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Stadt Willich
Licht und Schatten in der Innenstadt

Stadt Willich: Licht und Schatten in der Innenstadt
Die Peterstraße mit ihren zahlreichen Geschäften ist eines der Schmuckstücke der Alt-Willicher Innenstadt. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Das Zentrum Alt-Willichs ist recht groß. Wo liegen die Vorzüge, wo gibt es Schandflecke? Die RP hat mit drei Einzelhandels-Experten einen Rundgang gemacht. Schmuckstück ist die Peterstraße, Potenzial hat die Grabenstraße. Von Marc Schütz

Für einen Ort dieser Größe müssen Kunden in Alt-Willich recht weite Strecken zurücklegen, wenn sie alle Geschäfte in der Innenstadt sehen wollen. Die Läden konzentrieren sich im Wesentlichen auf die sogenannte Y-Achse - bestehend aus der südlichen Bahnstraße, der Peterstraße vom Kaiserplatz aus, dem Markt und der Kreuzstraße bis zur Brauereistraße. Viel wurde in den vergangenen Monaten diskutiert über den Zustand der Innenstadt; der Marktplatz soll nun bald umgestaltet, ein neues Verkehrskonzept umgesetzt werden. Um sich ein genaues Bild zu machen, hat die RP mit drei Experten einen Stadtrundgang gemacht: Andree Haack, Geschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein und Einzelhandelsexperte, Citymanagerin Christel Holter und Werbering-Vorsitzender Christoph Smits.

Laternen-Pitt begrüßt die Kunden an der Ecke Burgstraße/Bahnstraße. "Das Entree mit der Statue ist verheißungsvoll", sagt Andree Haack. Mancher Ladenbesitzer hat Patenschaften für Baumscheiben oder Blumenampeln übernommen, was für ein freundliches Bild sorge. Schade sei hingegen, dass es an der Bahnstraße einige Leerstände gebe. Vor allem das Haus hinter der Statue ist kein schöner Anblick. "Das ist eine Schrottimmobilie", bringt es Citymanagerin Christel Holter auf den Punkt. Gespräche mit dem Eigentümer laufen seit über vier Jahren, gestalten sich aber schwierig. "Es handelt sich um eine Ecklage, der Grundstückszuschnitt ist nicht ideal, und wir wollen auch die Nachbargrundstücke in die Lösung einbeziehen. Daher kommen mehrere Eigentümer ins Spiel", so Holter. Zudem werde die Stadt nicht davon abrücken, dass es in der Innenstadt in den Erdgeschossen eine gewerbliche Nutzung geben muss. Das müsse aber nicht der klassische Einzelhandel sein, denn: "Auch Dienstleister bringen Frequenz in die Innenstadt", sagt Holter. Ein solcher Frequenzbringer fehle der Bahnstraße seit der Schließung der Schlecker-Filiale allerdings, sagt Haack. Wenigstens gebe es die Sparkasse, die allerdings - für eine solche Institution untypisch - recht versteckt liege. Und sie ist an einem Nachmittag in der Woche geschlossen, was für die Kundenfrequenz schlecht sei - "man darf halt nicht immer nur auf den Handel schimpfen", sagt Haack.

Das unter Denkmalschutz stehende Hinzen-Haus soll um einen Glasanbau erweitert werden, um mehr Platz für Gastronomie zu schaffen. FOTO: Hüskes Achim

Von der Straßenecke aus gesehen einige Meter weiter in Richtung Markt hat gerade das Feinkostgeschäft "Wajos" eröffnet, was den kleinen Platz davor aufwerten könne, so Haack. Schräg gegenüber gefällt Haack der Josefsbogen: "Alt-Willich hat viele kleine Wege, über die Fußgänger und Radfahrer in die Innenstadt gelangen können, das ist gut."

Mit einem Leerstand mündet die Bahnstraße auch auf den Marktplatz. Ein Friseurbedarf-Geschäft ist vor wenigen Wochen ausgezogen, auch das kleine Ladenlokal, in dem mal ein Reisebüro war, steht leer. Das Objekt gehört der städtischen Grundstücksgesellschaft, die es derzeit nicht so leicht habe, die Immobilie zu vermieten: "Viele Interessenten wollen den Marktplatzumbau abwarten und nicht kurz vor den Bauarbeiten einziehen", so Holter. IHK-Mann Haack gibt offen zu, dass er kein Freund davon war, den Autoverkehr vom Marktplatz zu verbannen. "Aber jetzt, da diese Entscheidung getroffen wurde, muss man das ganz konsequent umsetzen."

