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Stadt Willich
Nordumgehung kostet 8,2 Millionen Euro

Stadt Willich. Im Planungsausschuss wurde die lang ersehnte Machbarkeitsstudie für eine Schiefbahner Nordumgehung vorgestellt. Die Politik sieht nun großen Beratungsbedarf. Angesichts der hohen Kosten scheint die Umsetzung allerdings unrealistisch. Von Marc Schütz

Begeisterung sieht wahrlich anders aus. Nachdem die Machbarkeitsstudie für den Bau einer Nordumgehung in Schiefbahn im Planungsausschuss vorgestellt war, mochten wohl nur wenige Zuhörer glauben, dass das Projekt wirklich umgesetzt wird. Denn erneut zeigte sich: Die Verkehrsprobleme in Schiefbahn liegen nicht am Durchgangsverkehr, eine Umgehung würde also kaum Abhilfe schaffen. 80 bis 90 Prozent der 8000 bis 9000 in West-Ost-Richtung durch Schiefbahn fahrenden Fahrzeuge sind dem sogenanten Quell- und Zielverkehr zuzuordnen, fahren also nach Schiefbahn rein oder aus Schiefbahn raus - aber eben nicht durch Schiefbahn, um anderswo hinzugelangen.

Wigand Klee von der Ingenieurgesellschaft für Verkehrswesen in Bochum erläuterte im Ausschuss die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie. Drei Varianten einer Umgehung wurden vorgestellt: Erstens eine Umgehung, die die Alte Poststraße (L 361) in Niederheide mit der Korschenbroicher Straße (L 382) am Schiefbahner Dreieck verbindet. Mit 1000 bis 1500 Fahrzeugen pro Tag "wäre die Entlastung aber gering", so Klee. Variante zwei sieht eine Verbindung zur Korschenbroicher Straße von der Langebendstraße aus vor. Zwar könnte der Ortskern in dieser Variante etwas stärker entlastet werden, allerdings führt diese Strecke "durch bebautes Gebiet, was hohes Konfliktpotenzial birgt", fasste Klee zusammen und stellte Variante 3 vor, der er den Vorzug gibt: Sie sieht eine Nordumgehung vor, die die Albert-Oetker-Straße westlich der Schulen mit der Korschenbroicher Straße verbindet. Klee geht davon aus, dass 2000 bis 2500 Fahrzeuge täglich diese Trasse nutzen würden, und spricht von einem "mittleren Entlastungseffekt".

Zudem gibt es Varianten der Variante 3, die von der Nordumgehung aus die Erschließung der Wohngebiete im Bereich Langebendstraße und der nördlichen Wohngebiete über die Straße Diepenbroich und die Fontanestraße sowie neue Baugebiete ermöglichen. Die neue Umgehungsstraße hätte je einen 3,5 Meter breiten Fahrstreifen pro Richtung plus 0,5 Meter Randstreifen und 1,5 Meter Bankett. Erlaubt wäre dort Tempo 70. Schallschutzmaßnahmen für die Wohnbebauung wären innerhalb 50 Meter rechts und links der Straße nötig, was derzeit die Wohnbebauung im Bereich Diepenbroich beträfe. Dort gibt es laut Klee eine weitere besondere Situation: Da hier viele Schüler unterwegs sind, ist eine Brücke vorgesehen, damit die Umgehung von den Mädchen und Jungen nicht überquert werden muss.

Insgesamt ein großer und teurer Aufwand (etwa 8,2 Millionen Euro) also, zumal einige Landwirte, denen die Grundstücke gehören, die für die Realisierung der Trasse notwendig wären, schon signalisiert haben, dass sie nicht verkaufen werden. Und so fragte der Ausschuss-Vorsitzende Christian Pakusch (CDU) den Diplom-Ingenieur Wigand Klee: "Würden Sie es umsetzen?" Die Antwort Klees ließ recht lange auf sich warten, was tief blicken ließ: "Die Straße kann nicht so viel, weil es nicht so viel Durchgangsverkehr in Schiefbahn gibt." Allerdings gab er zu bedenken, dass weitere Wohngebiete im Schiefbahner Norden zusätzlichen Verkehr mit sich bringen würden. Die Technische Beigeordnete der Stadt, Martina Stall, sagte: "Das Baugebiet Fontanestraße wird zu Verkehrsproblemen führen, das ist sicher. Bei weiterer Bebauung brauchen wir im Schiefbahner Norden eine zusätzliche Straße."

Die Politiker der vier Ratsfraktionen wollen die Ergebnisse der Studie nun erst einmal sacken lassen und in den kommenden Wochen darüber beraten. Pakusch bat darum, bis zum Sommer eine Entscheidung zu treffen. Schließlich diskutiere man schon seit Mitte der 70er-Jahre über dieses Thema. Nun sei es an der Zeit, eine echte Lösung zu finden oder die Nordumgehung endgültig zu beerdigen.

Christian Winterbach (Grüne) und Karl-Heinz Koch (FDP) regten noch an, noch einmal über die Verbindung Klapptor-Wekeln nachzudenken, die ohnehin schon von vielen Verkehrsteilnehmern verbotener Weise genutzt werde. Auch das werde, so sagte Pakusch, sicher noch diskutiert werden.

Quelle: RP
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