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Stadt Willich
Markus Gather legt politische Ämter nieder

Stadt Willich: Markus Gather legt politische Ämter nieder
Bekannt ist der Anrather Markus Gather auch als Musiker. Erst 2011 ist er als "Seiteneinsteiger" in die Politik gekommen. Seine Schüler hätten ihn dazu gebracht, so der Lehrer für Deutsch und Geschichte. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Überraschend teilte der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Willich gestern mit, dass er dieses Amt und sein Mandat im Stadtrat niederlegen wird. Er beklagt mangelnden Rückhalt in den Partei- und Fraktionsspitzen der SPD. Von Marc Schütz

Für Überraschungen und heftige Reaktionen auf sein Handeln ist Markus Gather immer gut. So auch gestern, als er kurz und bündig verkündete: "Aufgrund der Tatsache, dass ich in den letzten Monaten nicht mehr den nötigen Rückhalt in Partei- und Fraktionsvorstand der SPD Willich hatte, um innerparteilich den Weg der SPD in Willich mitgestalten zu können, werde ich mein Amt als stellvertretender Bürgermeister der Stadt Willich und mein Mandat im Rat der Stadt Willich zum 31. Januar 2018 niederlegen."

Auf Nachfrage unserer Redaktion sagte der 49-jährige Anrather, dass er sich diesen Schritt reiflich und über Wochen hinweg überlegt habe und dass dieser ihm alles andere als leichtgefallen sei. Ein Schnellschuss aus Wut sei seine Entscheidung jedenfalls nicht gewesen. Für seine Parteikollegen kam er jedoch gestern völlig überraschend. Die Partei- und die Fraktionsspitzen mussten sich erst mal sortieren, bevor sie eine Stellungnahme abgaben (siehe "Info"). Auch Willichs Bürgermeister Josef Heyes zeigte sich überrascht, wenn auch nicht sonderlich betroffen. So gab er auf Nachfrage freimütig zu, dass er ein angespanntes Verhältnis zu Markus Gather habe - was vor allem aus dem Wahlkampf der Kommunalwahlen 2014 rühre.

Schmutzwäsche waschen wolle er nicht, betonte Gather, der neben Guido Görtz (CDU) einer der beiden stellvertretenden Bürgermeister Willichs ist. Zu den "Meinungsdifferenzen", die es innerparteilich gegeben habe, wolle er daher auch nichts Näheres sagen. Vor allem wolle er einen Schaden für die SPD vermeiden. Deswegen werde er die Ämter auch erst im kommenden Jahr niederlegen, "um der Partei Zeit zur Koordination, Organisation und zur nötigen umsichtigen Personalwahl zu geben." So solle es "einen nahtlosen Übergang" geben. Wer ihm nachfolgen solle, müssten nun andere entscheiden. Darüber, ob er auch aus der SPD austreten wolle, habe er sich noch keine Gedanken gemacht - "wahrscheinlich aber eher nicht, denn ich bin Sozialdemokrat aus tiefstem Herzen."

Ratsmitglied und stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Willich zu sein, sei ihm eine Ehre - und er wolle diese Ämter auch bis zur Niederlegung im Januar mit Engagement weiterführen. "Das bin ich den Menschen schuldig, die sich in der Stadt Willich so toll ehrenamtlich engagieren."

Für die Willicher SPD ist Markus Gathers Ankündigung ein weiterer Rückschlag. Vor rund zwei Jahren war bereits der sachkundige Bürger Thorsten Doehlert aus der Fraktion ausgetreten. Auch er bemängelte damals öffentlich mangelnden Rückhalt. "Dass es innerhalb der SPD kriselt, ist offensichtlich", so Bürgermeister Heyes (CDU) gestern. "Der Fraktionsfrieden könnte wohl besser sein, hört man."

Tief getroffen hat die Willicher SPD aber auch der Fall Conny Wingerath: Im vergangenen Jahr wurde die Ratsfrau, die 2014 in ganz Willich das einzige Direktmandat ihrer Partei geholt hatte, wegen gewerbsmäßiger Untreue in zig Fällen als Wohnungsverwalterin zu einer Haftstrafe verurteilt.

Zurück zu Markus Gather: Er hat nicht nur beim politischen Gegner scharfe Kritiker (den Anrather CDU-Ratsherren Dieter Lambertz beispielsweise), sondern stößt mit seinen Äußerungen wohl auch in eigenen Reihen öfter auf Kritik. Für Unmut sollen beispielsweise seine Aussagen beim Neujahrsempfang der SPD gesorgt haben, als er mit Unternehmen, die in Willich ansässig sind, aber dort keine Gewerbesteuern zahlen, hart ins Gericht ging. Er warf ihnen vor, Infrastruktur und Standortvorteile wie schnelles Internet zu nutzen, aber sich nicht an den Kosten der Allgemeinheit zu beteiligen. Gather sagte, er sehe in diesem Verhalten eine Gefährdung der Demokratie, die dadurch verstärkt werde, dass Volksvertreter diese Tatsachen einfach hinnähmen.

Als Freund deutlicher, nicht immer bequemer Worte hat Gather aber durchaus auch viele Freunde. Und womöglich werde er sich auch weiterhin in Willich einbringen, sagt er. So war er lange Vorsitzender des Vereins "Anrath 1tausend", ist leidenschaftlicher Musiker und seit Kurzem auch Mitglied der Schulleitung der Robert-Schuman-Europaschule. "Anknüpfungspunkte gibt es also genug", sagt Gather.

Quelle: RP
 
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