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Stadt Willich
Offen für ungewöhnliche Blickwinkel

Stadt Willich. "Kunst(T)räume": Ellen von der Linden und Ted Vroemen stellten im Atelier Nr. 6 Malerei und Bildhauerei aus. Von Angela Wilms-Adrians

Beinahe wie Perlmutt schimmerte der helle Alabaster - wunderschön und wie von der Sonne durchdrungen. Der Bildhauer Ted Vroemen kontrastiert im Stein zum Titel "Levensloop" (Lebenslauf) die glatt polierte Oberfläche in Wellenform mit dem rauen, naturbelassenen Rand. Seine Hand hinter der vom Betrachter abgewandten Seite war schemenhaft zu sehen.

Zwei Tage gastierte der Niederländer im Atelier Nr. 6 am Klörather Steg. In der Gemeinschaftsausstellung mit Hausherrin Ellen von der Linden war sein Beitrag zur Offenen Gartenpforte einladend im Außenbereich eingebunden. Vroemen verzichtet auf Maschinen, setzt stattdessen auf die Handarbeit mit Hammer und Beitel. Offensichtlich hat der Künstler für sein Schaffen zwei Favoriten: den sehr harten Serpentin und eben Alabaster mit seinen recht unterschiedlichen Naturfarben. Er arbeitet ungegenständlich wie auch in einer Konzentration auf den weiblichen Torso mit gegenständlichen Bezügen. "Wenn ich abstrakt arbeite, weiß ich nicht, wo ich auskomme. Ich nehme etwas vom Stein weg, nehme Abstand und sehe dann, wie es weitergeht", erzählte der Künstler. Seine in Anrath gezeigten Arbeiten sind durchweg allansichtig, haben oft geschwungene Formen, die einladen, begreifend die Hand darüber gleiten zu lassen. So etwa über den Alabaster in Champagner-Braun, der im eleganten Schwung an einen fliegenden Vogel denken lässt.

Ellen von der Linden zeigte dieses Mal vornehmlich recht große Bildformate wie auch mehrteilige Arbeiten, bevorzugt in Öl, aber auch zuweilen in Acryl gemalt. Auf der sechsteiligen Bildfolge "Wald" drängen sich Baumformationen tafelübergreifend in kräftigen, teilweise gespachtelten Farben nach vorne. Die Farbigkeit ist nicht der Natur entnommen, sondern wird expressionistisch zum Spiegel von Emotionalität. Der Hintergrund hingegen ist beinahe minimalistisch zurückgenommen, als verschwinde er im Licht. "Ich beginne oft minimalistisch, brauche dann aber etwas, an dem man sieht, was es ist, und dann geht es wieder ins Naturalistische", sagt von der Linden über ihre Arbeit auf der Schwelle zwischen Motiv und Abstraktion. Auf schlanker hoher Leinwand entfaltete sie das Motiv eines Mammutbaums, der beim Betrachter den Eindruck weckt, als schaue er am Baum stehend in die Höhe. "Mich interessieren Perspektiven", sagt von der Linden dazu.

Dieses Interesse lässt sich ebenso am Phantasiebild einer Felslandschaft ablesen. Über die Komposition assoziiert die Malerin eine nicht sichtbare Plattform mit Ausblick in eine Schlucht und hinauf zu schwindelerregenden Höhen. Frühling pur strahlt ein großes Querformat mit Allee und Sog in die Tiefe aus. Im malerischen Schwung scheinen die Bäume zu tanzen.

Quelle: RP
 
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