| 00.00 Uhr

Stadt Willich
Mit Vorurteilen aufgeräumt

Stadt Willich: Mit Vorurteilen aufgeräumt
Gurt besucht war die Podiumsdiskussion, zu der die Willicher Kolpingsfamilie ins katholische Pfarrheim eingeladen hatte. Unter anderem berichtete Dr. Bernhard Mittermaier, der dem Vorstand des deutschen Kolpingwerkes angehört. FOTO: Kaiser
Stadt Willich. Die Willicher Kolpingsfamilie hatte zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Flüchtlinge eingeladen. Mehr als hundert Gäste kamen. Missstände wurden angesprochen, ehrenamtliches Engagement wurde gelobt. Von Willi Schöfer

"Mut zeigen, weil es um die Flüchtlinge geht." So stand es unter anderem in einem Positionspapier des Kolpingwerkes Deutschland, das im Eingangsbereich des katholischen Pfarrheimes in Willich auslag. In wenigen Minuten sollte der Faktencheck "Flucht und Asyl" beginnen, zu dem die Willicher Kolpingsfamilie eingeladen hatte. Mehr als hundert Männer und Frauen kamen - darunter etliche, die sich schon seit Langem für die Flüchtlinge und Asylbewerber einsetzen, also schon Entschlossenheit und Mut bewiesen hatten.

Etwa zwei Stunden später konnte es Dr. Bernhard Mittermaier, der dem Vorstand des deutschen Kolpingwerkes angehört und mit am Podium saß, nicht fassen. Er sagte: "Ich bin restlos begeistert, denn es ist das erste Mal, dass ich keine negativen Kommentare über die Flüchtlinge gehört habe."

Auch Moderator und geistliche Leiter der Willicher Kolpingsfamilie, Dietmar Prielipp, zeigte sich ob der großen Resonanz beeindruckt: "Sehr gut, dass Sie sich für unsere Veranstaltung entschieden haben und nicht nach Schiefbahn gegangen sind." Prielipp hatte nämlich davon erfahren, dass sich zur gleichen Zeit dort eine AfD-Gruppierung gründen wollte ...

Natürlich nutzten bei der Veranstaltung Verantwortliche der kirchlichen Hilfsorganisation "Lot" als auch des "Arbeitskreises Fremde", Anna Rieve und Jutta van Amern, die Gelegenheit, ihre vielfältige Arbeit mit den zahlreichen Ehrenamtlern vorzustellen und ihre Wünsche zu äußern. Beide erhofften sich in erster Linie mehr Helfer für die Deutsch-Kurse. Jutta van Amern appellierte ferner an die Vereine, sich noch stärker zu öffnen und sich gemeinsam zu bewegen. So wie es zum Beispiel einige Sportclubs oder der Naturschutzbund schon praktiziert hätten - van Amern: "Natur und Sport halten die Seele gesund."

Zunächst ging es aber an die Fakten. "Wir wollen dadurch Vorurteile abbauen", erklärte Prielipp. Bernhard Mittermaier nannte eingangs und kritisierte einige der gesetzlichen Veränderungen des Asylschutz-Paragrafen im Grundgesetz, die weniger die Flüchtlinge schützen, sondern in erster Linie das Ziel hätten, die Flüchtlingsströme zu begrenzen. Mittermaier und Hans-Joachim Schwabe von der FlüchtlingshilfeSchwalmtal wünschten sich infrastrukturelle Verbesserungen in den Herkunftsländern. Weg von der Ausbeutung und von den Waffenexporten.

Mittermaier stellte die irrige Annahme klar, nahezu alle syrischen Flüchtlinge machten sich auf den Weg nach Europa: dies seien nur etwa fünf Prozent, etwa 95 Prozent lebten in den fünf Ländern um Syrien herum. Auch das mit den Asylanträgen überforderte Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurde genannt. Von Januar bis Oktober 2015 seien, so Mittermaier, 72.537 Asylanträge genehmigt, 74.182 aber abgelehnt worden. Auch das Vorurteil, die Flüchtlinge würden mehr Geld als die einheimischen Sozialhilfeempfänger oder Arbeitslose bekommen, wurde von der Willicher Beigeordneten, Brigitte Schwerdtfeger, ausgeräumt.

Außerdem stellte Thomas Reimer, Bereichsleiter im Job-Center des Kreises Viersen fest, dass vor jeder beantragten Beschäftigung eines Asylbewerbers geprüft werden müsse, ob es zum Einen für ihn überhaupt eine Bleibeperspektive gebe, zum Anderen müsse zwingend eine "Vorrangprüfung" erfolgen. Heißt: ob nicht vorrangig diese Stelle mit einem deutschen Arbeitnehmer oder mit einem EU-Bürger besetzt werden könne.

Mit aktiv dabei waren ferner vom Willicher Kolping-Leitungsteam Axel Bernsdorf und Corinna Langels, die mit einem Mikrofon durch die Reihen der Fragesteller ging. Dabei wurde unter anderem eine bessere und intensivere Betreuung der Flüchtlinge seitens der Stadt gewünscht. Angesprochen wurden noch die langen Wartezeiten von teilweise bis zu eineinhalb Jahren, ehe bisher überhaupt die geflohenen Menschen vom BAMF das erste Mal angehört würden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Stadt Willich: Mit Vorurteilen aufgeräumt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.