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Stadt Willich
Lieber Emotionen als Logik der Töne

Stadt Willich. Kunstpreis des Kreises Viersen: Im Schloss Neersen wurde am Sonntag Bernhard Thomas Kleins Komposition "Nacht - Posttraumatisches Musiktheater für Sopran, Ensemble und Zuspieler" uraufgeführt. Von Gert Holtmeyer

"Mitten in der Nacht möchte ich meucheln und morden" und "schlagen mit aller Gewalt". Dass einer, der solche Absichten verkündet, mit dem Kunstpreis des Kreises Viersen ausgezeichnet wird, nimmt nur vordergründig wunder. Denn für den Komponisten Bernhard Thomas Klein ist Musik nicht nur Ausdrucksmittel für Harmonie und Schönheit. Sie muss sich, wie alle Kunst, auch mit den Schattenseiten der Welt und der Menschheit auseinandersetzen und dafür immer neue ästhetischen Stilmittel finden.

Genau das, war die Ansicht der Jury, ist dem im württembergischen Allgäu lebenden Komponisten und Musikpädagogen Bernhard Thomas Klein gelungen. Sie entschied sich unter 36 eingereichten Kompositionen für Kleins "Nacht - Posttraumatisches Musiktheater für Sopran, Ensemble und Zuspieler". Musikschulleiter und Jury-Mitglied Ralf Holtschneider erläuterte, was die Jury besonders beeindruckte. Der Komponist, so Holtschneider, habe für die verschiedenen Abschnitte des Werkes unterschiedliche Kompositionstechniken entwickelt und dabei einen großen Spannungsbogen durchgehalten.

In einer informativen und beeindruckenden Matinee im Ratsaal von Schloss Neersen konnten sich die interessierten Zuhörer davon überzeugen. Klein hatte den Text selbst verfasst, der lauter schlimme Gedanken und Absichten in Worte fasste. Rezitiert und gesungen wurden sie eindrucksvoll von der Sopranistin Stefanie Kunschke. Dazu wurden über zwei Lautsprecher ein Jazztrio sowie Vokal- und Steinklänge zugespielt. Für zusätzliche Live-Instrumentalmusik zeichnete ein ausgezeichnetes Oktett aus Lehrern und fortgeschrittenen Schülern der Kreismusikschule verantwortlich, besetzt mit Altsaxophon (Jürgen Löscher), Bassklarinette (Jasmin Garlik), Violine (Victoria Lydia Grobe), Violoncello (Florian Fleischmann), Kontrabass (Arne Diekow), Posaune (Nicholas Scholl), Klavier (Daniel Brockmann) und Schlagzeug (Ben Ipers).

Stilistisch wurzeln die musikalischen und dramaturgischen Ausdrucksformen des Werkes im Expressionismus des frühen 20. Jahrhunderts und in der Zwölftonmusik, ohne darin eingefangen zu bleiben. "Wichtig ist mir", erläuterte der Komponist in einem Gespräch nach dem Konzert, "dass Musik nicht nur eine abgeschottete Logik der Töne entfaltet, sondern von Emotionen gesteuert wird." Genau das war zu spüren. Die Furcht vor den Ursachen von Hass, blinder Wut und Grausamkeit spiegelte sich in der Musik.

Zwei weitere Werke Kleins wurden dem preisgekrönten Werk vorangestellt und von drei Musikschullehrern tadellos wiedergegeben. Jürgen Löscher (Altsaxophon) und Florian Fleischmann (Klavier) überzeugten mit der Meditation "Der Weg", Victoria Lydia Grobe mit der "Waldszene" für Violine.

Quelle: RP
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