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Stadt Willich
Landwirte setzen auf wärmere Tage

Stadt Willich: Landwirte setzen auf wärmere Tage
Im vergangenen Jahr konnte Hans Leo Sieben Anfang Mai schon die ersten Frühkartoffeln ernten. In diesem Jahr wird sich die Ernte voraussichtlich um ein paar Wochen verzögern. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Weil es in den vergangenen Wochen häufig noch recht kühl war, viel geregnet hat und Sturmtief "Niklas" tobte, sind die Bauern in der Region zeitlich im Rückstand. Die Böden sind noch zu nass, um Rüben einzusäen oder Kartoffeln zu setzen. Von Willi Schöfer

Manchmal stimmen Bauernregeln eben doch. Diese beiden beispielsweise: "Hört Waltraud nicht den Kuckuck schrei'n, dann muss er wohl erfroren sein" oder "Regnet's stark zu Albinus (16.), macht's den Bauern viel Verdruss." Zuletzt war es lange zu kalt und zu nass, so dass die Vegetation erst langsam zu wachsen beginnt. Und die Landwirte hoffen, dass die kommenden Wochen trockener und schöner werden, damit es auf den Feldern mit der Düngung und der Aussaat weitergehen kann.

Hans Leo Sieben (62), Senior-Chef des großen Kartoffelhofes in Clörath, spricht davon, dass die Vegetation verglichen mit 2014 um einige Wochen im Rückstand sei. So habe er im vergangenen Jahr bereits Anfang Mai die ersten Frühkartoffeln geerntet. "Diesmal wird dies hoffentlich nur ein bis zwei Wochen später sein", sagt der Landwirt des Siebenhofes. Aufgrund der Kälte und Nässe müsse auch er mit der Rübeneinsaat noch etwas warten, hoffentlich gehe es damit in den nächsten Tagen aber los. Sieben spricht zudem den Sturm vor über einer Woche an: Dieser habe auch bei den geschützten Gemüsepflanzen Planen und Folientunnel zerfetzt, die nur mit Mühe wieder aufgebaut oder neu verlegt werden konnten.

Theo Heyes, Ortslandwirt in Willich, hat ebenfalls schon die ersten Frühkartoffeln gepflanzt und sagt: "Es hatte eigentlich vor etwa drei Wochen verheißungsvoll begonnen, bis dann wieder die kalten Nächte und der Regen kamen." Um den Rest der Kartoffeln zu setzen, warte er noch einige Tage ab. Zu früh wolle er nicht weitermachen, dies schade dem Boden mehr als es nütze. Auch beim Weizen und der Gerste erhofft sich Heyes einen Vegetationsschub, zumal das Getreide Ende des vergangenen Jahres teilweise nass eingesät worden sei, jedenfalls sei die erste Düngung erfolgt. Heyes zeigt sich aber nicht allzu pessimistisch. Auch ihm sind Klagen von Obst- und Gemüsebauern bekannt, die zum Teil große Sturmschäden bei ihren Folientunneln gehabt hätten.

Herrmann-Josef Hegger, Vorsitzender der Ortsbauenschaft in Tönisvorst, hat in etwa die gleichen Probleme, spricht seine nassen Böden an und sagt: Ich hoffe, wir können Ende dieser Woche mit der Düngung der Mais-Einsaat beginnen." Sein Getreide brauche ebenfalls jetzt schöne Tage und viel Sonne.

"Wir sind Überzeugungstäter und glauben fest daran, dass jetzt das schöne Wetter anfängt", sagt Kreis-Landwirt Christian Küskens, der selbst in Niederkrüchten unter anderem Mais, Zuckerrüben und Getreide anbaut. Sein Weizen steht zwar bereits, aber für die Rüben- und Maiseinsaat ist der Boden noch viel zu nass. "Der Mais braucht zum Beispiel eine Bodentemperatur von 12 Grad, und die haben wir längst noch nicht. Wahrscheinlich fange ich mit der Einsaat Ende April erst an", meint der 52-jährige Landwirt. Für ihn ist dies aber nichts Außergewöhnliches: "Das Rheinland ist meistens später dran. So waren in unserer Region vor Ostern erst neun bis zehn Prozent der Rüben gesät, in anderen, trockeneren Gebieten, so im Norden und Osten, war der Anteil schon bis zu 70 Prozent." Seinen Wunsch teilen viele der befragten Landwirte: "Die nächsten zwei Wochen trocken, schön und sonnig, um die 15 Grad, ab und zu ein bisschen Regen."

Sein Kollege Christoph Tenhaef, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Grefrath mit annähernd 40 Betrieben, hofft, dass jetzt die kalten und regnerischen Tage vorbei sind und dass er sein Rindvieh bald auf den dann trockenen Weiden mit besserem Grasbewuchs als bisher grasen lassen kann. Was Tenhaef allerdings mehr ärgert: dass der Milchpreis derzeit mit generell 28 beziehungsweise 29 Cent pro Liter (ohne die Qualitätszuschläge) viel zu gering sei. 34 Cent seien wünschenswert.

Quelle: RP
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