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Stadt Kempen
Litauischer Botschafter zu Gast in Kempen

Stadt Kempen. Berufskolleg hat seit Jahren Kontakte ins Baltikum. Lehrlinge machen Praktika in hiesigen Firmen. Von Willi Schöfer

Eigentlich muss man ihn mit "Seine Exzellenz" anreden. "Sie können mich aber auch Herr Botschafter nennen", sagte Deividas Matulionis im neuen Multifunktionsgebäude des Berufskollegs Rhein Maas in Kempen. Der 50-jährige Botschafter, der mit seinen 17 Mitarbeitern in der Berliner Botschaft die Interessen der baltischen erst gerade in die Eurozone aufgenommenen Republik Litauen vertritt, war zum ersten Mal in der Thomasstadt. Nicht aber die fünf Lehrer, die ihn begleiteten. Es waren Pädadogen aus einer speziellen Ausbildungsschule in Vilnius (Vilniaus automechanikos ir verslo mokykla). Über 700 junge Leute erlernen dort den Beruf den Beruf des Kfz-Mechanikers oder Mechatronikers.

Seit 2009 gibt es bereits den Kontakt zwischen der Kfz-Abteilung des von Dr. Hans-Joachim Kornblum angeführten Berufskolleg nach Litauen, auch zur Berufsschule im 1.430 Kilometer entfernten Panevezys. Im April 2012 kamen die ersten sechs Austauschschüler aus der Hauptstadt des baltischen Staates nach Kempen und lernten dabei auch einige Ausbildungsbetriebe kennen. Auch aktuell sind wieder zwei Wochen lang acht litauische Praktikanten da, so Azunas (24) oder die beiden 19-jährigen Tautoydas und Edrinas. Sie machen kurze Praktika, etwa bei Mercedes Schmid in Willich. Sie wissen jetzt um den gravierenden Unterschied zu ihrer Heimat: Dort kennt man das duale System nicht, bei dem die jungen Leute bei Ausbildungsbetrieben beschäftigt sind und zweimal in der Woche die Berufsschule besuchen. In Litauen werden die Schüler größtenteils nur in den Fach- und Berufsschulen unterrichtet und lernen erst am Ende ihrer zumeist dreijährigen Schulausbildung die wirkliche Arbeit in den Betrieben kennen.

"Wir arbeiten daran und müssen erreichen, dass es diese praktische und duale Ausbildung auch bei uns gibt. Dadurch kommt es zu einer viel besseren und effektiveren Verzahnung zwischen dem Arbeitsmarkt und den Auszubildenden", sagt Botschafter Matulionis. Viele Unternehmer in Litauen seien noch sehr skeptisch bei dieser beabsichtigten Änderung, wollen vorab nicht investieren, sondern lieber danach die theoretisch geschulten Gesellen beschäftigen.

Engelbert Hillen, Technik-Abteilungsleiter des Berufskollegs, hielt dieser Skepsis unter anderem entgegen, dass die Auszubildenden hier viel passgenauer in ihren Betrieben beschäftigt werden können, wodurch es dann auch zu vielen Übernahmen komme. Eine Mitstreiterin des deutschen Systems war unter anderem die litauische Lehrerin Renata Schmid, die jetzt zum zweiten Mal in Kempen ist: "Unsere Schüler brauchen viel mehr Praxis als bisher."

Auch Kempener Berufsschüler waren schon mal in Litauen, so im vergangenen Jahr Robert Schouren. Der 19-Jährige lässt sich gerade im dritten Lehrjahr zum Kfz-Mechatroniker ausbilden, machte in Vilnius ein dreiwöchiges Betriebspraktikum. Diese aus EU-Mitteln nach wie vor geförderte zusätzliche Qualifikation erlaubt, dass er jetzt den Titel eines "Europa-Assistenten im Handwerk" tragen darf. Die Delegationen blieben einige Zeit zusammen, sahen sich zum Beispiel die neue Kfz-Halle an. Kempener Berufsschüler verschiedener Fachrichtungen hatten eine kleine Ausstellung über Litauen zusammengestellt. Hans-Joachim Kornblum enthüllte im Foyer des Neubaus gemeinsam mit dem Europa-Beauftragten des Rhein Maas-Berufskollegs, Jens Rosing, ein neues Litauen-Plakat, auf dem die bisherigen Stationen und Aktivitäten der Partnerschulen standen. Direkt daneben hingen ebenfalls Plakate, die Initiativen unter anderem mit Schulen in Frankreich, den Niederlanden oder mit der Türkei dokumentierten.

Quelle: RP
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