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Stadt Willich
Pension Schöller: Das Stück ist der Star

Stadt Willich: Pension Schöller: Das Stück ist der Star
In "Pension Schöller" bringt Intendant und Regisseur Jan Bodinus (mit Hütchen) das gesamte Ensemble der Schlossfestspiele auf die Bühne. Premiere des Komödienklassikers ist am nächsten Samstag. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Das Ensemble der Schlossfestspiele steckt in den Endproben zu "Pension Schöller". Die Hauptrolle sollte R.A. Güther spielen, der aus privaten Gründen vorzeitig abreisen musste. Kurzfristig übernahm Jan-Christof Kick die Rolle. Von Heribert Brinkmann

Über 90 Prozent Auslastung für "Ein Fall für Pater Brown" mit TV-Star Michael Schanze, bereits über 60 Prozent gebuchte Karten für "Pension Schöller", dazu an den meisten Abenden ein "Bombenwetter" - für Jan Bodinus läuft es im ersten Jahr seiner Intendanz hervorragend. Doch das Leben ist nicht nur Theater. Weil sein Lebensgefährte schwer erkrankte, ist R. A. Güther bereits nach Hause nach Hamburg abgereist. Er sollte die Hauptrolle des Gutsbesitzers Klapp-roth in der "Pension Schöller" übernehmen. Jetzt springt der jüngere Kollege Jan-Christof Kick ein, der vorher für die Rolle des Majors im Stück vorgesehen war. Vor einem Jahr spielten sie beide in "Opa wird verkauft" als Opa und Schwiegersohn noch zusammen. Jetzt muss Kick in drei, vier Wochen einen Riesentext beherrschen lernen, seine Rolle bedeutet, über zwei Stunden eine fast permanente Bühnenpräsenz. Aber Jan Bodinus, ein "wunderbarer Regisseur", helfe ihm, diese Herausforderung zu meistern.

Aber es passieren auch schöne Dinge. So wurde jetzt die junge Schauspielerin Lena Stamm in Hamburg mit dem Monica-Bleibtreu-Preis bei den Privattheatertagen ausgezeichnet. Sie spielte in "Maria Magdalena" von Friedrich Hebbel in Stuttgart die Titelrolle. Am 28. Juni spielte sie um 15 Uhr in Neersen in "In 80 Tagen um die Welt, hetzte zum Flieger, um dann um 19.30 Uhr in Hamburg zu sein und den Preis entgegenzunehmen.

Nach Michael Schanze als Pater Brown präsentiert Intendant Jan Bodinus in seinem zweiten Abendstück das Ensemble als Star - oder vielmehr ist das Stück der eigentliche Star, ein Komödienklassiker. Die "Pension Schöller", ein Lustspiel von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs, wurde 1890 in Berlin uraufgeführt. Das Stück spielt also in der Kaiserzeit, das Deutsche Reich erlebt das Hoch der Gründerzeit, nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Die Schlacht von Metz wird auch in der Pension immer wieder mal erwähnt. Aber nicht der Krieg ist das Thema des Stückes, sondern das Leben in der boomenden Hauptstadt Berlin. Klapproth ist ein Brandenburger Landei und von den Erzählungen des Schneidermeisters aus der Hauptstadt so angetan, dass er beschließt, selber nach Berlin zu reisen. Und der Höhepunkt soll ein Besuch in einer Irrenanstalt sein. Der Gutsbesitzer bittet seinen Neffen Alfred, das in die Wege zu leiten. In seiner Not führt Alfred seinen Onkel in die Pension Schöller, deren Gäste alle mehr oder weniger "verrückt" sind. Der umtriebige Großwildjäger Bernhardy, die überdrehte Schriftstellerin Josephine Krüger, ein stets aufbrausender Major a. D., Schöllers Schwägerin Amalie, die verzweifelt einen passenden Ehemann für ihre Tochter Friedrike sucht und Schöllers Ziehsohn Eugen, der zwar einen schweren Sprachfehler hat, aber sich für einen begnadeten Schauspieler hält - sie alle erfüllen die Erwartungen Klapproths voll und ganz. Doch dann tauchen sie nach und nach auf seinem Landhof auf. Klapproth glaubt, die Irren seien aus der Anstalt entflohen - die Verwicklungen nehmen ihren unvermeidlichen Lauf.

"Was ist normal? Und was nicht?" Jan Bodinus findet das Stück wunderbar. In der Spießigkeit der Figuren verweist es zurück aufs 19. Jahrhundert, in ihrem Individualismus ist es hochmodern.

Quelle: RP
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