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Stadt Willich
Polizei: Keine Gefahr durch Flüchtlinge

Stadt Willich: Polizei: Keine Gefahr durch Flüchtlinge
In Willich liegt die Kriminalitätshäufigkeitszahl bei 4712 - landesweit liegt sie bei über 8000. "Damit ist Willich ein Teil des gelobten Landes", sagten Vertreter der Kreispolizeibehörde Viersen jetzt im Stadtrat. FOTO: Gerhard Seybert
Stadt Willich. Im Willicher Stadtrat berichtete die Polizei über die Kriminalität in der Stadt. Die Fragen der Politik richteten sich vor allem auf Straftaten von Ausländern. Flüchtlinge stellen laut Polizei kein Problem dar, wohl aber Banden aus dem EU-Ausland. Von Marc Schütz

Am Ende seiner Ausführungen fasste Polizeihauptkommissar Theo Pasch zusammen, was sich schon angedeutet hatte: "Von Asylbewerbern geht subjektiv und objektiv keine Gefahr für die Willicher Bürger und das Zusammenleben in dieser Kommune aus." Pasch und sein Kollege Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Janssen berichteten dem Willicher Stadtrat in öffentlicher Sitzung über die Situation innerhalb und außerhalb der Asylbewerber-Unterkünfte und Erkenntnisse über mit den Flüchtlingen in Zusammenhang stehende Straftaten. Zuerst war ihr Bericht für den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung vorgesehen - was in sozialen Netzwerken für großen Unmut gesorgt hatte. Nun berichteten Pasch und Janssen doch öffentlich - im Zuschauerraum herrschte dennoch seltsamerweise mal wieder gähnende Leere.

Das subjektive Empfinden vieler Willicher deckt sich nicht immer mit dem, was die beiden Polizisten zu sagen hatten. Denn den beiden zufolge leben die Willicher "im gelobten Land": Die Kriminalitätshäufigkeitszahl, die sich aus der Zahl der Delikte pro 100.000 Einwohner errechnet, liegt in Willich bei 4712 - im gesamten Kreis Viersen bei 6266, landesweit gar über 8000. Gleichwohl sei die Zahl der Wohnungseinbrüche in Willich 2015 angestiegen, nachdem sie 2014 erkennbar zurückgegangen war - für beide Entwicklungen hat die Polizei allerdings keine Erklärung. Pasch und Janssen betonten, dass man differenzieren müsse zwischen Flüchtlingen und Asylbewerbern sowie EU-Ausländern. Vor allem Letztere seien im Bereich der Bandenkriminalität "stark präsent".

Natürlich gebe es auch unter den Flüchtlingen und Asylbewerbern Straftäter, diese hätten jedoch selten Auswirkungen auf die Bevölkerung. Von körperlichen Übergriffen auf Willicher Bürger sei ihnen gar nichts bekannt, zweimal habe es leichte Fälle von Diebstahl gegeben, bei denen der Verdacht besteht, dass Asylbewerber sie begangen haben.

Bei etwa 52.000 Einwohnern leben in Willich gut 500 der Kommune zugewiesene Flüchtlinge (ohne die 450 Menschen im Katharinen-Hospital). Unter diesen gebe es vier bis sechs Personen, die immer wieder durch Alkoholmissbrauch, Verstöße gegen die Hausordnung, Diebstähle untereinander oder Körperverletzung auffielen. Und gegen diese gehe die Polizei genauso vor wie gegen nicht ausländische Straftäter.

Positiv hoben Pasch und Janssen auch hervor, dass es bisher glücklicherweise nicht oft zu Straftaten an Flüchtlingen oder Asylunterkünften gekommen sei. Einmal habe eine Person im Konrad-Adenauer-Park den Hitlergruß gezeigt, ansonsten gebe es eben die üblichen rassistischen Schmierereien, die aber nicht im Zusammenhang mit den Asylbewerber-Unterkünften stünden. Andererseits habe sich gezeigt, dass sich im Schwimmbad "De Bütt" Deutsche gelegentlich rassistisch gegenüber Ausländern zeigen.

Kritik erntete der Fragenkatalog der Politik, den die Verwaltung der Polizei hatte zukommen lassen, für die Frage: "Werden die hiesigen Einzelhändler ermutigt, Anzeigen wegen Diebstahl zu erstatten, oder versucht man, das eher mit erhöhter Bürokratie unter der Decke zu halten?" "Die Frage ist eine Frechheit", sagte Pasch. "Diese Unterstellung kann ich nicht nachvollziehen. Es gibt einen Strafverfolgungszwang. Wenn ein Polizeibeamter eine Anzeige nicht aufnimmt oder nicht ordentlich bearbeitet, sind Geldstrafen im vierstelligen Euro-Bereich bis zu Haftstrafen möglich, und der Kollege zieht seine Uniform aus." Pasch appellierte an die Bevölkerung, Straftaten unbedingt anzuzeigen. "Nur dann können wir etwas unternehmen." Dieter Lambertz (CDU), selbst ehemaliger Polizist, unterstütze dies und betonte, dass dies auch im Interesse der Polizei sei, da den Polizeibehörden Polizisten vom Land belastungsbezogen zugewiesen werden - je mehr zu tun ist, umso mehr Personal gibt es also. Für die teils tendenziösen Fragen bat Martin Dorgathen (SPD) die beiden kopfschüttelnd um Verzeihung.

Quelle: RP
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