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Stadt Willich
Leergold: Kunst aus Weggeworfenem

Stadt Willich. Auf Einladung des Willicher Kunstvereins zeigen Studierende der Hochschule Niederrhein das Ausstellungsprojekt "Leergold". Es ist eine eindringliche Auseinandersetzung mit der Verwendung und Verschwendung von Ressourcen. Von Angela Wilms-Adrians

Wie zufällig stehen beim Eingang zum Gründerzentrum zwei gelbe Leergutsäcke. Sie bergen keine Behältnisse für die baldige Entsorgung, sondern verweisen im Aufdruck auf die Ausstellung "Leergold". Diese erzählt auf beeindruckende Weise von der Verwendung und Verschwendung von Nahrung und Behältnissen, von Lust und Energie, von Flüssigkeiten und Behausungen. Die Präsentation zeigt einen Querschnitt der Semesterabschlussarbeiten von 16 Studierenden der Hochschule Niederrhein vom Fachbereich Design. In der alten Industriehalle gewinnt das von Mathias Lanfer betreute Ausstellungsprojekt eine erzählerische Dichte mit Sogwirkung. Der erste Gesamteindruck lädt ein, den Blick schweifen zu lassen und entzündet zugleich die Neugierde, aus der Nähe zu entdecken, wie Inhalte über Abfallprodukte ästhetisch aufbereitet sind. Dominierender Blickfang an der rückwärtigen Wand ist Lukas Schmidts metallisch schillernde Folienfläche "Me(hr)gold". Sie ist, durch ein Gebläse angetrieben, ständig in Bewegung, aber gebändigt, so dass der Flächencharakter erhalten bleibt. Der sich ergebende Luftzug, wie auch das Rauschen von Wasser in Julia Herrmanns kritischem Video "Goldwert" über Ressourcen, Leergut und Wasserknappheit sowie das leise durchdringende Geräusch eines Regens begleiten die Eindrücke.

Carolina Tidelskis Installation "Wie viel ist zu viel?" scheint mit dem eingedeckten Tisch zum Verweilen einzuladen. Flaschenkästen sind hier zu Hockern und Tischstützen gestapelt. Eingedeckt ist mit Plastiktellern und -besteck. Zur Tischlektüre liegen Hefte mit dem Arbeitstitel im Cover bereit. Wer blättert, entdeckt Fotos und deren Verfremdung zu ausgefallenen Rezepten einer Überflussgesellschaft.

Von grandioser Wirkung ist die von Dirk Hinzmann und Justin Weymar raumgreifend inszenierte Installation "gaveitallaway". Auch hier sind die gewählten Materialien denkbar profan: leere Pet-Flaschen, mit der Öffnung in Maschendraht zur schwungvoll aufgerichteten Welle vereint. Unterschiedliche Flaschengrößen und verschiedenfarbige Aufkleber unterstreichen über die Anordnung optisch reizvoll die Bewegung. Alina Barz und Lukas Prangen verarbeiteten Pet-Flaschen, eine Plastikhalbkugel und Verpackungsfolien in die "Plastik der Qualle". Unmittelbar ist der Gedanke an die Verschmutzung der Meere präsent. Zugleich scheint diese an Nylonfäden schwebende, überdimensionierte Qualle leicht durch die Halle zu gleiten. Anna Dalege hat in der futuristisch anmutenden Gegenüberstellung von Fotografie und Objekt den Menschen direkt einbezogen - scheinbar bewehrt mit spitzen Schuppen und dabei doch so verletzbar.

Quelle: RP
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