findet Ginolas. Andreas Gursky und Tony Cragg haben immerhin die Arbeit zurückgesendet - die nun inklusive Verpackung versteigert wird. "Das kann man auch als Unterstützung sehen", sagt die Künstlerin.

Zu den Exponaten gehören auch Briefe. Einer stammt aus dem Büro von Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin, heißt es da, bitte um Verständnis, dass sie dem Wunsch nicht nachkommen könne. Bei der Versteigerung im NRW-Forum erbrachte die gerahmte Merkel-Absage einen Erlös von 60 Euro.

Was soll das Ganze? Sara Ginolas sagt, sie wolle "aus Kunst Kunst machen". Durch das Tauschgeschäft nehme sie etwas aus der Welt und gebe es zurück. Auch die Versteigerung, die der Düsseldorfer Galerist und Auktionator Andreas Sturies leitete, ist damit Teil des Projekts, schließlich wird dadurch auch das Publikum einbezogen. Der Erlös soll dann praktisch helfen: Er geht an das Hilfsprojekt Haus Ethiopia in Düsseldorf.

Auf viele Rückmeldungen wartet Sara Ginolas noch. Nicht ausgeschlossen, dass zum Beispiel Putin noch antwortet. Sie weiß zumindest, dass ihr Paket in Moskau angekommen ist. Denn sie hat es per Einschreiben geschickt.

Quelle: RP
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