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Stadt Willich
Landrat beantragt Wachschließung

Stadt Willich: Landrat beantragt Wachschließung
Schon heute werden die Streifenwagenbesatzungen im Kreis Viersen von der Leitstelle in Viersen aus dirigiert. FOTO: Tinter, Anja (ati)
Stadt Willich. Andreas Coenen (CDU) hofft auf die Erlaubnis des NRW-Innenministers, die Polizeiwachen in Willich und Nettetal nachts schließen zu dürfen. Die Polizei könne durch das neue Konzept "mehr Gesicht zeigen". Von Ludger Peters

In Kürze erhält Innenminister Ralf Jäger (SPD) einen Antrag aus dem Kreis Viersen mit der Bitte, weitreichende organisatorische Veränderungen zuzulassen. Der Leitende Polizeidirektor Manfred Krüchten legt ihm ein Konzept vor, das den personell schrumpfenden und alternden Polizeikörper operativ am Leben hält und die Sicherheit der Bürger nicht aufs Spiel setzt.

Umsetzen will Krüchten, was vorab schon durch Indiskretionen bekannt geworden war. Er löst die Polizeiwachen Willich und Nettetal auf, indem die Nachtdienste dort gestrichen werden. Die so frei werdenden Kräfte sollen anderweitig eingesetzt werden. Künftig wird die Polizei in Kaldenkirchen und Willich montags bis freitags von 7 bis 22 Uhr besetzt sein. Rund um die Uhr besetzt sind dann nur noch die Wachen in Viersen und in Kempen.

Krüchten hat gegenüber den Bürgermeistern und auch im Polizeibeirat offensichtlich die anfangs hochgehenden Wogen glätten können. Es werde keineswegs weniger Sicherheit im Kreis geben. Längst schon setzt die Einsatzleitstelle an der Lindenstraße in Viersen ausnahmslos alle Polizeistreifen. In den Wachen sitzen nachts Beamte, die darauf warten, bis ein Bürger eine Anzeige erstatten will, oder sie bewachen das Gewahrsam.

Das sei eine Verschwendung personeller Ressourcen, weil sie sonst nichts anderes tun können, erklärt Krüchten. Im vergangenen Jahr sind im Bereich der Wache Nettetal - also Stadt Nettetal, Brüggen und Niederkrüchten - zwischen 22 und 7 Uhr 629 Anzeigen aufgenommen worden. Davon entfielen nur 51 auf den Beamten in der Wache. Rein rechnerisch kommt einmal pro Woche jemand nachts, um eine Anzeige zu erstatten. In Willich ist es nicht viel anders. Alle anderen gehen auf das Konto der Streifenwagenbesatzungen, die aber schon jetzt von Viersen aus dirigiert werden.

Die Hälfte der aktuell 398 Polizeibeamten im Kreis ist älter als 50 Jahre. Spätestens ab diesem Alter gefährdet Nachtdienst die Gesundheit des Menschen. "Wir alle haben nichts davon, wenn Beamte aus gesundheitlichen Gründen ausfallen", sagt Krüchten. Er hat auch den Auftrag, die demografischen Veränderungen personell aufzufangen, und er weiß, dass er gleichzeitig bis 2025 gut zwei Dutzend Kollegen an andere Polizeibehörden abgeben muss.

Aus Altersgründen werden in diesem Jahr etwa 16 Beamte ausscheiden, in den folgenden Jahren werden es immer 20 bis 25 sein. Auch wenn das Land jetzt verstärkt Polizeibeamte ausbildet - diese Lücke kann Krüchten nicht schließen. Also zieht er die Kräfte in Viersen und Kempen zusammen, das gilt auch für die Gewahrsame.

Das neue Konzept ermögliche der Polizei sogar, mehr "Gesicht zu zeigen". Die Beamten könnten gezielt bei der Bekämpfung von Einbruchdiebstählen, zur Sicherung von Fahrrad fahrenden Kindern oder auch bei der Geschwindigkeitsüberwachung eingesetzt werden. "Man wird sie in Uniform mehr im Straßenbild sehen, aber sie werden auch in Zivil unterwegs sein", sagt der Polizeichef. Und wer nachts dennoch in Willich zur Polizei gehen will, wird künftig über eine Sprechanlage direkt mit der Einsatzleistelle in Viersen verbunden.

Krüchten hofft, dass NRW-Innenminister Jäger das Konzept bis Anfang September genehmigt. Dann kann er mit der Planung beginnen, die einige Monate in Anspruch nehmen dürfte.

Quelle: RP
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