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Gemeinde Grefrath
Nostalgische Reise in die Vergangenheit

Gemeinde Grefrath: Nostalgische Reise in die Vergangenheit
Vor der Dorenburg schnattern neugierige Gänse. FOTO: Stephanie wickerath
Gemeinde Grefrath. Das Freilichtmuseum ist immer einen Besuch wert. Zwischen Kopfweiden und alten Häusern lässt es sich entspannt bummeln. Und nebenbei erfährt der Besucher viel Wissenswertes über das Landleben im 19. Jahrhundert. Von Stephanie Wickerath

Das erste Aha-Erlebnis haben die Besucher des Freilichtmuseums im Tante-Emma-Laden. Während die Kinder sehnsüchtig auf die Gläser mit Brausepulver und Kirschlollis, Knuspermünzen und Veilchenpastillen schauen, fühlen sich die Erwachsenen zurückversetzt in die eigene Kindheit. Sah es nicht genauso in dem kleinen Lädchen an der Ecke aus, in das man jede Woche sein Taschengeld getragen hat, um es gegen Esspapier und Lakritz zu tauschen? Alice Obaron-Kiwall vom Verein "Kindertraum", der den Tante-Emma-Laden seit zwei Monaten betreibt, kennt diese Reaktion. "Viele Kunden schauen sich sehr genau um und geraten ins Schwärmen." Aber auch rund um den TanteEmma-Laden, der mit Kaffee- und Kuchenverkauf zum Verweilen einlädt, gibt es einiges zu entdecken. Alte Landmaschinen finden sich unter einem Scheunendach, eine Kutschenausstellung ist zu sehen, und ein Kräutergarten kann besucht werden, in dem Wundenklee und Wacholder, Majoran und Eisenkraut wachsen und Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten summen und flattern. Jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr wird hier eine Kräutersprechstunde angeboten. Außerdem gibt es Kräuterführungen und einen Kräuterworkshop.

Zurück auf dem Hauptweg geht der Spaziergang vorbei an schnatternden Gänsen, zwitschernden Vögeln und Hühnern, die es sich auf dem großen Spielplatz bequem gemacht haben, den die Kinder sofort erstürmen. Hinter der alten Schmiede ist die Dorenburg zu sehen, der Mittelpunkt des Freilichtmuseums. Die wasserumwehrte Anlage lässt sich bis auf das Jahr 1326 zurückverfolgen. Oft wurde die Burg umgebaut und im Zweiten Weltkrieg zum Teil zerstört. Heute beherbergt sie Ausstellungsstücke, die die bürgerliche und adelige Wohnkultur am Niederrhein illustrieren. Außerdem finden dort Wechselausstellungen zu volkskundlichen Themen statt.

Hühner haben es sich auf einem der Spielgeräte gemütlich gemacht. FOTO: wickerath stephanie

Gegenüber der Burg liegt das Spielzeugmuseum, von dem die kleinen Besucher oft enttäuscht sind, weil sie ob des Namens ein Haus erwarten, in dem sie nach Herzenslust spielen können. Tatsächlich zeigt das Museum Spielzeug hinter Glas, mit dem die Eltern, Groß- und Urgroßeltern gespielt haben, denn 150 Jahre Spielzeug aus deutscher Produktion sind hier Zuhause. In der zweiten Etage sind die Kinder dann aber wieder versöhnt, denn hier steht eine Modelleisenbahn, die auf 360 Metern Schienenstrecke fährt.

Zur Stärkung geht es ins Pfannkuchenhaus, das mit unzählig vielen Varianten der Eier-Milch-Mehlspeise für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Vor dem Haus findet sich ein Bauerngarten mit Rondell in der Mitte und einer klassischen Vierteilung der Beete. Auch eine Bügelbahn lässt sich bestaunen. Die dazugehörige Tafel informiert darüber, dass das Bügeln ein dem Kegeln und Boulespiel verwandter Sport ist, der 1331 erstmal in Lüttich erwähnt wurde und ursprünglich ein Zeitvertreib der Bauern war. In der schönen, reetgedeckten Hofanlage Hagen, deren Wohnhaus auch von innen besichtigt werden kann, bekommen die Besucher eine guten Eindruck davon, wie beengt diese bäuerlichen Familien früher gelebt haben.

Alice Obaron-Kiwall verkauft im Tante-Emma-Laden auf dem Museumsgelände allerlei Köstlichkeiten. FOTO: wickerath

Außerdem gibt es noch eine alte Kate zu sehen, eine Schnapsbrennerei und eine Gerberei, die den Wandel von der reinen Handarbeit des Gerbers bis zur ersten industriellen Fertigung mithilfe der Dampfkraft zeigt. Den Abschluss des gut zweistündigen Rundgangs bildet ein Spritzenhaus, wie es 1779, lange bevor es auf dem Land die freiwilligen Feuerwehren gab, in St. Hubert errichtet wurde.

Quelle: RP
 
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