| 00.00 Uhr

Stadt Willich
Ohne den Holzbock geht nichts

Stadt Willich: Ohne den Holzbock geht nichts
Die Mädchen bereiten sich derzeit auf zwei wichtige Turniere vor. Daher wird auch in den Schulferien jeden Tag intensiv trainiert. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Trotz Sommerferien läuft das Training auf der Reitanlage an den Hursterhöfen in Willich auf Hochtouren. Das Junior-Team des Voltigierzentrums Meerbusch bereitet sich auf seine Teilnahme an den Deutschen Jugendmeisterschaften vor. Von Bianca Treffer

Gerade noch steht Selda in einem perfekten Handstand auf den Schultern von Ina, um Sekunden später durch die Luft zu wirbeln. In einer Rückwärtsrolle fliegt sie hoch und nähert sich dem Boden. Ein leichtes Abfedern in den Knien, und die Elfjährige steht lächelnd und mit ausgestreckten Armen hinter dem Holzbock in der Reithalle. Ein Lob von Trainerin Anna Blum ist zu hören, und schon geht es weiter.

Das tägliche Training der insgesamt zehnköpfigen Mannschaft, die das Junior-Team und das Team M** bilden, läuft. Von Ferien und Nichtstun sind die Voltigiererinnen im Alter von zehn bis 20 Jahren weit entfernt. Vielmehr stecken sie mitten im zweieinhalbwöchigen Trainingslager, das für jeden Tag, einschließlich der Wochenenden, ein Training vorsieht. Vor den Mädels liegen nämlich zwei ganz besondere Turniere: die Junior-Mannschaft hat sich aufgrund ihrer vorausgehenden Turniererfolge für die Deutschen Meisterschaften in Redefin in Mecklenburg-Vorpommern qualifiziert, und das Team M**, aus dem auch Turnerinnen aus der Juniorgruppe gehören, für den M-Cup in Zweibrücken, dem Deutschen Voltigierpokal.

Ina nimmt die Figur namens Bielmann, getragen von Maike, ein. "Gut, aber Kopf hoch", kommt die kurze Korrektur von Blum beim Abgang vom Bock. In der Reithalle der Reitanlage Wehrhans Hof auf den Hursterhöfen in Willich ist es ruhig. Kein Pferd ist in der Halle. Lediglich der Holzbock mit dem Voltigiergurt und einige Turnmatten, auf denen die Voltigiererinnen des Voltigierzentrums Meerbusch mit Dehn- und Streckübungen beschäftigt sind, bestimmen das Bild. Die Ansagen von Blum werden nur ab und zu vom Schnauben eines der Pferde aus der benachbarten Boxengasse unterbrochen.

Bei der Deutschen Meisterschaft der Achtergruppen brachte die Mannschaft im vergangenen Jahr beim ersten Start direkt eine Bronzemedaille mit nach Hause. "Wir starten dort im Oktober für das Rheinland. Aufgrund unserer Wertnoten bei den vorausgegangenen Turnieren sind wir wieder dabei", freut sich Trainerin Sophie Haselhoff. Nachdem die gesamte Mannschaft zwei Jahre lang dem Perspektiv-Kader angehörte, hat sie seit einem Jahr einen festen Platz im Landeskader. Der Weg dorthin startete bereits vor fünf Jahren. Zu diesem Zeitpunkt nahmen die zehn Mädels als feste Gruppe samt Voltigierpferd Dainty Dancer, einem 13-jährigen Hannoveraner, mit ihren beiden Trainerinnen Blum und Haselhoff - die beiden sind Schwestern, selber Europa- und Weltmeisterinnen im Voltigieren sowie im Besitz des Goldenen Voltigierabzeichens der FN - die Arbeit auf. Wobei normal dreimal in der Woche trainiert wird. Dazu kommen die Trainingslager.

"Es ist einfach ein tolles Team. Alle bringen eine hohe Bereitschaft mit, inklusive der Unterstützung durch die Eltern. Das Zusammenspiel ist gut, und wir haben Dainty Dancer zu einem hervorragenden Voltigierpferd ausbilden können", sagt Blum. Denn ohne das passende Pferd läuft in dieser Sportart nichts. Bei den Turnieren fließt unter anderem sein Bewegungsablauf mit in die Gesamtnote ein. Dreimal in der Woche arbeiten die Turnerinnen aktuell am Pferd. Dazu kommen Kraft-, Ausdauer-, Koordinations-, Tanz- und Turntraining samt Ausdrucksschule. Yoga steht genauso auf dem Programm wie Schwimmen und Joggen. Die Arbeit am Holzbock, der ein Pferd mit Voltigiergurt darstellt, nicht zu vergessen.

In den derzeit laufenden Trainingswochen geht das tägliche Training über fünf bis sechs Stunden. Der eigens ausgearbeitete Trainingsplan hat es in sich. "Es macht riesig Spaß. Es ist eine Mischung aus vielen Elementen, und das ist gerade das Schöne", bemerkt Pia. Die 15-Jährige voltigiert seit zehn Jahren. Es sei auch anstrengend, aber "einfach nur toll", fügt Selda an, die seit sieben Jahren dabei ist.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Stadt Willich: Ohne den Holzbock geht nichts


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.