Das Josefstor an der Bahnstraße bietet - wie viele andere kleine Wege - Fußgängern und Radfahrern die Möglichkeit, in die Innenstadt zu gelangen. FOTO: Hüskes Achim

Schon jetzt glänzt der Marktplatz vor allem durch sein gastronomisches Angebot, Blumenampeln bringen Farbe, die Kirche ist ein echter Hingucker. "Gegenüber gibt es dann allerdings eine wenig attraktive 60er/70er-Jahre-Bebauung", bemängelt Haack. "Beim Thema Fassade müssten natürlich die Eigentümer ran. Aber die sagen meist, dass sich das für sie nicht rechne, solange die Objekte auch so vermietet werden können", sagt Werbering-Vorsitzender Christoph Smits, der selbst Immobilienmakler ist. Haack ergänzt: "Hier sehen wir ein grundsätzliches Problem der Innenstadtentwicklung. Denn nicht nur der Handel sorgt für das Aussehen einer Stadt, sondern auch die Immobilienbesitzer."

Weiter geht's auf dem Markt in Richtung Kreuzstraße, wo der Kodi-Markt durch die Schaffung zweier Eingänge vor einiger Zeit für eine Verbindung zum Rewe-Gelände an der Grabenstraße sorgt - für alle drei Experten ein Gewinn für die Innenstadt. Und auch das Hinzen-Haus schräg gegenüber findet Gefallen, auch der geplante Glas-Anbau stößt auf Zustimmung. "Wir leben in einer Region, in der nicht immer die Sonne scheint. So kann man bei jedem Wetter quasi draußen sitzen", sagt Haack.

Über den Marktplatz wurde in den vergangenen Monaten heftig diskutiert und gestritten. Bald wird er umgestaltet. FOTO: Achim Hüskes

Hinter einem netten Geschenke-Laden endet die Begeisterung jedoch schlagartig. Denn das Gebäude-Ensemble an der Ecke Kreuz-/Brauereistraße, das sich bis zur Grabenstraße zieht, steht leer und ist baufällig. Doch Haack und Holter sehen in diesem 1400 Quadratmeter großen Areal auch eine große Chance für Willich. "Das ist hier die größte zusammenhängende Fläche, die man noch entwickeln und in der man größere Geschäfte ansiedeln kann", sagt Haack, der an die Politik appelliert: "Es ist wichtig, dass sie dahinter steht und den Roten Teppich ausrollt, denn sonst geht ein möglicher Investor dahin, wo es unkomplizierter ist zu bauen." Auf die grüne Wiese womöglich, und genau das gelte es zu verhindern. "Die Alt-Willicher Innenstadt ist ohnehin schon sehr weitläufig und sollte nicht noch weiter zerfasern", sagt Haack.

Mit Deichmann, Takko und Rewe befinden sich gleich drei Frequenzbringer in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander - laut Smits ein typisches Phänomen. Umso wichtiger sei es, dieses Areal durch eine ansprechende Bebauung mit dem Markt zu verknüpfen. Auch die Brauerei-Passage biete Potenzial, und Eigentümer Christian Paschertz hat bereits seine Bereitschaft signalisiert umzubauen. Möglicherweise könnten die Geschäfte zur Grabenstraße hin geöffnet werden, denn diese ist an dieser Stelle ebenfalls nicht unproblematisch: Gegenüber steht ein Gastronomiebetrieb leer, und die Wurzeln der Platanen haben die Gehwege angehoben, auf dem Bürgersteig stehende Mülltonnen versperren den Weg. Schon gibt es in der Politik Diskussionen, die Bäume zu fällen, aber dagegen will sich Citymanagerin Holter mit allen Mitteln wehren. Haack pflichtet ihr bei: "Die Allee sollte auf jeden Fall erhalten bleiben."

Wenige Meter weiter: die Einmündung zur Peterstraße - der "Meile der Fachgeschäfte", wie Haack begeistert sagt. "Die Straße bietet eine schöne Architektur, ist hell und freundlich, einfach schnuckelig." Die leidigen Poller, die zu Hunderten im Stadtzentrum stehen, sollen hier demnächst - wie am Markt - abmontiert werden. "Bald werden die Laternen von Gas auf LED umgerüstet, dann muss ohnehin alles aufgerissen werden", sagt Holter. Auch Christoph Smits gefällt die Peterstraße: "Alle Ladenlokale sind besetzt, und bei Stadtfesten ist sie immer voll mit Menschen."

Am Ende des Rundgangs steht der gerade umgestaltete Kaiserplatz, der bei den Bürgern auf ein geteiltes Echo stößt. "Es fehlt etwas, das Leben erzeugt", sagt Haack. Holter hingegen weist darauf hin, dass die Gastronomie verstärkt nach draußen gehe. Zudem soll der Platz bei Festen mehr genutzt werden, sagt Smits.

Quelle: RP
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