| 00.00 Uhr

Stadt Willich
Mit Handicap im Team

Stadt Willich. Wie gut Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten können, selbst wenn es stressig zugeht, zeigt jeden Tag das Team der DK Integrationsbetriebe. In der Mensa der weiterführenden Schulen in Schiefbahn wird Hand in Hand gearbeitet. Von Bianca Treffer

In der Mensa auf dem Gelände des Schiefbahner St.-Bernhard-Gymnasiums rüstet sich das Team der DK Integrationsbetriebe für den ersten Ansturm. Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung als Team zusammen - und das seit Bestehen der Mensa im November 2011. Hinter dem Ganzen stehen die DK Integrationsbetriebe, kurz DKI. Das Unternehmen hat vor etlichen Jahren als Zweckbetrieb des Vereins Die Kette (DK) seine Arbeit mit dem Ziel aufgenommen, Menschen mit Handicap zu qualifizieren und ihnen eine reguläre Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt zu geben.

Hinter den Glaswänden des Kiosks liegen belegte Brötchen neben abgepacktem Obstsalat und Laugenstangen. Die Tafeln hinter der Ausgabe verraten bereits, was es zu Mittag geben wird. Putengeschnetzeltes, verschiedene Sorten Pizza und Taiwok mit roten Linsen und Gemüsestreifen erwarten die Schüler. Dazu kommt warmer Schokogriesbrei mit heißen Zimtkirschen. Eine entspannte Stimmung erfüllt den großen Speiseraum, in dem gerade einmal eine Handvoll Schüler an einem Tisch sitzen und sich mit Aufgaben beschäftigten. Die Ruhe vor dem Ansturm.

Eine der Schwingtüren in Richtung Ausgabe fliegt auf. "Kannst du die Desserts schon einräumen?", fragt Frank Meyer in Richtung Kiosk, den eine Mitarbeiterin gerade bestückt. Kaum erklingt die Antwort "Ja", verschwindet der Kopf der Küchenleitung wieder hinter den Kulissen. In der eigentlichen Küche ist von Ruhe nichts zu spüren, hier herrscht Hochbetrieb. Martin Hombergs, der stellvertretende Küchenleiter, füllt gerade mit Beikoch Louis Münks die Portionen ab, die für die weiteren weiterführenden Schulen in Willich sowie die städtischen Kitas bestimmt sind. Die beiden Männer arbeiten Hand in Hand. Abfüllen, auf der Liste abhaken und in die entsprechenden Transportboxen geben. Dass einer von ihnen ein Mensch mit Handicap ist, fällt nicht ins Gewicht.

Das Unternehmen betreibt heute verschiedene Betriebsstätten mit dem Schwerpunkt im Bereich der gastronomischen Dienstleistung, darunter auch die Schiefbahner Mensa. Von hier aus werden nicht nur die Schüler vom Schiefbahner Gymnasium und der benachbarten Gesamtschule versorgt, sondern alle weiterführenden Schulen in Willich sowie die städtischen Kitas.

1000 Essen gehen durchschnittlich heraus, und an Spitzentagen sind es sogar 1400. Alles wird mit einem knapp 40-köpfigen Team geleistet, wobei 30 Prozent der Mitarbeiter Menschen mit Handicap sind. "Unsere Zusammenarbeit klappt hervorragend. Wir sind ein Team. Wichtig ist nur die Aufgabenverteilung. Jeder muss die Aufgaben bekommen, die er oder sie auch zu leisten vermag. Man schaut, wer was kann, und entsprechend erfolgt die Arbeitseinteilung", sagt Küchenmeister und Chefkoch Meyer, der in seinem Beruf schon viel von der Welt gesehen hat.

Menschen mit geistiger Behinderung, Seh- als auch Gehörbehinderungen gehören zum Schiefbahner Team und sind in der Küche, in der Spülküche und der eigenen Wäscherei beschäftigt. Münks hat sogar seine Ausbildung zum Beikoch vor Ort gemacht. "Louis machte damals, ausgehend von der Förderschule, ein Praktikum bei uns, dem sich nach Schulende dann die Lehre anschloss", berichtet Meyer. Schon der erste Tag im Praktikum begeisterte Münks. "Ich habe direkt gewusst: Das ist mein Beruf", sagt der 22-Jährige. Die Ausbildung sei nicht immer einfach gewesen, aber mit Unterstützung von Meyer habe alles prima geklappt, fügt er an. Im Herbst vergangenen Jahres bestand der junge Mann seine Prüfung und ist seitdem fest angestellt. "Ich habe nette Kollegen, und die Arbeit macht viel Spaß, auch wenn es schon mal stressig zugeht", sagt Münks und packt die nächste Portion Mittagessen ab.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Stadt Willich: Mit Handicap im Team


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.