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Stadt Willich
Müll kann Tierleben kosten

Stadt Willich: Müll kann Tierleben kosten
Ein Igel steckt mit seinem Kopf in einem Kaffeebecher fest. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)
Stadt Willich. Müll verschmutzt nicht nur die Natur: Die wild entsorgten Hinterlassenschaften sind eine große Gefahr für Tiere. Die Folgen hat Nabu-Naturtrainerin Elita Grafke gemeinsam mit den Naturdetektiven in einer Ausstellung dokumentiert. Von Bianca Treffer

Die verschiedenen Tierpräparate lösen ungläubige Blicke aus. Ein Igel steckt in einem Gurkenglas fest, ein Reiher kann seinen Schnabel nicht mehr öffnen, weil ein kleiner Gummiring die beiden Hälften umschließt, Bindedraht hat sich unentwirrbar um die Krallen eines Greifvogels geschlungen, und ein Fuchs hängt mit seinem Kopf in einem kaputten Gummiball fest. Ein Stückchen daneben ist ein Vogelnest zu sehen, in das ein Vogel diverse Plastikteile verbaut hat. "Das ist eine ganz besondere Gefahr für Jungvögel. Plastik ist wasserundurchlässig. Das heißt, nach einem Regenguss kann das Wasser nicht richtig ablaufen, und die kleinen Vögel sterben an Unterkühlung, weil sie im Nassen sitzen, oder ertrinken bei Starkregen sogar im eigenen Nest", sagt die Nabu-Naturtrainierin Elita Grafke.

Die Naturtrainerin hat sich dem Thema "wild entsorgter Müll" nicht unter dem Aspekt der Umweltverschmutzung als solcher genähert, sondern das Ganze unter das Stichwort "Tiergefährdung" gestellt. "Ich glaube, keiner macht sich groß Gedanken, welche Gefahren der Müll in der Natur für Tiere mit sich bringt. Wer achtlos etwas wegwirft, weiß nicht, was er oder sie damit anrichten kann. Es sind oft tödliche Folgen, bei denen die Tiere qualvoll verenden", berichtet Elita Grafke. Die Schiefbahnerin, die eine der ersten Naturtrainierinnen des Naturschutzbundes (Nabu) Willich war, wurde durch einen Artikel auf die Problematik aufmerksam. Sie war geschockt und wollte mehr wissen.

Elita Grafke zeigt einige der Exponate, die in der Ausstellung zu sehen sind. Ein Fuchs hat sich in einem Plastikball verfangen, Vögel bauen ihre Nester aus Plastikteilen, was für die Küken gefährlich ist. FOTO: Wolfgang Kaiser

Intensiv arbeitete sich Grafke in die Thematik ein, wobei sie auf immer neue Vorkommnisse stieß. In ihr reifte der Gedanke, dieses Problem im Rahmen ihrer Arbeit als Naturtrainerin aufzugreifen. Neben Projekten in der Schiefbahner Kita Blauland ist Elita Grafke seit dem vergangenen Jahr auch in der Schiefbahner Astrid-Lindgren-Grundschule als Naturtrainerin im Einsatz. Dort rief sie die Gruppe "Naturdetektive" ins Leben, die sich einmal in der Woche trifft und mit unterschiedlichen Themen auseinandersetzt. Kurzerhand machte sie aus dem wilden Müll und den Folgen für die Tierwelt ein Naturtrainerprojekt.

Mit den hochmotivierten Grundschülern und der zusätzlichen Hilfe ihres Mannes Bernd Grafke entwickelte und gestaltete Elita Grafke die Ausstellung "Wilder Müll, eine lebensbedrohliche Gefahr für Tiere", die jetzt anlässlich des Willicher Frühjahrsputzes "Willi Wisch" erstmals im Neersener Schloss gezeigt wurde. Die Tierpräparate an sich stammen aus dem Nettetaler Naturschutzhof. Die Geweihe besaß das Ehepaar Grafke selbst, da Bernd Grafke Jäger ist. "Wie wir die Tiere in der Ausstellung zeigen, entspringt nicht unserer Fantasie. Alles sind Tatsachen, was wir anhand von weiteren Fotos auch dokumentieren", erklärt Elita Grafke.

Neben den ausgestopften Tieren, die die Kinder und die Grafkes nach wirklichen Vorfällen in Szene setzten, gehören etliche Fotos mit zur Ausstellung. Sie zeigen Damwild, das Plastik frisst, Hirsche, denen Gewebeplanen völlig verdreht über dem Geweih hängen und die dadurch nichts mehr sehen können. Es gibt das Foto eines Rehs, das an einem Bindedraht verendet ist, der sich mehrfach um den Hals geschlungen hat, als auch das eines Wildschweins, das mit seiner Pfote in einem Plastikring festhängt und nicht mehr richtig laufen kann. Weitere Bilder von Wildtieren, in deren Pfoten Schrauben und Glasscherben stecken, sowie Vögel, die sich in Schnüren verfingen, vervollständigen die Ausstellung.

"Unser Ziel ist es mit der Ausstellung, an der die Kinder mit Akribie gearbeitet haben, zu sensibilisieren und das Bewusstsein dafür zu wecken, was es heißt, mal eben etwas einfach in der Natur wegzuwerfen", betont Elita Grafke. Der Nabu indes plant, die Nabu Bundeszentrale anzusprechen und dort anzuregen, aus den Ausstellungsstücken eine Plakataktion ins Leben zu rufen. Statt Schilder wie "Müll abladen verboten" könnten dann Schilder mit den Folgen für Tiere dafür werben, keinen Müll wild zu entsorgen.

Die Ausstellung "Wilder Müll, eine lebensbedrohliche Gefahr für Tiere" wird ab dem 24. April im NABU Naturschutzhof, Sassenfeld 200 in Nettetal, zu sehen sein. Die Eröffnung findet von 11 bis 18 Uhr zeitgleich mit der Pflanzenbörse statt. Die Ausstellung ist als Dauerausstellung konzipiert.

Quelle: RP
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