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Oppums lustigster Engel entdeckt

Die Sanierung der Turmhaube
Die Sanierung der Turmhaube FOTO: Lammertz Thomas
Willich. Es ist Oppums Jahrhundertwerk: die Sanierung der Turmhaube der Schutzengelkirche. Die Arbeit im Turm zeitigt manche hübsche Entdeckung - und faszinierende Einblicke ins Bau-Kunsthandwerk.

Beim Aufstieg in die Turmhaube entdecken wir ein kleines, gut gelauntes Gesicht, eine Mini-Skulptur, die ein Handwerker gemacht hat, der hier mal zu tun hatte: eine Plakette, Ohren und Nase mit Nägeln angedeutet - ein Spaß, ein guter Hausgeist oder besser: ein kleines, lustiges Engelsgesicht. Schließlich sind wir in einer christlichen Kirche.

Es ist immer aufregend, eine Kirche aus der Nähe zu sehen und darauf zu stoßen, wie das alles gemacht ist. Was vorher als Ganzes gesehen wird, ist plötzlich ein Puzzle aus 1000 kleinen Meisterwerken kunsthandwerklichen Könnens. Zurzeit wird die Turmhaube der 1900 eingeweihten Oppumer Schutzengelkirche saniert. Man darf ohne Übertreibung sagen: Es ist ein Jahrhundertwerk. Der Kirchturm wird fit gemacht für das 21. Jahrhundert.

Der Stolz der Handwerker, die dort in der Vergangenheit gearbeitet haben, ist anrührend dokumentiert: An mehreren Stellen sind Schiefertafeln angenagelt, in die Handwerker Datum und ihre Namen eingeritzt haben. Das zeugt von Stolz, ist aber auch ein kleines Dankgebet: Die 23 Meter hohe Turmhaube war bislang nur über abenteuerliche Holzleitern zu durchsteigen - man konnte glatt 23 Meter tief abstürzen. Nun werden sieben Decken eingezogen, die dem Turm neue Festigkeit geben und ihn für Wartungsarbeiten gefahrlos zugänglich machen.

Der Weg nach oben ist gesäumt von Baugeschichten. Es beginnt am Fuß des 57 Meter hohen Turms: Dort steht eines der vier Zifferblätter der Kirchturmuhr. Das große Rund erstrahlt in leuchtendem Blau - "die waren Schalke-Fans", feixt einer der Handwerker, die das Prachtstück gleich nach oben zur Montage befördern. "Die Zifferblätter gehören wahrscheinlich noch zum Originalbestand der Kirche", sagt Ralph Hoepfner vom Kirchenvorstand der Schutzengelpfarre. Die Neu-Lackierung der Ziffernblätter ist mit dem Denkmalschutz der Stadt abgestimmt - "wie alles, was wir hier tun", betont Karl-Heinz Petermann als zuständiger Architekt.

Saniert wird die Turmhaube, deshalb geht es per Aufzug in die Höhe. Das Gerüst wird übrigens im Wesentlich nicht von den Befestigungen in der Wand, sondern in sich getragen: Es umspannt die Wand und ist weitgehend selbsttragend.

Oben dann Details: Hoepfner zeigt auf einen der schön gearbeiteten Stützpfeiler für die Balustrade, die irgendwann zugunsten eines Dach-Abschlusses entfernt wurde. "Er hatte einen Sprung, man konnte die Teile bewegen, wenn man daran ruckelte." Heute sind die Pfeiler ergänzt und ausgebessert - da sie echte Stützpfeiler sind, ragen sie tief in das 1,20 Meter starke Mauerwerk und werden erhalten, wo es geht. Dass es Steinmetze gibt, die so etwas können, ist nicht selbstverständlich. "Das denkmalschützerische Denken hat erst in den 60er, 70er Jahren einen Aufschwung erlebt; damit sind dann wieder Steinmetze für solche Arbeiten ausgebildet worden", erläutert Petermann. Der Weg war steinig im doppelten Sinne: Es gab eine Zeit, da wurden die weichen, hellen Tuffsteine durch härteren, aber dunklen Basalt ausgetauscht - "heute", sagt Petermann, "arbeitet man mit artgleichem Material." Ausgebessert wird auch das "Blindmaßwerk", das als steinerne Applikation auf dem Mauerwerk sitzt - ohne Durchbruch ins Innere des Kirchturms. Zierrat also, charakteristisch für die Neogotik. Die Dachdeckung ist eine Geschichte für sich: An einer Stelle sieht man Wasserschäden - ein Handwerker früherer Zeiten hat zu lange Nägel benutzt. Das Dach weist eine altdeutsche Deckung auf - "mit Moselschiefer", sagt Petermann. Werden Schieferplatten ersetzt, wird nicht mehr genagelt, sondern mit feinen Häkchen fixiert - das ist schonender. Auch im Innern des Turms überall Spuren der Erneuerung: Da sind die neuen Böden, neue Balkenstücke zur Verstärkung - "Knaggen" genannt - und neue Stahlverschraubungen. Ganz oben in der Spitze schließlich: der "Kaiser"; das Stück, das den Turmhahn draußen hält. Auch der Kaiser ist erneuert. Darüber kommt nur noch der Himmel. Folgerichtig: Um ihn geht es. Die Turmretter sammeln Spenden über das Konto: Förderkreis KircheAktiv Zu den Heiligen Schutzengeln; Sparkasse Krefeld; Konto 409 15; Bankleitzahl 320 500 00;

IBAN DE63 3205 0000 0000 0409 15; Stichwort "Kirchturm"

Spenden-Infos: Pfarrbüro (Tel. 55850) oder per Mail an kirchenvorstand@augustinus-krefeld.de

JENS VOSS

Quelle: RP
 
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