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Stadt Willich
Mundart aus vielen Schnäbeln

Stadt Willich: Mundart aus vielen Schnäbeln
Friedel Kluth bei der Vorstellung des Buches. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Friedel Kluth hat im Buch "Wie os d'r Schnabel jewaße öss" Gedichte, Geschichten und Anekdoten von Anrather Mundartdichtern zusammengestellt. Von Willi Schöfer

Paul Permesang hat den Umschlag gestaltet. Er zeigt Anrath zur Erntezeit. Neben einer weißen Wolke kommt ein Buch angeflogen, auf dem sich lauthals vier Küken etwas erzählen. Um zu erfahren, was es da an Neuigkeiten gibt, sollte man sich den Inhalt des Buches mal anschauen. Es heißt "Wie os d'r Schnabel jewaße öss". Friedel Kluth hat darin Gedichte, Geschichten und Anekdoten von Anrather Mundartdichtern zusammengestellt.

Friedel Kluth ist derzeit der "Mundart-Baas" beim Anrather Bürgerverein. Er hat einfach mit dem weitergemacht, was ihn seit vielen Jahrzehnten bei der Arbeit, in der Freizeit und in seiner Heimat begleitet hat. "Plattdeutsch ist und bleibt für mich die Sprache des Herzens", sagt er. Zwei Publikationen hatte er schon herausgebracht, diesmal die Nummer drei. Herausgeber ist der Bürgerverein Anrath mit seiner Vorsitzenden Marlies Pasch. Und was ihr besonders gut gefällt: dass diesmal auch andere mit ihrer "Mottersproak" vertreten sind. Etwa 30 Gäste kamen zur Präsentation in die neue Heimat des Bürgervereins.

So kommt in dem Buch oft Hans Stienen zu Wort, der sich vor den Zeiten Kluths mit unzähligen Gedichten und Liedtexten immer für den Erhalt der rheinischen Mundart eingesetzt und engagiert hatte. Stienen war 2013 im Alter von 86 Jahren verstorben.

Der Titel war schnell gefunden. Kluth: "Da es für die richtige Schreibweise keine festen Regeln gibt, schreibt jeder Mundartautor so, wie er es für richtig hält, quasi: wie ihm der Schnabel gewachsen ist. "Os Leejerrböcker", "Deä Wippstert" oder "Deä Jitzhals" heißen nur einige seiner jetzt veröffentlichten Texte. Außerdem sind weitere Literaten dabei, die mittlerweile verstorben sind, so Gertrud Stadtfeld und Christel Englert, als Christel Welter besser bekannt.

Friedel Kluth stellte bei der Präsentation des 130-seitigen Buches ebenfalls die anderen noch lebenden Autoren vor: Josi Miesner, Werner Browers und Helmut Mertens. "Josi hat die Muttersprache sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen", sagte Kluth schmunzelnd. Werner Browers hatten den Weg zur Mundart über seinen ehemaligen Schulleiter gefunden. Und Helmut Mertens, 1934 in Anrath geboren, hatte erst angefangen Hochdeutsch zu reden, als er in der Schule die erste Fremdsprache, nämlich das Hochdeutsche, erlernen musste.

Eine weitere Ur-Anratherin ist die Grundschullehrerin Ruth Fehrholz, die vor Jahren an der Albert-Schweitzer-Schule eine Mundart-AG ins Leben rief. Die Gruppe mit Schülern aus den zweiten bis vierten Klassen gibt es nach wie vor. Die Lehrerin hat unter anderem "Dat Anröthsche Vaterunser" geschrieben.

Friedel Kluth ist natürlich oft vertreten, hat das Ganze auch ein wenig geordnet und dazu viele passende Zeichnungen gemacht. "Im ersten Abschnitt geht es um Anrather Geschichten, im zweiten um Erlauschtes und Erdachtes, das hätte überall passieren können, und im dritten um Gedanken und Töne zu den Festtagen und zur Jahreswende", erklärt der Autor. Bei den Geschichten geht es unter anderem um die Brockmanns Kull, um "Ki'esch Anna", um die "Ahl Scholl", aber auch um verpasste Heirats-Chancen, um einen "Meärling" oder um die Bedeutung einiger Sprichworte.

Das Mundart-Buch ist erst einmal nur über Friedel Kluth zu bekommen, Telefon 02156 2199. Erstmals öffentlich wird es dann beim Anrather Brunnenfest am Sonntag, 11. Juni, am Stand des Bürgervereins ausgegeben. Der Preis: zehn Euro.

Quelle: RP
 
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