| 00.00 Uhr

Stadt Willich
Ottfried Fischer, ein Bayer in Neersen

Stadt Willich. Leises und Lautes in schönstem Bajuwarisch präsentierte Fischer bei den Schlossfestspielen mit "Jetzt noch langsamer". Von Martina Bielen

Rund 170 Gästen präsentierte Ottfried Fischer ein musikalisch unterlegtes Kabarett, das viel Pfeffer in sich hatte. Der mehrfach als beliebtester Serienstar ausgezeichnete Schauspieler, bekannt aus Fernsehserien wie "Der Bulle von Tölz" und "Pfarrer Braun", ist seit vielen Jahrzehnten ebenfalls als Kabarettist und Autor erfolgreich. Im Rahmen der Schlossfestspiele präsentierte er sein Kabarettprogramm "Jetzt noch langsamer" im Ratssaal von Schloss Neersen.

Zur Einstimmung gibt es "Ottis Frühsport" mit musikalischer Verschnaufpause, gekonnt arrangiert durch den Jazz-Trompeter Peter Tuscher und das Gitarren-Duo twofourtwelve. Theaterintendant Jan Bodinus begrüßt die Gäste und wird von Ottfried Fischer für seine kurze Ansprache gelobt: "Ein Intendant, der sich kurz fasst, wird lange Erfolg haben." Fischer, der laut Regenbogenpresse erst kürzlich mit einer Suppendiät 30 Kilo abgenommen haben soll, nimmt sein Markenzeichen offenbar gern aufs Korn.

Zwar gilt die "Ode an den dicken Mimen" nicht ihm selbst, ein "Sportverbot" hingegen schon: "Ich darf nicht turnen. Das hat mir der Arzt verboten - weil er unter mir wohnt." Er wirkt authentisch und locker, auch beim Durchforsten seiner losen Blattsammlung. Während er blättert, gibt er Anekdoten zum Besten, etwa die vom Leipziger Flughafen, als man ihn als den "Ochsen von Tölz" begrüßte. Er schildert sein Gefühl, als keine 60 Meter hinter seinem Haus eine englische Fliegerbombe geräumt und er evakuiert werden sollte. Da sei ihm schlagartig klar geworden: "Eine Vertreibung ist immer eine Vertreibung", das zarte Pflänzchen Frieden müsse gehegt, gewässert, gepflegt werden, und "bitteschön, seid barmherzig mit den Vertriebenen!"

Der an "Parkinson" Erkrankte nimmt die zwei Stufen zur Bühne etwas schwerfällig und ächzt leichthin: "Ist ja wie in den Alpen hier." Weitere Clips werden auf die Leinwand projiziert von "Ottis Frühsport". Die Filmchen zum Schmunzeln und Sinnieren verbreitet der Schauspieler täglich über seine facebook-Seite und seinen eigenen youtube-Kanal. Eine "Portion Lyrik" hält der 62-Jährige mit seinem Gedicht "Liebe eines verregneten Sommers" bereit. Über das Leben sagt er: "Durch die Endlichkeit wird es eigentlich erst wertvoll." Die Stationen seiner nächsten Auftritte sind Großstädte wie Dresden, Leipzig, München, Berlin. Was hat Fischer nach Willich verschlagen? "Die Schlossfestspiele Neersen haben für mich einen besonderen Charme", verrät Fischer im Interview. Der Niederrhein und seine Menschen haben es ihm angetan und besonders einer von ihnen: "Hanns Dieter Hüsch hat mich sehr beeinflusst." Stolz ist er auf ein Buch mit einer Widmung des großen Kabarettisten vom Niederrhein: "Für Ottfried Fischer, weil er mir sehr ähnelt." Ein Abend, der viel zu schnell zu Ende geht. Da hilft auch nicht das Zitat für besondere Momente: "Verweile doch, du bist so schön." Viel Applaus und eine Zugabe. Und weil die Zuschauer ihn "gut behandelt haben", wünscht der Kabarettist zum Abschied noch "ein gutes Gelingen für die Festspiele".

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Stadt Willich: Ottfried Fischer, ein Bayer in Neersen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.