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Stadt Willich
Licht und Schatten als Gestaltungsmittel

Stadt Willich: Licht und Schatten als Gestaltungsmittel
Vor der schwarzen Fläche treten die weißen Silhouetten von kleinen Tieren, Früchten und Alltagsgegenständen stärker hervor. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Die in Israel geborene Künstlerin Zipora Rafaelov stellt bis zum 23. Oktober in der Galerie Schloss Neersen aus. Installation, Objekt und Scherenschnitt strahlen über filigrane Linien und Netzwerke berührende Leichtigkeit aus. Von Angela Wilms-Adrians

Unendlich behutsam und leise erobert Zipora Rafaelovs Werk die Galerie Schloss Neersen. Die Künstlerin beschränkt sich häufig auf Weiß und entfaltet oft erst über den Schattenwurf von Linien und kleinteiligen Silhouetten eine dreidimensionale Optik. Diese Zurücknahme lässt überrascht, ja verzaubert innehalten, da sie spielerisch leicht erzählt und doch erhöhte Aufmerksamkeit weckt.

Im begleitenden Katalog verweist Kuratorin Jutta Saum auf Rafaelovs Erfahrung mit kontrastreichen, grellen Lichtverhältnissen, wie sie für deren Heimat Israel so bezeichnend sind. "Im direkten Sonnenlicht gehen Konturen verloren, Form und Raum werden ins Flächige ausgeblendet und erst im Schatten wieder sichtbar getrennt, wenn sich die Pupille zu entspannen beginnt", schreibt Saum, die zur Beschreibung der Wahrnehmung zutreffend das Bild von winzigen Staubpartikeln auf einem Sonnenstrahl wählt.

Das Auge scheint tatsächlich erst einmal geblendet, ehe es im Weiß Formen und Linien sondiert. In Installation und Wandobjekten arbeitet die Künstlerin mit Fadensträngen, in denen kleine ausgesägte Motive in Form von Tier, Auto und Pflanzen zum Beispiel verhaftet sind. In den Wandobjekten trifft das derart inszenierte filigrane Spiel über weißem Grund auf seinen Schattenwurf. In Varianten verzichtet die Künstlerin auf Fadenstränge und lässt ausgesägte Motive mittels Verbindungsstege scheinbar über einer Fläche gleiten, begleitet vom Echo des eigenen Schattens.

Die frei im Raum befindlichen Installationen sind davon befreit, da hier eine Projektionsfläche fehlt. Vier im Raum hängende Rahmen mit Linien-Netzwerken assoziieren einen offenen Kubus und lassen die kleinen Symbole des Alltäglichen scheinbar schwerelos im Licht gleiten.

Mit Skalpell variiert die Künstlerin im Scherenschnitt das Spiel um ungemein filigrane Gespinste und den daraus erwachsenen figürlichen Bezügen. In Distanz zum hellen Grund dringen die Scherenschnitte mit ihrem Schattenwurf wetteifernd aus der Fläche subtil ins Räumliche. Unter einer Gruppe von Glashauben ruhen fragil anmutende, hauchzarte Papierarbeiten mit feinen Rundungen und Auswüchsen. Sie verlangen nach absoluter Nähe.

Bei einem Scherenschnitt aus weißem Pergament vor Weiß ist der Schatten als immaterielles Gestaltungsmittel absolut gesetzt: Denn der Schatten zeichnet weich nach, was das bloße Auge mangels Kontraste kaum wahrnehmen kann.

Quelle: RP
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