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Stadt Willich
Rasen ist nicht gleich Rasen

Stadt Willich: Rasen ist nicht gleich Rasen
Die Rasenrollen sind zwischen 40 Zentimeter und 1,2 Meter breit. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)
Stadt Willich. Spektakulär im Champions-League-Stadion oder zu Hause im Garten: Rollrasen des Schiefbahner Unternehmens Peiffer findet sich weltweit. Von Nadia Joppen

Also, für die Schreiberin dieses Artikels ist die Pflege von etwa 25 Quadratmetern Rasen im eigenen Garten schon mit reichlich Zeitaufwand verbunden - das Team von Rasen Peiffer in Schiefbahn-Niederheide kann über diese Dimension nur schmunzeln: Die Mitarbeiter betreuen jährlich rund drei Millionen (30 Hektar) Quadratmeter Boden, auf denen verschiedenste Rasensorten wachsen. Das Unternehmen produziert Rollrasen: Rasenmatten, die das mühsame Einsäen und Pflegen des Rasensamens und der jungen Rasenpflanzen überflüssig machen. Sie werden im heimischen Garten ausgerollt und verwachsen mit dem darunterliegenden Boden zu einer schönen, grünen Rasenfläche.

Der Betrieb wurde 1972 von Peter Peiffer gegründet, als Weiterentwicklung eines Familienbetriebs, der seit Jahren als Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen viel für Kommunen und Grünpflege arbeitete, so Arnd Peiffer aus der dritten Peiffer-Generation in diesem Unternehmenszweig. Mitte der 70er-Jahre sei der erste Auftrag aus Düsseldorf gekommen, der auch die Verlegung von Rollrasen umfasste. "Das war damals hier völlig unbekannt. Wir haben den Rollrasen von einem Betrieb in Niedersachsen geholt", erzählt der Diplom-Ingenieur der Landespflege.

Arndt Peiffer nimmt eine Probe aus einer riesigen Rasenfläche. Drei Millionen Quadratmeter Rasen betreuen die Mitarbeiter pro Jahr. FOTO: Wolfgang Kaiser

Da ein Folgeauftrag anstand, habe der Großvater sich überlegt, die Idee am Niederrhein zu verfolgen, und er säte als Versuch Rasen auf einer Fläche von 2000 Quadratmeter ein. "Das war Neuland, es gab keine Geräte für die Pflege, die Einsaat erfolgte von Hand", beschreibt der Enkel. Nach einem Jahr sei die Fläche "schälfertig" gewesen - geerntet wurde mit einer Hand-Schälmaschine, aufgerollt per Hand. "Alle haben uns damals belächelt. Übrig gebliebene Quadratmeter haben wir anderen Garten- und Landschaftsbauern angeboten", erzählt Peiffer.

Dabei war Überzeugungsarbeit gefragt, denn eigentlich seien GaLa-Bauer traditionell aufgestellt und Neuerungen gegenüber weniger aufgeschlossen. Allmählich hätten diese aber gemerkt, dass das Anwachsen gut funktioniert, so wuchsen die Nachfrage und die Produktionsfläche. In den ersten Jahren sei das Ganze eigentlich nur ein Neben-Aspekt gewesen.

Mitte der 80er habe sich Rollrasen etabliert, und die Produktion musste professioneller werden. "Es will heute keiner mehr darauf warten, dass das Saatgut keimt, daher gab es beste Voraussetzungen für den Ausbau", so Arnd Peiffer. Sein Vater Arnold habe sich am meisten für das Thema interessiert und das Ganze vorangetrieben: Die Maschinen wurden in Amerika beschafft, wo die Rollrasen-Produktion länger etabliert war, dazu entstanden Kooperationen mit den Rasen-Saatgutproduktionsbetrieben, um verschiedene Mischungen zu entwickeln, denn je nach Lage und Nutzung ist anderes Saatgut notwendig.

Heute gibt es den "Peiffer Classic", der Licht braucht und für Privatgärten mit Kinderspielflächen genutzt wird. Der "Peiffer Shadow plus" wächst gut auf beschatteten Flächen im Privatgarten, der Peiffer Premium ist "Alleskönner für den Privatgarten", so Arndt Peiffer. Der "Peiffer Sports" wird in den Fußballstadien weltweit verlegt, der "Peiffer Greens" ist ein sehr dichter, kurz geschnittener Rasen für Zielgrüns auf Golfplätzen - ein Nischenprodukt, das in Deutschland nur das Unternehmen in Niederheide produziert. Günstige Rollrasen-Variante ist der "Peiffer Country", der kleine Fehler haben kann.

Basis der Arbeit ist die sukzessive Abfolge der Aussaat auf den Flächen von März bis Oktober, damit im Folgejahr genug schälfertiger Rasen auf den Flächen steht. Grundvoraussetzung ist die Bodenvorbereitung: Die Fläche muss steinfrei, eben und gut zu bewässern sein. Nach der Aussaat wird regelmäßig gemäht, bewässert und gedüngt, aber auch zwei Mal jährlich das Unkraut bekämpft. "Rasen liebt Stickstoff, aber wir arbeiten nur nach dem Minimum-Bedarf, damit die Pflanzen nicht weich werden und sich gegen Unkraut oder Moos durchsetzen", so der Rasen-Experte.

Die Rollen werden in unterschiedlichen Größen geschält: Die Ein-Quadratmeter-Rolle für den Privatgarten ist 40 Zentimeter breit und 2,5 Meter lang, sie wiegt zwischen 15 und 20 Kilo. Die Großrollen sind bis zu 1,2 Meter breit, denn die Verlegung muss zügig erfolgen - im Extremfall innerhalb von 24 Stunden, "und dann ist der Rasen direkt bespielbar", so Arndt Peiffer. Er betont, dass dieser Teil des Unternehmens zwar der Spektakuläre sei, weil die großen Namen Aufmerksamkeit erregen, "aber unser Kerngeschäft bleibt der Bedarf der Garten- und Landschaftsbauer".

Quelle: RP
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