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Stadt Willich
Milben machen den Bienen zu schaffen

Stadt Willich: Milben machen den Bienen zu schaffen
Imkermeister Johann van den Bongard aus Anrath blickt mit Sorge auf das kommende Jahr. Aufgrund der derzeit recht hohen Temperaturen rechnet er damit, dass im Frühjahr viele Bienenvölker nicht mehr leben. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Mit großer Sorge blicken die Imker dem neuen Jahr entgegen. Die derzeit sehr milden Temperaturen sorgen für Probleme. Imkermeister Johann van den Bongard aus Anrath spricht von einem Kreislauf, der ins Wanken gerät. Von Bianca Treffer

Wenn Johann van den Bongard auf das Außenthermometer schaut, dann wirkt sein Blick mehr als nur betrübt. Statt Temperaturen im einstelligen Bereich, nahe dem Gefrierpunkt, bewegt sich die Säule im zweistelligen Bereich. Satte 14 Grad sind dort abzulesen. "Das warme Winterwetter bereitet uns Imkern größte Sorge. Wir können die Winterbehandlung nicht durchführen", sagt der Imkermeister, der in Anrath einen Imker-Fachbetrieb betreibt.

Imkern liegt voll im Trend - Bienen und Honig als Hobby FOTO: dpa, ade lof sab

Die Behandlung richtet sich gegen die Varroamilbe. Normalerweise gibt es jedes Jahr eine Sommer- und eine Winterbehandlung gegen die gefürchtete Milbe. Nach der letzten Schleuderung erfolgt die Sommerbehandlung und während der brutfreien Phase die Winterbehandlung. Sie ist der wirkungsvollste Schlag gegen die Milben. Eine vernünftig durchgeführte Restentmilbung schafft in der Regel eine Eliminierung von rund 97 Prozent. Sie wird drei Wochen nach einem entsprechenden Kälteeinbruch, wenn die Temperaturen für mehrere Tage nachts um die null Grad liegen, durchgeführt.

Im Winter, wenn die besagten winterlichen Temperaturen herrschen, hört die Königin mit der Eiablage auf. Das Bienenvolk bildet dann die sogenannte Winterkugel. "Die Kugel hat die kleinste Oberfläche im Verhältnis zum Volumen", erklärt van den Bongard. Durch Kontraktion des Brustmuskels der Bienen erwärmt sich dieser und gibt die Wärme ab. Auf diese Weise erhalten die Bienen eine Kerntemperatur von zwölf bis 15 Grad, unabhängig von der Außentemperatur. Diese Arbeit verlangt von den Bienen im Außenbereich die größte Anstrengung, sprich die meiste Energie. Ist ihr Honigmagen leer, suchen sie das Innere der Kugel auf, um sich dort mit Nahrung zu versorgen. Die nächsten Bienen übernehmen den Part der äußersten Schicht. Ein Kreislauf, der sich über den ganzen Winter fortsetzt.

Die Bienen brauchen dabei weniger Futter als in den Sommermonaten, wenn sie ausfliegen. Für sie stellt der Winter eine Ruhephase dar. Genau in dieser Phase setzten die Imker das Medikament gegen die Varroamilbe ein. Dieses wirkt auf die Milben, die auf den erwachsenen Bienen sitzen. Nicht wirksam ist es in der verdeckelten Brut. "Das Problem ist nun, dass diese Phase aufgrund der warmen Temperaturen bislang nicht eingetreten ist", informiert van den Bongard. Die Kugel hat sich bislang nicht gebildet, die Bienen fliegen noch, und es kann nicht entsprechend behandelt werden. Die Bienen sind zudem mit der Brut beschäftigt. Das heißt, die Milben, die auf den Bienen sitzen, können ihre Eier in die Brut einbringen. Die Brut wird wiederum durch die Milben geschwächt, und es kann zudem zu Missbildungen der Junginsekten kommen. Der Fachmann erwartet daher für 2016 ein Varroajahr.

Generell sind die Bienen, die jetzt produziert werden, zudem nicht optimal versorgt. Die Larven bekommen zwar Honig, das heißt Kohlenhydrate, aber die Pollen, also die Eiweißverbindungen, fehlen in ausreichender Menge. Dadurch verkürzt sich der Lebenszeitraum der Winterbienen, die in der Regel ein halbes Jahr alt werden. Normalerweise brauchen sie ihre Futterdrüsen in der Winterzeit nicht zu aktivieren. Durch die vermehrte Arbeit während der Brut ist dies aber der Fall, und das wirkt sich auf die Lebenszeit aus. "Ein ganzer Kreislauf gerät ins Wanken", beschreibt es der Imkermeister.

Eine Brut braucht zudem mehr Futter. Füttern die Imker aber entsprechend ausreichend, ist dies für die Königin ein Zeichen, die Brutablage zu verstärken. "Ein Teufelskreis", bringt es van den Bongard auf den Punkt. Und dann taucht ein weiteres Problem auf: Sollte es doch noch zu entsprechender Kälte kommen, werden die Bienen mit aller Macht versuchen, ihre Brut zu schützen. Das heißt, sie müssen für Temperaturen von 36 Grad sorgen, was bei Frostgraden einen immensen Energieverbrauch als Folge hat. Wenn die Bienen aber ihre Brut wärmen, vergessen sie die Aufnahme von Futter.

"Da kann die Futterwabe direkt neben ihnen stehen, sie gehen nicht ran. Das heißt, die Tiere verhungern trotz der vollen Waben", berichtet van den Bongard. Dennoch hält der Imkermeister den Frost für das bedeutend kleinere Übel, wenn er kommen sollte. Eins ist aber auf jeden Fall klar: Van den Bongard rechnet aufgrund der Wetterkapriolen im Frühjahr mit vielen toten Bienenvölkern.

Quelle: RP
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