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Stadt Willich
Neugier wecken und Kontakte herstellen

Stadt Willich. Den Flüchtlingen in Willich ein Gesicht geben: Das möchte die Initiative "Wir sind Willich". Sarah Bünstorf hatte die Idee zu dem Projekt, bei dem sie Menschen vorstellt. Von Bianca Treffer

Nesrim und Arya erzählen über sich. Mohamed berichtet, wie sein Leben vorher ausgesehen hat. Obi beschreibt erste Erlebnisse und Wünsche. Hamza lässt die Menschen an seinem Schicksal teilnehmen, und Delosa bringt zum Ausdruck, dass sie sich jetzt sicher fühlt. So verschieden diese Menschen auch alle sind, sie haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind aus ihrer Heimat geflüchtet, weil sie dort Krieg und Verfolgung erlebt haben. Die sechs Menschen gehören zu den rund 500 Flüchtlingen, die derzeit in Willich leben. Die zweite Gemeinsamkeit spiegelt sich auf den Internetseiten von www.wir-sind-willich.de wider. Dort sind alle sechs Flüchtlinge mit ihren persönlichen Geschichten zu finden. Sie gehören zu den Ersten, die sich an der von Dr. Sarah Bünstorf ins Leben gerufenen Aktion "Wir sind Willich" beteiligen.

Die Schiefbahnerin, die auch für die SPD im Stadtrat sitzt, möchte den Flüchtlingen in Willich ein Gesicht geben und zur Integration beitragen. Der Weg ist ein etwas anderer. Bünstorf hat mit Hilfe von Christian Lange einen Internetauftritt ins Leben gerufen, auf dem Flüchtlinge und Menschen, die in die Flüchtlingsarbeit involviert sind, die Gelegenheit haben, sich persönlich vorzustellen. Wo kommen sie her? Was waren die Gründe für die Flucht? Wo wohnen sie jetzt? Was erhoffen sie sich? Wie sehen ihre Ziele aus? Welche Erfahrungen haben sie in ihrer alten Heimat und hier gemacht? Warum sind sie als Helfer aktiv? Was bewegt sie? Konkret und authentisch beantworten sie diese und andere Fragen.

"Ich möchte die Menschen mit ihren Geschichten und Schicksalen zeigen, die jetzt in unserer Nachbarschaft leben. Ich möchte Verständnis wecken, zum Nachdenken anregen und auch Informationen transportieren, damit viele die neuen Mitbürger kennenlernen können. Für die Flüchtlinge ist es zudem eine Möglichkeit, sich einzubringen", sagt Sarah Bünstorf. Sie wollte sich schon immer in der Flüchtlingshilfe engagieren. Als sie auf das Projekt stieß, das in Cloppenburg bereits läuft, kam ihr die spontane Idee, dies in Willich ebenfalls ins Leben zu rufen.

Auf die ersten Mitstreiter musste sie nicht lange warten. Mit Lange, mit dem sie bereits im Rahmen der Freifunk-Initiative für Willich zusammengearbeitet hatte, fand sie den Fachmann für den Internetauftritt und mit der Fotografin Patricia Schmitz die Fachfrau für die Fotos. Denn wer sich mit Bild vorstellen möchte, den fotografiert Schmitz entsprechend. "Ich finde, es ist ein tolles Projekt, und ich möchte gern mithelfen, die Akzeptanz für die Flüchtlinge zu erhöhen. Viele Menschen wissen nicht, was es heißt, ein Flüchtling zu sein. Ich denke, mit den Seiten bringen wir ihnen dies näher. Es ist nicht mehr der Flüchtling, sondern es ist eine Person mit einem Gesicht und einem Schicksal", sagt Schmitz.

Integration leben, selbst aktiv werden und nicht nur darüber sprechen - das ist der Antrieb von Lange. "Man muss auch mit Vorurteilen aufräumen. Viele Bürger sehen im Flüchtling generell den Moslem. Aber das ist nicht so. Es ist der Mensch", betont Lange. Sylvia Foy, die in der Flüchtlingsarbeit aktiv ist und unter anderem ein syrisches Patenkind hat, sieht die Problematik der mangelnden Akzeptanz darin, dass es so wenig Berührungspunkte zwischen Willichern und den Flüchtlingen als Neubürgern gibt. Daher findet sie die Idee, über die Internetseiten und auch Facebook nach vorn zu gehen und Menschen vorzustellen, sehr gut. "So macht man andere neugierig", bemerkt Foy. Und dass andere neugierig sind, schlägt sich in den Besucherzahlen nieder. Die Seiten und insbesondere der Facebook-Auftritt stoßen auf reges Interesse.

Quelle: RP
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