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Stadt Willich
Nur Zufütterung hat Bienen gerettet

Stadt Willich: Nur Zufütterung hat Bienen gerettet
Iris van den Bongard und ihr Vater Johann zeigen die Fladen aus Futterteig, gemischt aus Puderzucker, Honig und Blütenpollen. Ein Fladen reicht für eine Woche. Die viele Arbeit hat sich aber gelohnt. Die Bienen haben überlebt. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Hinter den Imkern liegen arbeitsintensive Monate. Der milde Winter signalisierte den Bienen den Start ins Frühjahr, aber das Futter aus der Natur fehlte noch. Von Bianca Treffer

"Ich habe noch keine Biene mit verkrüppelten Flügeln gesehen", sagt Johann van den Bongard. Dabei ist dem Imkermeister die Erleichterung in der Stimme anzuhören. Die Missbildung würde nämlich auf das Vorhandensein der Varroamilbe hindeuten. Und mit dieser hat der Fachmann aufgrund des milden Winters gerechnet. Es sah nämlich zunächst so aus, als könnte die Winterbehandlung gegen die gefährliche Milbe nicht durchgeführt werden. Die Temperaturen über Null Grad verhinderten das Bilden der sogenannten Winterkugel. "Wir konnten dann aber doch mit der 3,5 prozentigen Oxalsäure gegen die Milben vorgehen", informiert Johann van den Bongard.

Nichtsdestotrotz verlangte der Winter den Imkern einiges ab. Die Bienen mussten massiv zugefüttert werden. Normalerweise erhalten die Bienenvölker vor der Winterruhe einen Futtersirup, der über sogenannte Futtertaschen als auch Rähmchen gegeben wird. Eingelagert in den Waben sind es zwischen 22 und 24 Kilogramm Gesamtfutter für ein Volk. Diese Menge reicht in der Regel bis in den April hinein. Mit dem dann einsetzenden Frühjahr finden die Bienen wieder ihr eigenes Futter.

In diesem Jahr war es aber so, dass die warmen Temperaturen während der Wintermonate den Bienen vorgaukelten, das Frühjahr habe begonnen. Sie wurden aktiv, fanden aber keine ausreichende Nahrung. Das größte Problem waren die Bienenlarven in den Völkern, die ebenfalls aufgrund des warmen Wetters vorhanden waren. Diese benötigen für ihr Wachstum eine Eiweißnahrung in Form von Blütenpollen. Etwas, dass die Natur allerdings noch nicht hergab. Bekommen sie dieses Futter nicht, wirkt sich das lebensverkürzend auf die Tiere aus. "Wir mussten entsprechend massiv nachfüttern", berichtet Iris van den Bongard. Allerdings nicht in Form von Sirup, sondern als Futtergaben. Die Tierwirtin Schwerpunkt Bienen stellte so zusammen mit ihrem Vater einen Futterteig aus Puderzucker, eigenem Honig und Blütenpollen her. Danach stand das Problem der Ausbringung an. Immerhin galt es 550 Völker in Willich und Umkreis sowie etliche Kleinstvölker mit je rund 1000 Bienen in Hofnähe zu füttern. "Wir haben ein Brett mit zwei Leisten konstruiert, auf dem wir den Teig zu gleich großen und dicken Fladen ausgerollt haben. Danach griffen wir auf lebensmittelechte Frischhaltefolie, wie sie auch Metzger benutzen, zurück", erklärt Iris van den Bongard. Jeder Fladen kam für den Transport in die Folie, was auch gleichzeitig ein Austrocknen verhinderte, und konnte danach problemlos auf die Waben der jeweiligen Bienenkästen gelegt werden. Ein Fladen reichte für eine Woche. Für die Imker hieß dies nonstop Futter herstellen und ausbringen und das über Wochen. "Es war unglaublich aufwendig, aber der Aufwand hat sich gelohnt", resümiert Johann van den Bongard.

Für die Frühjahrstracht benötigen die Imker leistungsstarke Bienen. Ohne diese Zufütterung wären die Bienen nicht ins Frühjahr gekommen, sondern abgestorben. So aber kann das Bienenjahr normal anlaufen. Überall ist es anscheinend aber nicht so gut gelaufen. Das können die van den Bongard an der Anzahl der Ablegerzahlen feststellen. Bei den Ablegern handelt es sich um Jungvölker. Die Nachfrage ist so groß, dass die Anrather Imkerei ausverkauft ist. Für die Fachleute ist dies ein Zeichen, das große Verluste von Bienenvölkern bei Imkern vorliegen müssen. Die Ableger stellen dabei die Hauptvölker für das kommende Jahr dar, das Startkapital für die neue nächste Saison.

Quelle: RP
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