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Stadt Willich
Neuer Standort für Veranstaltungshalle?

Stadt Willich: Neuer Standort für Veranstaltungshalle?
Möglicherweise wird es doch eine Veranstaltungshalle für 1000 Gäste geben. Allerdings nicht neben dem Freizeitbad "De Bütt". FOTO: KN
Stadt Willich. Das Projekt "Veranstaltungshalle für Willich" ist noch nicht endgültig vom Tisch. Jetzt soll ein neuer Standort geprüft werden. Das entschied jetzt der Haupt- und Finanzausschuss. Von Nadia Joppen

Die Veranstaltungshalle wird nicht an dem bisher vorgesehenen Standort neben dem Freizeitbad de Bütt gebaut - aber das Projekt an sich ist nicht ad acta gelegt: Der Haupt- und Finanzausschuss (HuF) hat nach intensiver Beratung einen differenzierten Beschluss verabschiedet: Einstimmig sprachen sich alle Fraktionen für den ersten Satz der Empfehlung der Verwaltung aus: "Der Haupt- und Finanzausschuss beschließt, die projektierte städtische Veranstaltungshalle am Standort südlich des Schwimmbades nicht weiter zu verfolgen".

Statt - wie von der Verwaltung im zweiten Satz vorgeschlagen - das Verfahren komplett einzustellen, entschieden die Politiker sich aber mehrheitlich (Bürgermeister, sechs CDU- und zwei FDP-Stimmen) für eine von Wolfgang Dille (CDU) vorgeschlagene Variante: "Der HUF ist aber nach wie vor der Meinung, dass eine Veranstaltungshalle für eine Stadt mit 52.000 Einwohnern notwendig ist. Daher wird die Verwaltung beauftragt, nach privaten und öffentlichen Lösungen für eine Halle mit Schwerpunkt ,Standort Alt-Willich' zu suchen und dem HUF geeignete Vorschläge zu unterbreiten." Dabei gibt es keine Zeitvorgabe. Dille argumentierte, die Stadt sei den Vereinen etwas schuldig, die eine Halle brauchten. Die Gegenargumente hätten sich vor allem auf die sechs Meter hohe Lärmschutzwand bezogen. Dr. Robert Brintrup (CDU) wollte nicht allein die Verantwortung für das Projekt bei den Vereinen sehen. Franz Auling (Vorsitzender Sport- und Kulturausschuss) sah mehrere Argumente für eine Halle: Bei einer Einwohnerzahl von 52.000 Bürgern bietet die Stadt jetzt nur noch Saalmöglichkeiten für etwa 300 Personen - auf der anderen Seite habe vor zehn Jahren niemand vorhergesehen, dass es einen Chor wie Frauenpower in der Stadt geben werde, der ein Konzert mit 1200 Zuhörern gebe. Außerdem biete die derzeitige Hallensituation keine Möglichkeit, "ansprechende Künstler" nach Willich zu holen. 1000 Plätze in Stuhlreihen entsprächen lediglich etwa 500 Plätze an Tischen. Er sah Bedarf, aber es müsse ein besserer Standort gefunden werden. Ähnlich hatte sich zu Beginn der Diskussion Hans-Joachim Donath (FDP) geäußert: Er beschrieb das ganze bisherige Vorgehen als "verkorkst" und "kein Vorzeigeprojekt". Daraus habe man zu lernen. Auch er wollte das Thema Halle nicht endgültig beerdigen.

Bernd-Dieter Röhrscheid (SPD) argumentierte soziologisch: Es gebe immer weniger Vereinsorganisationen und mehr kurzzeitige Initiativen. Auch er habe die Info-Veranstaltung im März 2014 im Gründerzentrum als Signal für den Bedarf gesehen - die Bürgerinitiative habe aber Informationen zusammengetragen, die den gewählten Standort als ungeeignet erscheinen ließen. Er war zu diesem Zeitpunkt der Diskussion mit dem Vorschlag zur Suche einer anderen Liegenschaft einverstanden, dann solle der Bedarf belegt werden.

Dr. Raimund Berg (Grüne) wollte dagegen solche Großveranstaltungen in anderen Hallen in den umliegenden Kommunen sehen und nannte es "Synergie-Effekte nutzen". Mit dem Fahrrad sei man in 15 Minuten am Krefelder Bahnhof oder in Neuwerk, eine Halle solle gebaut werden, wenn sie von den Bürgern gebraucht werde, so Berg.

Das brachte Bürgermeister Josef Heyes dazu zu hinterfragen, "welches Selbstbewusstsein wir in der Stadt haben". Er habe in der eigenen Familie erlebt, dass Abi-Feiern auf der Krefelder Rennbahn oder in Wickrath stattgefunden hätten - mit längeren Auto-Anfahrten als 15 Minuten Radfahrt und den entsprechenden Restriktionen beim Alkohol-Genuss.

Kämmerer Willy Kerbusch sagte, derzeit brauche man "absolute Rechtssicherheit", wenn man nicht eine Stilllegung durch eine Klage riskieren wolle. Bei der ersten Abfrage sei ein anderer Bedarf festgestellt worden, aber der Umgang mit Einzelinteressen gegen öffentliches Interesse habe sich geändert. Er wiederholte, dass andere Standorte die Synergie-Effekte wie das gemeinsam genutzte Blockheizkraftwerk nicht hätten. Eine kleinere Halle sei wegen der hohen Grundkosten nicht wirtschaftlich. Kerbusch sagte, die Verwaltung werde weiter nach einem Standort suchen und wenn es eine Chance auf ein privates Projekt gebe, dieses gerne unterstützen.

Quelle: RP
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