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Stadt Willich
Langes Warten auf Schwimmkurse

Stadt Willich: Langes Warten auf Schwimmkurse
So sicher wie diese Schüler können heutzutage längst nicht mehr alle Mädchen und Jungen schwimmen. FOTO: Jürgen Laaser
Stadt Willich. Die Wartelisten sind voll. Die Bäder sind überlastet mit Kursen. Auch Schließungen sind schuld daran, dass die Zahl der Nichtschwimmer bei Grundschülern steigt. Von Jannetta Janssen

Ein Mal pro Woche Schwimmunterricht. Oft gerade einmal 25 Minuten Wasserzeit. Das ist oft Alltag beim Schulschwimmen in Tönisvorst und Willich. Michael Grohe von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) vom Landesverband NRW warnt: "Jeder zweite Grundschüler macht kein Schwimmabzeichen." Damit meint Grohe nicht das Frühschwimmerabzeichen Seepferdchen, sondern Bronze, Silber und Gold. "Seepferdchen ist lediglich die Vorbereitung, aber danach kann niemand ,sicher' schwimmen", so Michael Grohe. Rund 25 Prozent der Schulen in Deutschland haben keinen Zugang zu einem Schwimmbad - Tendenz steigend. "Konkrete Zahlen für den Kreis Viersen gibt es nicht", sagt Gabriele Gotzen vom Kreis Viersen auf Anfrage.

Ulrich Janßen (Ausbilder DLRG Tönisvorst) und Hermann-Josef Wenten (Vorsitzender DLRG Willich) haben in Sachen Wartelisten ähnliche Erfahrungen: "Wir nehmen niemanden mehr auf die Warteliste, wir müssen erstmal abarbeiten", sagt Ulrich Janßen. Und Hermann-Josef Wenten erklärt: "Bis Ende 2017 sind wir voll." Den gesamten Bedarf zu decken - unmöglich. Deshalb ein Tipp von Ulrich Janßen: "Direkt nach der Geburt anmelden, dann gibt es auch im Alter von fünf Jahren einen Platz." Das kann auch Wenten bestätigen: "Die meisten kommen zu spät mit der Anmeldung und wundern sich dann, dass es keinen Platz gibt." Jährlich bildet die DLRG Willich 40 Kinder aus. "Mehr geht nicht, irgendwo sind die Grenzen erreicht", erklärt der Vorsitzende.

Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass jedes zweite Grundschulkind nicht schwimmen kann. "Heutzutage brauchen Kinder deutlich länger, Seepferdchen zu machen als früher", sagt Janßen. Deshalb empfiehlt er: "Wenn die Kinder das Bad bereits kennen, erleichtert das einiges." Es fange schon bei der Wassergewöhnung an. Viele Kinder müssten zunächst lernen, dass "Wasser nix tut". Danach kämen erst die schwimmerischen Grundfähigkeiten, und erst dann beginne die eigentliche Anfängerschwimmausbildung. Viele Stunden würden demnach für Wassergewöhnung draufgehen. Deshalb von beiden Schwimmlehrern der Appell an die Eltern: "Gewöhnen Sie das Kind ans Wasser in der Badewanne, unter der Dusche, gehen sie selbstständig mit ihren Kindern ins Schwimmbad", wünschen sich beide.

Recherchen der Rheinischen Post in Schwimmbädern im Kreis Viersen haben ergeben, dass besonders die Schwimmkurse für Grundschüler überlastet sind. Das bestätigt auch Michael Grohe: "Die Wartelisten sind voll. Zum Teil zwei bis drei Jahre Wartezeit." Ein anderer Grund für den DLRG-Pressereferenten: Die vermehrte Schließung von Schwimmbädern in ganz Deutschland und die wachsende Zahl Anfragen von Schwimmkursen für Flüchtlinge. "Es werden mehr Bäder geschlossen, als eröffnet", so Grohe. Die Konsequenz: Überlastung. Betroffen davon seien nicht nur Schulen, sondern auch Schwimmvereine und die DLRG selbst. Die Übungszeit einer Schwimmgruppe würde sich wöchentlich im Durchschnitt auf anderthalb Stunden begrenzen, die Ausbilder kämen in der Zeit dann meist nicht einmal ins Wasser: "Man muss als Leiter auch trainieren, und das kommt definitiv zu kurz", sagt Grohe.

Die DLRG Willich trainiert im Freizeitbad "De Bütt", auch die DLRG Tönisvorst hat das "H2Oh!" in der eigenen Stadt. Beide Bäder haben also ein eigenes Schwimmbad in der Stadt, es gibt keine langen Anfahrten wie zum Beispiel, in anderen Kommunen. "Ich bin wirklich sehr froh. Wenn man jetzt auf Krefeld ausweichen müsste, wäre die DLRG Tönisvorst nach spätestens einem Jahr am Ende", sagt Ulrich Janßen. Eine weitere Herausforderung für Freizeitbäder sind Schwimmkurse für Babys und Kleinkinder. Diese sind sehr beliebt. Doch ab dem zweiten bis vierten Lebensjahr entsteht oft eine Lücke. Die Bäder haben dafür oft keine Zeitkapazitäten mehr. Viele Eltern aus dem Kreis Viersen müssten dann auf Angebote in Städten wie Mönchengladbach oder sogar Düsseldorf ausweichen. Im Alltag jedoch nicht umsetzbar. Und auch dort gibt es dieselben Probleme: lange Wartelisten.

Quelle: RP
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