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Stadt Willich
Mazedonisches Frühlingsfest

Stadt Willich. Teilweise leben sie schon in der dritten oder vierten Generation in Deutschland. Sie beziehungsweise ihre muslimischen Vorfahren gehörten in Mazedonien der türkischen Minderheit an, die einst aufgrund ihres Glaubens aus dem damals jugoslawischen Land fliehen mussten. Einer davon ist der mittlerweile 82-jährige Vahit Pinar, der 1959 in die Türkei auswanderte und etwa drei Jahre später, als es dort keine Arbeit mehr gab, nach Deutschland genauer gesagt nach Neersen kam. Er gründete mit den mazedonisch-türkischen Kulturverein "MakGöc Almanya", der seit vielen Jahren von seinem ebenfalls in Neersen wohnenden Enkel Özgür Öztürk (34) geleitet wird. Jetzt feierte der Verein in der vollbesetzten Josefshalle in Anrath so eine Art Frühlingserwachen, nämlich das mazedonische Frühlingfest, Letnik genannt.

Dem Verein gehören derzeit 187 Mitglieder an. "Allein 56 Familien wohnen in Anrath und Neersen", sagte Özgür Öztürk, leitender Angestellter in einer Bank. Zum Frühlingsfest mit rund 350 Gästen kamen aber auch Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet, so aus Berlin, Bayern oder aus dem Frankenland. Einige setzten sich sogar in den Flieger, kamen aus der Türkei oder Mazedonien. So einige Musiker: vier Männer aus der mazedonischen Stadt Zirovnica, die Kyboard, Saxofon, Klarinette oder Trompete mitbrachten, als das Orchester "Mixbalrum" auftraten, und mit folkloristischen Klängen an ihre alte osmanische Heimat erinnerten.

Es gab die türkische Spezialität "Pide", und es kam an dem Abend natürlich zu vielen Gesprächen. Außerdem trat eine von Özlem Korkmaz (Schwester von Özgür Öztürk) geleitete Folkloregruppe auf, die sich regelmäßig zum Training in der Aula einer Schule an der Neersener Pappelallee trifft und derzeit aus sieben Frauen besteht.

Außerdem sah man in der Josefshalle viele junge Leute. "Uns ist es sehr wichtig, dass unser Nachwuchs in unsere Arbeit mit eingebunden wird, sich in irgendeiner Weise engagiert und so nicht auf dumme Gedanken kommt", kommentierte Özgür Öztürk. In welcher Form dies sein könnte, wurde an einigen Info-Ständen aufgezeigt. Dabei ging es zum Beispiel um eine ehrenamtliche Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe. Ein Teilerlös des Frühlingsfestes soll dann auch den in der Niershalle untergebrachten Flüchtlingen zugutekommen; ein anderer Teil geht in ein syrisches Flüchtlingscamp in die Türkei. Derzeit werden außerdem noch einige Sachspenden zusammen getragen.

Gerade wird über die Gründung einer jungen Folkloregruppe nachgedacht. Außerdem soll nach der gut angenommenen Premiere im vergangenen Jahr am 29. Oktober 2016 wieder in der Anrather Leineweberhalle unter dem Motto "Bunt statt Braun" ein multi-kulturelles Fußballturnier stattfinden. Der Verein macht außerdem am 23. April beim türkischen Weltkindertag in einer Viersener Moschee mit, ist am 10. Juni beim Fastenbrechen-Essen mit dabei und möchte am 31. Dezember unter anderen Orthodoxe, Muslime und Christen zu einer Silvester-Feier einladen.

(schö)
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