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Gemeinde Grefrath
Liebfrauenschule über Politik enttäuscht

Gemeinde Grefrath. Die Gemeinde Grefrath möchte die jährliche Zahlung an das Gymnasium einstellen. Zuletzt waren es 15 000 Euro. Dies stößt bei der Schule auf Unverständnis. Direktor, Orden und Förderverein fühlen ihre Arbeit nicht genügend gewürdigt. Von Bianca Treffer

"Ich habe kein Verständnis dafür, wie wenig Interesse die Gemeinde für ein Werk zeigt, das wir Schwestern vor über 125 Jahren aufgebaut haben und was jungen Menschen zu Gute kommt", sagt Schwester Mathilde von den Schwestern Unserer Lieben Frau und bringt damit die Stimmung zum Ausdruck, die derzeit in der Liebfrauenschule Mülhausen herrscht. Aktuell besuchen knapp 1100 Schülern aus dem Kreis Viersen und der Umgebung das Gymnasium, doch es scheint, als würde die Gemeinde den Wert der Schule mit ihrer Haltung in Sachen Finanzierung nicht anerkennen. Die laufenden Haushaltsberatungen rufen beim Gymnasium Kopfschütteln hervor. Die Gemeinde möchte den freiwilligen Zuschuss zur Schule ab dem kommenden Schuljahr komplett einsparen. Waren es im Jahr 2012 noch 50 000 Euro, die als Zuschuss flossen, fiel die Zahl ein Jahr später auf 35 000 Euro, um im vergangenen Jahr weiter auf 15 000 Euro zu sinken. Nun soll der Zuschuss ganz entfallen und hinterlässt damit eine Lücke im jährlichen Eigenanteil der Schule.

Auch wenn das Land 94 Prozent der Schulkosten trägt, so liegt der Eigenanteil der Liebfrauenschule mit sechs Prozent bei rund 400 000 Euro pro Jahr. Der wurde bislang mit 124 000 Euro vom Bistum, 120 000 Euro vom Förderverein Pro Schola, Stiftungsgeldern sowie dem Gemeindeanteil gestemmt. Eine Rechnung, die immer knapp aufging, aber funktionierte, da die Schule, die sich in Trägerschaft der Liebfrauenschule Mülhausen gGmbH befindet, einspart, wo es eben geht.

Könnte der Orden es, würde er die Schule noch weiter unterstützen, aber aufgrund der Altersstruktur der Schwestern - das Durchschnittsalter liegt bei 75 Jahren - leben sie selber schon von den Rücklagen der Altersvorsorge. "Wir haben jeden Pfennig für die Stiftung angespart und unsere eigenen Gelder, die wir als Lehrerinnen der Schule verdienten, gingen wieder in Schulfinanzierung zurück", erinnert sich Schwester Mathilde, die früher stellvertretende Schulleiterin war.

Im Bereich der Stiftung treffen die niedrigen Zinsen die Schule empfindlich. Die Gelder der Stiftung bringen aufgrund des Zinsniveau nicht mehr den benötigten Betrag zur Deckung der Eigenkosten. Auch der Verkauf eines Grundstückes der Schwestern an die Gemeinde konnte nicht den gewünschten Ertrag bringen. "Es ist nicht nur unser Kampf mit dem Finanzierungsdefizit, die Haltung der Gemeinde enttäuscht uns. Eltern tragen die Schule über Pro Schola freiwillig mit, aber die Gemeinde zieht sich heraus. Die Haushaltspolitik ist nicht zu verstehen", sagt Schulleiter Lothar Josten. Die Gemeinde profitiere schließlich nicht nur von der guten Arbeit in der Liebfrauenschule, fügt er an. So dürfen Vereine die Sporthallen der Schule kostenfrei nutzen.

Mit der Sekundarschule Grefrath besteht eine enge Kooperation. Schüler können nach Ende des Sekundarschulbesuches zum Gymnasium wechseln, um dort das Abitur zu machen. "Allein in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis 2003 besuchten 15 000 junge Menschen unsere Schule. Sie lernen hier und wurden geprägt", bemerkt Schwester Mathilde, die derzeit an einer Statistik arbeitet, wie viele Schüler es schon gab. "Wir möchten nicht, dass die Schule vor dem Hintergrund der Bürgermeisterwahl politischer Schauraum wird, aber faire Solidarität für einen wichtigen Standortfaktor von Grefrath wünschen wir uns schon", sagt Elke Lassek, Vorsitzende von Pro Schola. So überlegt man derzeit, ob die politische Vertreter zu einer Podiumsdiskussion in die Schule eingeladen werden sollen, um deren Standpunkte zu erfahren.

Quelle: RP
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