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Stadt Willich
Mit viel Humor einmal um die Welt

Stadt Willich: Mit viel Humor einmal um die Welt
Schauspielkunst und Bühnenbild überzeugen bei "In 80 Tagen um die Welt" gleichermaßen. Die Inszenierung stellt den Humor in den Mittelpunkt und kam bei der Premiere gestern gut beim Publikum an. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Willich. Gelungener Start bei den Schlossfestspielen: Die Premiere von "In 80 Tagen um die Welt" begeistert junge und alte Zuschauer. Hauptdarsteller Gideon Rapp ist eine Bereicherung für das Ensemble. Auch das Bühnenbild verdient Beachtung. Von Stephanie Wickerath

Die Musik ist verklungen, die Schauspieler sind von der Bühne, da brandet der Beifall noch einmal auf, und die von der Sonne beschienenen Premierengäste trampeln mit den Füßen auf die Holzbretter der Zuschauertribüne. So schnell wollen sie dieses großartige Ensemble nicht entlassen. 70 Minuten lang sind sie zuvor mit Phileas Fogg, seinem Diener Passepartout und dem Detektiv Fix um die Welt gereist und haben gemeinsame Abenteuer erlebt. Da fällt der Abschied schwer.

Traditionell hat auch der neue Intendant Jan Bodinus die Freilichtspiele vor der Kulisse des Neersener Schlosses mit einem Kinderstück eröffnet, das in diesem Jahr aber weniger auf Spannung und den Kampf Gut gegen Böse setzt. Stattdessen hat R.A. Güther, Regisseur von "In 80 Tagen um die Welt", den Humor in den Mittelpunkt gestellt. Und der kommt an. Die Kinder schütteln lachend die Köpfe über die trotteligen Londoner Polizisten, die gleich zu Beginn wild pfeifend aneinander rasseln. Isabell Dachsteiner und Jan-Christoph Kick können ihr komisches Talent voll ausspielen. Auch als Detektiv Fix ist Jan-Christoph Kick sehr komisch und sorgt für viele Lacher.

Der Star aber ist Gideon Rapp. Der junge Schauspieler, der erstmals in Neersen auftritt, ist absolut authentisch in der Rolle des englischen Gentlemans Phileas Fogg, der im Jahr 1872 die Wette eingeht, in 80 Tagen um die Welt reisen zu können. Haltung, Mimik, Gestik, Sprachduktus - Gideon Rapp ist Phileas Fogg und zeigt das mit unverhohlener Spielfreude.

Der Liebling der Kinder ist Thomas Kornmann, der den Diener Passepartout spielt. Er ist es auch, der die Zuschauer in die Handlung einbezieht, etwa wenn es darum geht, einen Heißluftballon über die Alpen zu pusten oder die Maschinengeräusche eines Ozeandampfers nachzuahmen. Darüber hinaus aber spielt auch er seine Rolle einfach gut.

Überhaupt scheinen in diesem Ensemble alle in ihrem Element. Isabell Dachsteiner hat neben der Rolle des Londoner Polizisten noch die Rolle einer indischen Prinzessin, die von Passepartout und Phileas Fogg gerettet wird. Holger Stark mimt mal den Schiffsjungen, mal den betrunkenen Kapitän, er ist Dieb und Sherlock Holmes und füllt all diese Rollen glänzend aus. Auch Lena Stamm, die sage und schreibe acht Rollen spielt, und Heinz-Hermann Hoff machen ihre Sache gut.

Und noch einen "Star" gibt es bei "In 80 Tagen um die Welt" und das ist das Bühnenbild. Mit Kreativität, Können und Augenzwinkern hat Ausstatterin Silke von Patay oft einfache, geniale Mittel gefunden, die Reise und die verschiedenen Länder zu verbildlichen. Statt eines großen Heißluftballons kommen die Reisenden mit einer Laterne auf die Bühne, an der ein Korb hängt. Statt Schaumstoffberge aufzutürmen, trägt Hospitant Jannik Lange, mit einem Hütchen und der Glocke einer Alpenkuh ausgestattet, jodelnd eine Spanplatte auf die Bühne, auf die Berge gemalt sind. Später, als die Reisenden in Ägypten angekommen, wird die Platte wieder hervorgeholt: Auf der Rückseite ist eine Pyramide zu sehen. Für die Dampflok, die Silke von Patay ebenfalls mit einfachen Mitteln nachempfindet, gibt es sogar Szenenapplaus.

Kurzum: "In 80 Tagen um die Welt" ist ein lustiges, rasantes Stück für Grundschulkinder, Jugendliche und Erwachsene, das Regisseur R.A. Güther sehr gut inszeniert hat, das mit hervorragenden Darstellern besetzt ist, dessen Bühnenbild Freude macht und bei dem die Zeit wie im Flug vergeht.

Quelle: RP
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