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Stadt Willich
"Orpheus" ist eine Lebensphilosophie

Stadt Willich: "Orpheus" ist eine Lebensphilosophie
Jetzt liegt es druckfrisch vor: Hans-Theo Ohlenvorst will mit seiner Dokumentation die Erinnerung an ein Gebäude wachhalten, das inzwischen abgerissen ist. Über 30 Jahre war das Orpheum Proberaum und Treffpunkt. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Der Ehrenvorsitzende Hans-Theo Ohlenforst beschreibt in seinem Buch "Das Kulturzentrum Orpheum" den Ort, der 30 Jahre lang die Heimat des Männerchores Orpheus Anrath war. Dabei blickt er auf viele eigene Erinnerungen zurück. Von Willi Schöfer

Die "gute alte Zeit", als der Männerchor Orpheus noch in einem ausrangierten Bus sein mobiles Vereinsheim hatte und damals händeringend nach einer eigenen und festen Bleibe suchte, sind längst vorbei. Auch die Zeit, als die Sänger in den Jahren 1984 und 1985 mit viel Tatkraft und Energie aus einer alten Lagerhalle der Feuerwehr das Vereinsheim "Orpheum" machten. An dieses kleine aber bemerkenswerte Kulturzentrum erinnert jetzt der Orpheus-Ehrenvorsitzende Hans-Theo Ohlenforst. Er hat gerade auf 142 Seiten das Buch "Das Kulturzentrum Orpheum - Ein kurzes aber bewegtes Leben" geschrieben.

Ohlenforst feierte vor Kurzem seinen 72. Geburtstag. Seit vier Jahrzehnten gehört er dem zehnfachen Meisterchor jetzt nur noch als passives Mitglied an. Das war mal ganz anders: Der gebürtige Mönchengladbacher war seit 1975 insgesamt 17 Jahre lang der Vorsitzende des Chores und hatte in der ersten Reihe dafür gesorgt, dass sich in diesem Vereinsheim nicht nur seine Sänger wohlfühlten. Dort probten auch andere Chöre, Karnevalisten, fanden anspruchsvolle Konzerte oder Matinees statt oder wurden Kinder und Jugendliche in der Stimmbildung oder dem Chorklang ausgebildet.

"Die Erinnerungen an diese Zeit dürfen nicht verblassen", dies sei für ihn der Ansporn zu seiner Dokumentation gewesen, zumal das Vereinsheim aufgrund der neuen Anrather Feuerwache vor einigen Monaten abgerissen werden musste. Ohlenforst belegt in seinem Buch mit Fakten und Dokumenten, wie sich in der vergangenen Zeit darin das chorische Leben von Orpheus entwickelt hatte. Er nutzt das Werk aber auch zu einer Autobiografie über sein Wirken in dieser Zeit.

Es ist, wenn man im Buch blättert, nicht alles "Friede, Freude, Eierkuchen". Wenngleich er noch heute davon spricht, dass für ihn der Männerchor Orpheus kein Verein, sondern immer eine Lebensphilosophie gewesen sei, schreibt der Ehren-Vorsitzende über den "steinigen Weg" hin zu diesem eigenen Kulturzentrum, erwähnt neben so manch verkrusteten Strukturen auch einige Kritiker, die damals ganz andere Vorstellungen vom Chorgesang hatten.

Das Buch kostet acht Euro und ist ab dem 2. Januar bei Schreibwaren Roggen und in der Anrather Filiale der Sparkasse Krefeld erhältlich. Der Verkaufserlös geht in die "Niederrheinische Chorstiftung", die ihrerseits den Chorverband Linker Niederrhein unterstützt. Hans-Theo Ohlenforst ist seit einigen Jahren Vorsitzender dieses Chorverbandes, mit seinen derzeit 72 Chören und den über 2300 Sängern und Sängerinnen.

Nach dem Abriss des Orpheums haben die aktuell 32 aktiven Sänger um ihren jetzigen Vorsitzenden Bernd Straeten und dem musikalischen Leiter Klaus-Peter Jamin zunächst provisorisch im benachbarten Feuerwehrhaus an der Fadheider Straße 3 ihr Probenlokal, Archiv und einen Raum der Geselligkeit gefunden. Diese Räumlichkeiten teilt sich Orpheus mit der Feuerwehr. Und wenn die neue Rettungswache fertig ist, wahrscheinlich Ende September 2016, wollen die Sänger in enger Zusammenarbeit mit der Stadt das Feuerwehrhaus wieder mit viel Muskelhypothek instand setzen und erweitern. Nach einer kleinen Weihnachts- und Silvesterpause geht es aber erst einmal ans intensive Proben. Denn der Meisterchor will am 5. Juni 2016 in Siegen seinen Titel erneut verteidigen. Es wäre dann die 11. Auszeichnung in ununterbrochener Folge. Sie gilt jedes Mal für fünf Jahre.

Quelle: RP
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