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Stadt Willich
Landwirte gegen Nordumgehung

Stadt Willich: Landwirte gegen Nordumgehung
Thomas und Josef Selders fürchten, dass vom Diepenbroich in Richtung Osten die Nordumgehung entlangführen könnte. Daher haben sie mit einigen Kollegen einen Bürgerantrag übergeben. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Einige Bauern wehren sich gegen die Schiefbahner Nordumgehung. Doch wenn sie ihre Grundstücke nicht verkaufen, kann diese gar nicht gebaut werden: "Eine Enteignung wird es nicht geben", verspricht der Planungsausschuss-Vorsitzende. Von Willi Schöfer und Marc Schütz

Nicht allzu gut zu sprechen auf die Stadtplaner und auf Ratsmitglieder von CDU und SPD sind derzeit einige Landwirte sowie Obst- und Gartenbauer, die größtenteils ihre Flächen an einer möglichen Schiefbahner Nordumgehung bewirtschaften. Jetzt haben sie Bürgermeister Josef Heyes einen Bürgerantrag gegen die Umgehung übergeben. Die Landwirte sprechen davon, dass es die Kommunalpolitiker von CDU und SPD bislang versäumt hätten, die Verkehrsprobleme im Ort zu lösen. Eine Nordumgehung sei der gänzlich falsche Ansatz, viel zu kostspielig, und sie schade nur Umwelt und Natur. Zudem sei es für nachfolgende Generationen unzumutbar, für die Umgehung Schulden "von weit mehr als zehn Millionen Euro" zu machen.

Einer der Unterzeichner ist der 67-jährige Josef Selders, der seinen Geretzhof im Diepeshof über fünf Jahrzehnte selbst bewirtschaftete, seit etwa zwei Jahren hat ihn sein Sohn Thomas (37) gepachtet. Josef Selders sagt: "Das zeitweise Verkehrschaos im Schiefbahner Ortskern ist hausgemacht und wird durch keine Nordumgebung behoben." Im Gegenteil: Dadurch werde eine Kulturlandschaft zerstört. Sein weiterer Kommentar: "Es geht nicht wie auf dem Marktplatz in Alt-Willich um 20 Ahornbäume, sondern dann um Hunderte wertvoller Bäume unterschiedlichster Art und Größe, die abgeholzt oder umgepflanzt werden müssten."

Zur Erinnerung: Es gibt schon seit Längerem die "Bürgerinitiative Schiefbahn Nord", die vor allem Verkehrsaufkommen und -lärm auf einigen Straßenzügen beklagt und die sich von einer Nordumgehung eine Entlastung verspricht. Diese Umgehung sollte ursprünglich einmal von Schiefbahn-Niederheide im Bogen nördlich an Schiefbahn vorbei bis zum Kreuzungspunkt Willicher/Korschenbroicher Straße führen. Sie war bereits schon einmal vor vielen Jahren angedacht, aber wurde vor allem aus Kostengründen aber bisher nicht realisiert.

Dazu soll jetzt dem Planungsausschuss in seiner März-Sitzung eine neue Machbarkeitsstudie mit insgesamt drei Varianten vorgelegt werden. Daher rät auch der Planungsausschuss-Vorsitzende Christian Pakusch (CDU) zur Gelassenheit. Es werde bereits über Baumfällungen gesprochen, obwohl das Ergebnis der Machbarkeitsstudie noch gar nicht bekannt sei. Und: "Eine Enteignung der Grundstücke ist völlig ausgeschlossen." Heißt: Wenn die Eigentümer nicht verkaufen, passiert auch nichts. Für ihn sei entscheidend, dass bis zum Sommer eine Entscheidung für oder gegen eine - wie auch immer aussehende - Umgehung gefällt werde. Denkbar sei beispielsweise auch, den Schleichweg "Am Klapptor" in Richtung Willich offiziell zu öffnen oder andere Querverbindungen zu schaffen.

Zurück zur "großen Lösung": Ein anderer Unterzeichner des Bürgerantrages ist Willi Mertens vom Diepeshof. Auch er ist der Auffassung, dass durch eine Nordumgehung keine der Einfahrtstraßen in Schiefbahn, wie Willicher Straße, Tups- oder Königsheide, entlastet werde. Auch wird bezweifelt, dass es dadurch zu einer Entlastung für das direkte Ortszentrum komme. Im Gegenteil - dann sei erst recht mit einem weiteren Verkehrschaos bei einem möglichen Anschluss dieser Umgehung an die Fontanestraße spätestens am Nadelöhr des Wilhelm-Wirtz-Platzes zu rechnen.

Die Unterzeichner, darunter ferner Frank Mertens und Gartenbauer und Gestalter Weuthen, äußern weiter, dass die Zufahrten zu den Geschäften, Arztpraxen oder Banken im Schiefbahner Zentrum gewährleistet werden müssten. Frank Mertens: "Wer einen riesigen Edeka-Markt mitten im Zentrum von Schiefbahn mit den Lkw-An- und Abfuhren über die enge Hochstraße genehmigt, muss wohl wissen, dass dadurch Verkehrsprobleme entstehen." Sie erinnern an offenbare Versprechungen von CDU-Kandidaten vor der letzten Kommunalwahl, sich für die Sperrung des Lkw-Durchgangsverkehrs im Ortskern einsetzen zu wollen. Auch da sei nichts passiert. Die Landwirte plädierten weiterhin für diese Sperrung; außerdem für Tempo 30 auf allen Einfahrtsstraßen. Planungsausschuss-Vorsitzender Pakusch erklärt: "Die Hochstraße ist eine Landesstraße, und das Land möchte die Straße für Lkws nicht dichtmachen." Zudem weist er den Vorwurf zurück, die Politik kümmere sich nicht: "Wir haben die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, und die Verkehrsberuhigung der Willicher Straße wird jetzt definitiv umgesetzt."

Quelle: RP
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