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Stadt Willich
Preis verwandelt sich in Kleinwagen

Stadt Willich. Der "mitMenschPreis 2016" vom Bundesverband der evangelischen Behindertenhilfe geht nach Willich. Der Gewinner ist die Wekelner Wohnstätte "Unser Haus" der Lebenshilfe Kreis Viersen. Von Bianca Treffer

Die Torte auf dem festlich gedeckten Frühstückstisch verrät direkt, warum die Atmosphäre an diesem Morgen in der Wohnstätte "Unser Haus" der Lebenshilfe Kreis Viersen eine ganz Besondere ist. "mitMenschPreis 2016" ist auf ihr zu lesen. "Wir feiern heute nach, dass wir in der vergangenen Woche in Berlin den mitMenschPreis gewonnen haben", sagt Wohnstättenleiterin Esther Mand. Mit dem "mitMenschPreis" ehrt der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe Initiativen, die Menschen unterstützen und ihnen Teilhabe am Leben ermöglichen.

Die goldene Filmrolle, die Esther Mand aus Berlin mitgebracht hat, steht ebenso auf dem Tisch. Dazu liegt vor jedem Platz eine rote Rose. Denn eine solche erhielt Mand stellvertretend für alle Teilnehmer ihres Projektes "Ehrenamt rückwärts" ebenfalls in der Bundeshauptstadt. Nicht zu vergessen ist der Gewinn von 10.000 Euro. "Dabei hatten wir eigentlich überhaupt nicht vor mitzumachen, denn unser Projekt ist für uns normal und gehört zum Alltag dazu", bemerkt Mand.

Bei "Ehrenamt rückwärts" bringen sich die Bewohner, ihren Fähigkeiten entsprechend, ehrenamtlich für andere Menschen ein. So wird zum Beispiel die Willicher Tafel in der Ausgabe unterstützt. "Jemand vom Fach, der unser Projekt im November vergangenen Jahres kennenlernte, legte uns ans Herz, dass wir uns bewerben", erinnert sich Mand. Am 31. März 2016, dem Einsendeschluss für den Preis des Bundesverbandes der evangelischen Behindertenhilfe schickte Mand per E-Mail die Bewerbung ab. Sie hatte sich doch dazu entschlossen mitzumachen, denn über die Projekte, die auf den vorderen Plätzen landeten, wurden entsprechende Filme gedreht. "Ein solcher Film interessierte uns brennend, wobei wir nicht mit großen Chancen rechneten", sagt die Wohnstättenleiterin.

Das Leben in der Wohnstätte ging seinen normalen Gang, bis im Mai ein Anruf kam und Mand bei einem längeren Gespräch mit einem Jurymitglied erfuhr, dass man in die engere Auswahl gerückt war. Am 17. Juni, einem Tag vor dem zehnjährigen Geburtstag der Lebenshilfe, kam die Nachricht, dass "unser Haus" zu den fünf besten der insgesamt 75 Bewerber gehört und damit ein Film gedreht werden würde. Anfang August rückte ein Filmteam an und drehte zwei Tage über die Arbeit, die die Bewohner für die Tafel leisten. Dazu erfolgte eine Einladung nach Berlin, die Mand, nach Absprache mit den Bewohnern und Betreuern, als Vertreterin der Wohngruppe antrat.

Bei der Verleihung erwartete Mand dann die größte Überraschung: Das Projekt "Ehrenamt rückwärts" gewann den ersten Preis. "Als der Mann auf der Bühne den Umschlag öffnete und den ersten Platz verkündete, war ich völlig platt. Irgendwie fühlte ich mich in diesem Moment gar nicht angesprochen", erzählt Mand. Ihr erster Gang führte sie ans Telefon, denn schließlich sollten die Bewohner und Betreuer sofort erfahren, dass "Ehrenamt rückwärts" gewonnen hatte. "Ich denke, unser Projekt hat mit dem Charme der Einfachheit überzeugt. Wir haben einfach geguckt, was unsere Bewohner können, und wo wir uns einbringen und anderen helfen können, statt selbst immer Hilfe anzunehmen. Wir erstaunen andere damit, was man auch als Mensch mit Handicap leisten kann. Wir müssen nur erkennen, dass unsere Bewohner die Welt anders wahrnehmen. Wir müssen den Mensch sehen und nicht die Diagnose", sagt Mand.

Sie hofft nun, dass das dieses Gesamtkonzept von "Unser Haus" vielleicht auch in anderen Wohngruppen umgesetzt wird, denn ein weiterer positiver Effekt dieser Arbeit ist, dass keine Psychopharmaka mehr gebraucht werden. Der Geldpreis wird sich übrigens in einen Kleinwagen verwandeln. Einen solchen wünscht sich die Wohngruppe schon lange.

Quelle: RP
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