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Stadt Willich
Kunst scheinbar unvereinbarer Gegensätze

Stadt Willich: Kunst scheinbar unvereinbarer Gegensätze
Der 28-jährige Düsseldorfer Künstler Levente Szücs in seiner Ausstellung in Neersen. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Der Künstler Levente Szücs beschließt mit seiner Malerei die diesjährige Ausstellungsreihe "artifical nature". Vernissage ist am Sonntag um 11 Uhr in der städtischen Galerie Schloss Neersen. Von Angela Wilms-Adrians

Waldsilhouette, Gebirgsmassiv und Landschaft in Licht und Nebel lassen sich unschwer erkennen, und doch sind Levente Szücs Bilder weit entfernt von jedweder Illusion. Der thematische Bezug zur Natur ist offensichtlich, doch eben nur Teil eines spannungsreichen Umgangs mit Gegensätzen. Szücs arbeitet mit den Kontrasten von Abstraktion und naturalistischer Malerei, Idee und Zufall, Bewusstem und Unbewusstem, Dynamik und Ruhe.

Am kommenden Sonntag wird seine Ausstellung in der Galerie Schoss Neersen eröffnet. Sie beschließt die diesjährige Reihe "artificial nature". Zur Klärung des Begriffs betont Kuratorin Jutta Saum in den das Jahresthema begleitenden Katalogen, dass Darstellung von Natur immer auch Deutung und damit artifiziell ist. Für das Thema holte sie insgesamt fünf Künstler mit unterschiedlichsten Positionen für vier Ausstellungen in die städtische Galerie.

Der seit 2002 in Deutschland lebende Ungar Szücs ist Meisterschüler von Prof. Herbert Brandl. Noch vor einigen Jahren bevorzugte der junge Künstler in der Malerei eine naturalistische, aufwändige Darstellungsweise. In einer kompletten Neuorientierung wechselte er ausgerechnet zur Abstraktion und einer intuitiven, temporeichen Arbeitsweise. Beide Wege befriedigten ihn nicht wirklich, bis er für sich dann die Verschmelzung von Abbild und Abstraktion entdeckte. Inzwischen ist der Umgang mit Gegensätzen charakteristisch für Szücs´ Schaffen. Beispiel der Neuorientierung ist das mittelgroße Bild eines Bergmassivs an der Breitseite links des Eingangs. Das Motiv grenzt sich mit scharfer Kante vom abstrakten Grund ab, der während dessen Entstehung abgeklebt war. Die Vorgehensweise, mit einer Art "Maske" zu arbeiten, verbindet alle Bilder der Ausstellung. Der Grund ist jeweils intuitiv und meditativ abstrakt gemalt. Nach der Trocknungsphase bringt Szücs Klebestreifen als "Maske", die vor Übermalungen schützt, auf und beginnt mit der aufwändigen Arbeit. Die Waldsilhouette eines Bildes ist in vielen dünnen und durchsichtigen Schichten aufgebaut. "Die Farben sind nicht auf der Palette gemischt. Das Auge mischt sich die Farben wie durch ein Glas", erklärt der Künstler und vergleicht die so entstehende Farberfahrung mit einem Blick durch verschiedenfarbige, durchsichtige Gläser.

In einer späteren Werkphase scheinen sich in radikalen Brüchen dynamische, breit angelegte Farbschwünge über die Landschaft zu legen. In Wahrheit aber entstand die Landschaft im späteren Schritt. Diese Bilder sind in der Augentäuschung Vexierbilder. "Mir ist nicht wichtig, was man auf den ersten Blick sieht, sondern die Auseinandersetzung mit Gegensätzen", sagt der Künstler.

In der aktuellen Werkphase ist Fotografie als neues Medium und weiterer Gegensatz zur Malerei einbezogen. Fotografien von Waldansichten sind gerissen, wie die ausgefransten Kanten unschwer erkennen lassen. Durch Reißen und Weglassen ist die tiefer liegende Malerei sichtbar. In der Abstraktion bildet sie einen zweifachen Gegenpol zu den fotografierten Motiven. Der Betrachter wähnt eine Collage zu sehen, doch hier klärt der Künstler gerne auf: "Die Fototeile sind nicht aufgeklebt. Sie schweben auf der Fläche, gehalten von Magneten".

Quelle: RP
 
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