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Prozess in Krefeld
Willicher fuhr auf Polizisten zu - "Ich wollte ihn nicht treffen"

Prozess in Krefeld: Willicher fährt auf Polizisten zu - "Ich wollte ihn nicht treffen"
Das Landgericht Krefeld (Archivbild). FOTO: dpa, ve aka fg pil
Willich/Krefeld. War es versuchter Mord? Ein 21-jähriger Willicher muss sich vor dem Krefelder Landgericht verantworten. Er war mit seinem Auto auf einen Polizisten zugerast, um einer Verkehrskontrolle zu entgehen. Der Beamte konnte gerade noch zur Seite springen. Von Birgit Lameyer

Am Montag hat der Prozess vor dem Krefelder Landgericht begonnen. Der Angeklagte soll im Februar auf einem Wirtschaftsweg in Münchheide direkt auf den Polizisten zugefahren sein. Der Beamte rettete sich durch einen Sprung zur Seite. Der Angeklagte war mit überhöhter Geschwindigkeit davongerast und so einer Festnahme entkommen. Nach einigen Minuten stellte er das Auto ab und ging zu Fuß weiter. Dann bestellte er sich ein Taxi, das ihn nach Hause brachte. Nur einen Tag später war er mit einem anderen Wagen unterwegs. Seine Fahrerlaubnis war schon Wochen zuvor eingezogen worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21-Jährigen versuchten Mord in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor. Auch soll er mehrfach ohne Führerschein gefahren sein. Darüber hinaus soll er gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen haben. Es geht um einen Liter Amphetaminöl, das er im Oktober nach Mönchengladbach brachte.

Angeklagter räumt Vorwürfe weitgehend ein

Der Angeklagte, dessen Eltern im Gerichtssaal saßen, räumte die Vorwürfe weitgehend ein. Der Führerschein sei ihm entzogen worden, weil er in der Vergangenheit unter Einfluss von Betäubungsmitteln am Steuer gesessen hatte. Dennoch habe er sich immer wieder teure Autos geliehen, um damit "Mädchen zu beeindrucken”. Auch der Mercedes, mit dem er auf dem Wirtschaftsweg fuhr, war geliehen. Es sei so gewesen, dass er auf dem Feldweg der Kontrolle entkommen wollte, räumte der Angeklagte ein. Bevor er die Beamten sah, sei er 30 km/h gefahren. Dann habe er auf 50 oder 60 beschleunigt. "Ich habe Gas gegeben, einen Rechtsschlenker gemacht, und er ist weggesprungen”, schilderte er das Geschehen.

Er habe keinesfalls vorgehabt, Menschen in Gefahr zu bringen. Er habe ganz bewusst einen Schlenker gemacht, um dem Polizisten zu entkommen. Es sei genügend Platz gewesen. "Ich wollte ihn nicht treffen, ich hätte es auch nicht in Kauf genommen, ihn anzufahren”, beteuerte er. Als er am nächsten Tag in der Zeitung las, dass der Vorwurf des versuchten Mordes im Raum steht, sei er entsetzt gewesen.

Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann werden mehrere Zeugen, unter anderem der betroffene Polizeibeamte, gehört. In der nächsten Woche soll ein Kfz-Sachverständiger aussagen. Zur Zeit der Taten war der Willicher noch keine 21 Jahre alt. Verhandelt wird vor der großen Jugendstrafkammer, weil eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht noch möglich ist.

 
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