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Kreis Viersen
Neuregelung anfangs heiß diskutiert

Kreis Viersen. Mit der zentralen Notdienstpraxis änderte sich vor allem für Patienten im Ostkreis einiges. Von Andreas Reiners

Anfang 2015 gab es heftige Diskussionen, als bekannt wurde, dass die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein plante, den Notdienst der niedergelassenen Ärzte außerhalb der Sprechzeiten zu reformieren und im Bezirk Nordrhein zentrale Anlaufstellen für Patienten einzurichten. Zu dieser Zeit war die notärztliche Versorgung im Kreis Viersen noch uneinheitlich geregelt. Im Viersener Westkreis gab es zwei Notdienstpraxen am Dülkener und am Lobbericher Krankenhaus. Die liefen in der Trägerschaft der Gesundheitsnetz Viersen (GNV) AG, einem Zusammenschluss von niedergelassenen Ärzten in der Stadt Viersen, im Westkreis und in Grefrath. Die Patienten im Westkreis waren an das System gewöhnt, dass sie entweder zu einer der beiden Notdienstpraxen fahren mussten oder - wenn dies aus gesundheitlichen Gründen nicht ging - ein diensthabenden Arzt aus dieser Praxis zu ihnen nach Hause kam. Das System war schnell eingespielt und bewährte sich.

Im Viersener Ostkreis - in den Städten Kempen, Willich und Tönisvorst - gab es dagegen das Jahrzehnte lang praktizierte System mit Notdienstsprengeln, bei dem die niedergelassenen Ärzte die Notdienste im Wechsel selbst organisierten und außerhalb der regulären Sprechstunden in ihren Praxen anboten oder Hausbesuche bei Patienten machten.

Diesem System trauern einige niedergelassene Ärzte noch heute nach. Für Patienten war die Systemumstellung viel einschneidender. Von Tönisberg oder St. Tönis sollten die Betroffenen im Notfall bis zur zentralen Notdienstpraxis nach Dülken fahren. Da mussten plötzlich Strecken mit dem Auto zurückgelegt werden, die auch schon mal 40 Kilometer für eine Fahrt (von Tönisberg aus) bedeuteten.

Als dann die Notdienstpraxis im Lobbericher Krankenhaus schließen musste, weil die Kassenärztliche Vereinigung dies so wollte - es durfte im Kreis Viersen nur noch eine solche Anlaufstelle geben -, rief das sogar die Politiker auf den Plan. Es gab heftige Diskussionen, der Nettetaler Bürgermeister Christian Wagner schrieb einen Beschwerdebrief nach Düsseldorf zur Kassenärztlichen Vereinigung. Bundestagsabgeordnete schalteten sich ein, die Schließung wurde aber nicht rückgängig gemacht. Mit der Folge, dass seit dem die Krankenhaus-Ambulanz mehr Zulauf von Notfallpatienten hat.

Das gilt auch für das Kempener Krankenhaus. Kempener überlegen sich nämlich genau, ob sie nach Viersen fahren sollen oder ins Hospital an der Von-Broichhausen-Allee gehen. In Willich haben Patienten sich teilweise nach Krefeld oder Mönchengladbach umorientiert. Umorientieren müssen sich auch Patienten aus dem Kreis, wenn sie den Hals-Nasen-Ohren- (HNO) oder äugenärztlichen Notdienst in Anspruch nehmen wollen. Der ist nur noch in Krefeld erreichbar.

Der Kinderärzte im Kreis Viersen haben seit Jahren ihren Notdienst an die Notdienstpraxis zunächst in Dülken und seit einem Jahr in Viersen gekoppelt. Dort befindet sich bekanntlich die einzige Kinderklinik im Kreisgebiet.

Die Reform des Notdienstes der niedergelassenen Ärzte ist aber noch nicht abgeschlossen. Weitergehende Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung, noch größere Einheiten zu bilden, wurden nach Protesten aus den Kommunen und der Politik zurückgestellt und sollen im kommenden Jahr wieder auf die Agenda kommen. Für den ländlichen Raum wie den Kreis Viersen könnte es Veränderungen geben.

Quelle: RP
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