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Stadt Willich
Mit Händels "Messias" überzeugt

Stadt Willich: Mit Händels "Messias" überzeugt
Die Emmaus-Kantorei, das Willicher MusikProjekt, die Camerata Louis Spohr und vier Solisten führten in St. Johannes Baptist in Anrath Händels beliebtes Oratorium "Messias" auf. Das Konzert war ausverkauft. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Mit über 100 Sängern und Sängerinnen begeisterten die Emmaus-Kantorei und das Willicher Musik-Projekt nach der ersten Aufführung in der Krefelder Friedenskirche nun auch das Publikum in der Anrather Pfarrkirche St. Johannes. Von Heide Oehmen

Der "Messias" - 1742 uraufgeführt und schon bald - wie Zeitzeugen berichten - "ein von allen Zuhörern geliebtes Favoritstück" - ist auch heute noch das beliebteste Oratorium Georg Friedrich Händels. Doch wenn es ungekürzt aufgeführt wird, ist die Länge schon beträchtlich. Trotz mehr als zweieinhalb Stunden pausenloser Aufführungszeit waren die Besucher in der lückenlos gefüllten Kirche St. Johannes in Anrath bewundernswert aufmerksam und applaudierten nach dem festlichen Schlusschor "Würdig ist das Lamm, das da starb" so begeistert und ausdauernd, dass die Akteure zur Freude ihres Auditoriums das berühmte "Halleluja" noch einmal als Zugabe sangen. Das zeugt von der Qualität der Interpretation dieses grandiosen Werkes durch die "Emmaus-Kantorei Willich", das "Willicher MusikProjekt", die "Camerata Louis Spohr" aus Düsseldorf und vier sorgsam gewählten Solisten.

Kreiskantor Klaus-Peter Pfeifer hatte den "Messias" als Musikprojekt ausgeschrieben, und - wie stets bei solchen Unternehmungen - meldete sich vor allem eine große Zahl an Frauenstimmen - die Herren waren (wie auch in fast allen etablierten Chören) gravierend in der Unterzahl. Dennoch schafften es die Männerstimmen bei dieser Aufführung, sich durch besonders deutliche Artikulation und klare Diktion gegenüber der stimmlichen Frauenübermacht weitgehend zu behaupten. Mit beeindruckender Strahlkraft und absoluter Höhensicherheit punkteten die Soprane - zuverlässig und klangschön zeigten sich die Altistinnen. So zeugten die zahlreichen großen Chöre des Werkes, das Händels Weltruhm begründen sollte und dem dieser eine besondere Stellung unter seinen Kompositionen einräumte, von berückender barocker Klangpracht. Die anspruchsvollen fugierten chorischen Passagen hatte Klaus-Peter Pfeifer einem bestens geschulten Auswahlchor anvertraut. Dieses Verfahren zeitigte interpretatorische Vielfalt und willkommene Abwechslung für die Zuhörer.

Der Kantor leitete umsichtig und mit deutlicher Zeichengebung - geringe Verzögerungen zwischen Orchester und Chor waren dem großen räumlichen Abstand geschuldet. Die "Camerata Louis Spohr", ein Orchester, das sich auf die Begleitung von Oratorien spezialisiert hat, musizierte präzise, voller Wohlklang und weitgehend selbstständig. Dass im Continuo an einigen Stellen Uneinigkeit herrschte, war schnell wieder vergessen. Herausragend aus dem Ensemble, aber leider unbenannt, der großartige Hoch-B-Trompeter, der unter anderem die letzte Bass-Arie hochkarätig bereicherte.

Elisa Rabanus war die Sopran-Solistin - für Barockmusik eine Idealbesetzung. Stilsicherheit und eine ganz ruhig geführte, ausdrucksstarke Stimme, dazu meisterliche Kolorierungen (das in der Barockzeit gängige Ausschmücken in den Wiederholungsteilen - hier mit blitzenden Ausflügen in höchste Stimmregionen) machten das Zuhören zum ungetrübten Vergnügen. Marcus Ullmann stand seiner Kollegin in nichts nach - auch er begeisterte mit gestochenen Koloraturen und lyrischem, sich zur Höhe bruchlos öffnendem Tenorschmelz. Kevin Gagnon verfügt über einen großvolumigen, beeindruckenden Bass-Bariton, der zur Höhe hin machtvoll strahlte, aber in der Tiefe leider kaum zu hören war. In allen Lagen ausgeglichen, voller Wärme, Interpretationsintensität und mit reichen dynamischen Schattierungen - so konnte die Altistin Esther Borghorst sehr für sich einnehmen.

Insgesamt feierten die Besucher eine beachtliche Aufführung, die sicherlich in die Annalen des Chores eingehen wird.

Quelle: RP
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