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Stadt Willich
Mit der handbestickten Fahne auf Tour

Stadt Willich: Mit der handbestickten Fahne auf Tour
Ungewohntes Bild: Die Mitglieder des Anrather Löschzuges im dunklen Anzug und mit Zylinder und Fliege vor Beginn ihres Umzuges, der zum 120-jährigen Bestehen des Löschzuges am Samstagmorgen im Ort stattfand. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Den Löschzug Anrath der Freiwilligen Feuerwehr Willich lernten die Anrather einmal von einer anderen Seite kennen. Im Anzug mit Zylinder, Fliege und Stock ging es am Samstag durch den Ort. Der traditionelle Festumzug stand an. Von Bianca Treffer

Lautes Gelächter schallt aus der Wirtsstube von Schmitz- Mönk. Roman Brockmanns-von der Linden hat gerade den Zylinder anprobiert und das sorgt für die Heiterkeit bei seinen Kollegen vom Löschzug Anrath der Freiwilligen Feuerwehr Willich. Das gute Stück rutscht ihm nämlich übers Gesicht. "Das ist halt Einheitsgröße. Am besten packen wir was unter das Gummiband", schlägt Michael Knauf vor. Aber nicht nur hier wird anprobiert. Dutzende von Zylindern, geschmückt mit grünen Kränzen, machen die Runde, ebenso wie weinrote Fliegen. "Wir haben uns sonst immer die Zylinder geliehen. Das war aber immer sehr umständlich und als wir auf die Zylinder aus dem Karnevalsbedarf gestoßen sind, haben wir nun für alle, die keinen eigenen haben, einen gekauft", verrät Lars Greiner. Das gilt auch für die Fliegen. Jeder der Feuerwehrmänner hatte eine Weinrote in Eigenbesitz, aber sie hatten unterschiedliche Größen. "Jetzt tragen wir alle dieselben und das ist ein viel schickeres Bild", sagt Greiner.

Das einheitliche Auftreten liegt allen am Herzen, denn schließlich findet das Ereignis, das sie alle einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd, besagte Fliege, den schwarzen Zylinder und einen Stock tragen lässt, nur alle fünf Jahre statt und ist damit etwas Besonderes. Seit Bestehen des Löschzuges Anrath gibt es die Tradition, dass alle fünf Jahre ein Festumzug stattfindet, der die Feuerwehrleute durch Anrath führt. Ein Brauch, an dem festgehalten wird. Jetzt ist es wieder soweit. Zum 120-jährigen Bestehen, auf das der Löschzug in diesem Jahr zurückblickt, steht der Festumzug an. Bei Schmitz-Mönk, dem Startpunkt, ist die Stimmung bestens. "Ich bin seit 62 Jahren dabei und habe den Umzug jedes Mal mitgemacht. Es ist einfach schön", sagt Anton Oedinger, der mit seinen 84 Jahren zur Ehrenabteilung gehört. Den Umzug lässt sich auch Willichs Bürgermeister Josef Heyes nicht entgehen. Nach einer kurzen Begrüßung durch Löschzugführer Stefan Koy heißt es "Antreten in Vierer-Reihen". Simon Schönebaum greift zur Standarte. Die ist in diesem Fall ein absolutes Unikat. Während die eine Seite das klassische Feuerwehrsymbol - einen Helm und zwei gekreuzte Äxte - zeigt, ist auf der anderen Seite ein augenzwinkernder Feuerwehrmann samt dem Slogan "Löschen macht durstig" zu sehen. Die Fahne ist ein handgefertigtes Modell, das 1977 von Adi und Marlies Thelen gestiftet wurde, wobei Letztere die Fahne bestickte. "Sie waren damals unser Königspaar und schenkten dem Löschzug die Fahne", erklärt Greiner. Der Anrather Löschzug hat nämlich sogar einen König. Eine, aus einem Ausflug entstandene Tradition aus den 1950er- Jahren. Oliver Zellmann ist der amtierende König der Feuerwehrleute.

Vor der Brauerei Schmitz-Mönk bleiben die ersten Neugierigen stehen. Ohne ihre Uniformen sind die Feuerwehrleute nicht direkt ausmachbar. Die Mitglieder der Flöthbachtaler greifen zu ihren Instrumenten, denn Musik gehört zum Festumzug dazu.

Der Löschzug hat auch einen Planwagen für die Mitglieder der Ehrenabteilung und fußmüde Feuerwehrmänner dabei. Immerhin sind es acht Kilometer, die zurückgelegt werden und das nicht in Wanderschuhen, sondern in eleganten schwarzen Halbschuhen. Für die Bürger ist es indes ein schöner Anblick, der sich erst wieder in fünf Jahren wiederholen wird.

Quelle: RP
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