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Stadt Willich
"Märchenwald" vor dem Aus?
Stadt Willich: "Märchenwald" vor dem Aus?
Schlechtes Wetter, leere Bierbänke: Damit hatten die Betreiber des "Hofbräu im Märchenwald", das Moerser Ehepaar Ralf und Katrin Kellermann, nicht nur im vergangenen Jahr zu kämpfen. FOTO: RPO
Stadt Willich. Die Betreiber des bekannten Biergartens "Hofbräu im Märchenwald" haben einen Insolvenzantrag gestellt. Ob das Lokal nach den üblichen Betriebsferien Mitte März wieder eröffnet wird, ist derzeit noch unklar. Von Andreas Cüppers

Am grünen Rand von Schiefbahn hat es sich das "Hofbräu im Märchenwald" seit Jahren zur Aufgabe gemacht, ein gutes Stück Bayern an den Niederrhein zu holen. Deftige, bayerische Speisen und bayerischer Gerstensaft im riesigen Biergarten – Im Eschert in Schiefbahn hat der Freistaat so etwas wie eine nördliche Dependance. Eine, die weit über die Grenzen Schiefbahns hinaus bekannt ist.

Jetzt steht das Traditionslokal offenbar vor dem Aus. Die Betreiber des "Höfbräu im Märchenwald" haben einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Krefeld gestellt. "Das kann ich bestätigen", sagt Ralf Kellermann. Der Moerser und seine Frau Katrin sind die Geschäftsführer der Märchenwald Betriebs GmbH. Weitere Einzelheiten zum Insolvenzantrag möchte Kellermann mit Hinweis auf das laufende Verfahren aber nicht nennen.

Insolvenzverwalter ermittelt

Der Krefelder Rechtsanwalt Wilhelm Klaas ist vom Amtsgericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. Er habe die Untersuchungen vor Ort aufgenommen und schon mit dem Betreiber-Ehepaar gesprochen. "Der Betrieb macht im Winter immer drei Monate Ferien. Die dauern noch bis Mitte März", sagt Klaas. Ob das "Hofbräu im Märchenwald" danach wieder eröffnet wird, sei derzeit noch unklar. "Das muss die betriebswirtschaftliche Prüfung zeigen, die nun zunächst ansteht", sagt der Jurist.

Ralf Kellermann hatte das Wirtshaus seit 2003 zunächst mit einem anderen Geschäftspartner geführt. Seit September 2007 wird Katrin Kellermann als Geschäftsführerin neben ihrem Mann im Handelsregister genannt. Aus Jahresabschlüssen von 2006 bis 2008 geht hervor, dass der Betrieb jährlich einen Verlust zwischen 20 000 und 30 000 Euro verzeichnete. Die Verbindlichkeiten sollen sich auf mehr als 800 000 Euro belaufen.

Der Erfolg des Wirtshauses war und ist in erheblichem Maße vom Wetter abhängig. Im vergangenen Jahr hatten die Kellermanns deutliche Umsatzeinbußen zu beklagen, weil das Wetter bis Ende Mai bescheiden war. Insbesondere der Vatertag – normalerweise der umsatzstärkste Tag des Jahres im "Hofbräu im Märchenwald" – war eine herbe Enttäuschung: Statt wie im Vorjahr 9000 Gäste über den Tag verteilt, kamen diesmal nur knapp 2000.

Falsch wahrgenommen

Nach Aussage von Insolvenzverwalter Klaas führen die Betreiber die finanzielle Schieflage darauf zurück, dass man es nicht geschafft habe, als normaler Restaurantbetrieb wahrgenommen zu werden, sondern stets als Ausflugslokal galt. Bleibt abzuwarten, ob sich die auf der Internetseite offenbarte optimistische Einstellung der Betreiber nun bewahrheiten wird: "A bisserl was geht immer." Frage des Tages

Quelle: RP
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