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Stadt Willich
Neersener Turnerbund engagiert sich für Flüchtlinge

Stadt Willich. Auch in Neersen hatte die Umwandlung der Niershalle in eine Flüchtlingsunterkunft für Gesprächsstoff und Kritik gesorgt. Verantwortliche des Neersener Turnerbundes (NTB), allen voran die Vorsitzende Hedi Schinken, haben aber schnell und positiv reagiert und binnen kürzester Zeit mit der Unterstützung anderer Vereine Notpläne aufgestellt und viele der Gruppen anderswo untergebracht. "Wir müssen den Flüchtlingen helfen", sagt die engagierte Vorsitzende Hedi Schinken. Fast täglich ist sie in der Niershalle zu finden, hilft bei der Betreuung von Erwachsenen und Kindern. Gerade hat sie zwei Mütter mit ihren Kindern eingeladen, einmal zum Mutter-Kind-Turnen in die kleine Halle an der Pappelallee zu kommen. Von Willi Schöfer

"Es ist schon stark, wie schnell und unbürokratisch uns der Stadtsportverband und andere Vereine geholfen haben", sagt auch der 2. Vorsitzende Udo Lepke. Er erinnert daran, dass dem Verein erst durch die städtische Internetseite etwa eine Woche bevor am 8. November die ersten Flüchtlinge in die Niershalle zogen, die Umwandlung der Niershalle in eine neue Asylunterkunft bekannt wurde.

Unter anderem stellten Tischtennisklub und Turnverein aus Schiefbahn Hallenflächen auch für die Badmintonspieler zur Verfügung oder der Turnverein Anrath für die Volleyballer. Erfreulicherweise gab es in der kleinen Turnhalle an der Neersener Pappelallee noch freie Kapazitäten, so für die Trampolinis. Teilweise mussten aber auch Turn- und Bewegungsgruppen aufgeteilt werden.

Einige Beeinträchtigungen des Hallensports gibt es nach wie vor. So konnte bislang einigen Hobby- und Ballsport-Fungruppen kein neuer Platz zugewiesen werden. Teilweise besuchen Hobbysportler auf eigene Kosten benachbarte gewerbliche Sporthallen. Und es kam teilweise zu anderen Trainingszeiten. Udo Lepke: "Dies war für einige unserer bisherigen Übungsleiter ein großes Problem, da sie zu den neuen Zeiten nicht mit den Gruppen trainieren konnten." Daher sucht der NTB noch Übungsleiter, so für die Trampolinis oder für einige Mutter-und-Kind-Gruppen, auch für eine neue Ballgewöhnungsgruppe. Wer Interesse hat, kann sich unter Tel. 02156 60915 melden.

Und es gab beim rund 700 Mitglieder großen Verein auch einige, etwa zehn an der Zahl, die sich bislang abgemeldet haben, weil sie nicht verstehen konnten, dass durch die Flüchtlingsunterbringung der Schul- wie Vereinssport beeinträchtigt wird. Auch ein NTB-Übungsleiter, der einen Schlüssel für die Niershalle hatte, drehte in seiner Freizeit in der Halle als "Sire Fred" ein kurzes Video, stellte es in Facebook, griff die Politiker allgemein an und fragte: "Wie lange wollen wir planlos so weitermachen?" Dieses Video hatte für viel Gesprächsstoff mit zahlreichen Pro- und Kontrastimmen gesorgt und dazu geführt, dass sich der NTB-Vorstand damit beschäftigen musste. So haben auch gerade die Verantwortlichen (Vorsitzende Hedi Schinken, Stellvertreter Udo Lepke und Geschäftsführer Thomas Niehaus) auf der Homepage des NTB (www.ntb-neersen.de) Stellung bezogen, Udo Lepke fasst zusammen: "Sicherlich war es nicht in Ordnung, dass unser Übungsleiter in der Niershalle die Aufnahmen machte, aber wir dürfen uns dazu politisch überhaupt nicht äußern, wir sind schließlich ein Sportverein." Jedenfalls habe sich der geschäftsführende Vorstand darüber mit "Sire Fred" unterhalten. Mit dem Ergebnis, dass der Übungsleiter angeboten habe, Flüchtlinge aus der Niershalle kostenfrei in seine Gruppen aufzunehmen. Zusammenfassend lehnt der Vorstand solche medialen Aktivitäten ab. Sie trügen nur zur Polarisierung bei. "Besser ist es, diese Zeit in die Unterstützung der sozialen Aktivitäten zur Integration der Flüchtlinge zu investieren."

Jedenfalls machen Schinken und Lepke, der sich unter anderem als um die Möbel-Initiative "Von Mir zu Dir" kümmert, mit ihrer integrativen Arbeit weiter. Beide gehen auch am Montag, 23. November, 18 Uhr, in die evangelische Friedenskirche. Emmaus-Kirchengemeinde und die katholische "Gemeinschaft der Gemeinden" wollen dann erörtern, wie man die Flüchtlinge unterstützen kann.

Quelle: RP
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