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Stadt Willich
Niershallen-Nachbarn packen mit an

Stadt Willich: Niershallen-Nachbarn packen mit an
Mit guter Laune sind die ehrenamtlichen Helfer dabei, um den Flüchtlingen das Leben in der Neersener Niershalle ein bisschen erträglicher zu gestalten. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Hier und da hakt es noch bei der Versorgung der derzeit rund 80 Flüchtlinge, die in der Niershalle leben. Schnell haben sich etwa 30 Ehrenamtliche gefunden, die den Menschen und damit der Stadtverwaltung helfen. Von Willi Schöfer

"Wir wollten wissen, was da los ist, was das für Menschen sind", erinnert sich Pia Boochs. Die 61-Jährige wohnt nur etwa hundert Meter von der Niershalle in Neersen entfernt, in der derzeit mehr als 80 Flüchtlinge leben. Schon in den ersten Tagen, als gerade die ersten Menschen einzogen, war sie erschrocken: "Die Flüchtlinge waren total sich selbst überlassen, es fehlte alles, angefangen bei Hygieneartikeln über Spielsachen bis zu Kabinentüren und abschließbaren Spinden." Und Pia Boochs kümmerte sich, hatte schnell etwa 15 direkte Anwohner gefunden, die den Flüchtlingen jetzt täglich mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Rund ein Dutzend Helfer sind in der Niershalle. Sie tragen Warnwesten, viele einen Ausweis. Initiative "Schlopap" steht darauf. Dies ist die Abkürzung für die direkt angrenzenden Straßenzüge Am Schlosspark und Pappelallee. Wie an jedem Morgen hatte kurz zuvor die bemerkenswerte Nachbarschafts-Initiative die anstehenden Arbeiten schnell in ihrer WhatsApp-Gruppe verteilt. Darin arbeiten unter anderem Melanie Ungerechts, Aline Boochs, Heide Wicht, Anne Peussner und Claudia Kapschick mit.

Einige helfen bei der Essenausgabe mit, andere kümmern sich um die Kinder, fahren in ein Möbelhaus und sollen Kinderstühle besorgen, wieder andere gehen im Internet auf die Suche nach einem gebrauchten. Pia Boochs bringt noch schnell ein Schachspiel zu den Flüchtlingen. Wenige Tage zuvor war es der Initiative gelungen zu organisieren, dass in der Niershalle ein Allgemeinmediziner aus Schiefbahn ab sofort wöchentliche Sprechstunden anbietet.

Natürlich hatte es anfangs auch bei den Anwohnern Verunsicherungen und Irritationen gegeben. Durch die alltägliche Arbeit sind diese aber längst vergessen. Mit in der Niershalle sind außerdem Agnes Brock vom deutsch-lettischen Freundeskreis und Jutta van Amern vom "Arbeitskreis Fremde"; ferner Yasemin Öztürk vom mazedonisch-türkischen Verein "MakGöc Almanya", der sich ebenfalls mit vielen Mitgliedern einbringt. Yasemin spricht unter anderem das syrische Arabisch, ist also als Dolmetscherin, wie übrigens auch Übersetzer Amjad el Bassal, eine wertvolle Hilfe. Denn die derzeitig dort lebenden Flüchtlinge, 180 sollen es maximal sein, kommen größtenteils aus Syrien, aber auch unter anderem aus dem Iran,dem Irak und der Mongolei.

Mittlerweile ist die Zahl der Ehrenamtlichen auf mehr als 30 angewachsen. Es gibt Untergruppen, die unter anderem für Bekleidung, Kinderbetreuung, Essensausgabe oder für das Gesundheitswesen zuständig sind. Gut arbeite man, so Pia Boochs, mit Hausmeister Thomas Elflein sowie mit der Awo, der Caritas oder dem Sicherheitsdienst zusammen.

Vieles steckt noch in den Anfängen. Und es gibt bereits eine Menge aufgezeigter Mängeln und Verbesserungsvorschläge. Unter anderem werden die "total unorganisierte Essensausgabe", ein für den Personenkreis falsches Catering oder eine bessere ärztliche Versorgung beklagt oder ein Aufenthaltsraum und ein muslimischer Gebetsraum gewünscht - neben ausreichendem Mobiliar. Und Pia Boochs hofft auf bessere unbürokratische Hilfen, schlägt eine intensivere Betreuung seitens der Stadt und ferner einen 24-stündigen Notruf vor, unter der die Stadt erreichbar sein müsse.

Für die Flüchtlinge ist in der Stadtverwaltung Marco Härtel der Ansprechpartner. "Wir haben in den ersten Tagen und Wochen erst einmal die Grundbedürfnisse abgedeckt, sind immer noch bei einigen Installationen. Jetzt kommt ein Messebauer in die Halle, um einen Raum für eine Kleiderkammer vorzusehen. Ab dieser Woche werden wir dort ein Büro einrichten", sagt Härtel. Ende vergangener Woche waren es mehr als 80 Flüchtlinge in der Halle, bis zum heutigen Dienstag sollen es, so Härtel, wahrscheinlich 100 sein.

Auch Jutta van Amern vom Arbeitskreis Fremde kommentiert, dass es noch an allen Ecken und Enden hake, äußert aber ein gewisses Verständnis: "Es kann noch nicht rund laufen, da die Stadt von heute auf morgen reagieren musste." Der Arbeitskreis kümmert sich unter anderem darum, dass die jungen Flüchtlinge, Kinder und Jugendliche in den entsprechenden Schulen aufgenommen werden. In der Niershalle gibt es bereits einen Sprachkursus.

Quelle: RP
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