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Stadt Willich
Reha-Zentrum im Stahlwerk Becker?

Stadt Willich. Die CDU möchte medizinische Kompetenz nach Willich holen. Zudem soll die öffentliche Sicherheit gestärkt werden, Flüchtlinge sollen in die Gemeinschaft integriert werden. Uwe Schummer und Johannes Bäumges erläutern die Pläne. Von Marc Schütz

Medizinische Kompetenz (zurück) nach Willich holen: Dafür will sich die CDU verstärkt einsetzen. Denn die Wunden, die die Schließung des Katharinen-Hospitals vor zwei Jahren hinterlassen hat, sind nicht verheilt. Der Bau des sogenannten Ambulatoriums im Stahlwerk Becker - ein Ärztehaus, in dem auch der Notarzt stationiert sein wird und in dem es einige Betten zur Beobachtung von Patienten geben soll - ist zwar angeleiert. Doch die CDU hat weitere Pläne, die Uwe Schummer, Vorsitzender der CDU Willich und Bundestagsabgeordneter, sowie Fraktionsvorsitzender Johannes Bäumges im Gespräch mit unserer Redaktion erläutern.

Nach dem Willen der Willicher Union soll es im Stahlwerk Becker in nicht allzu ferner Zukunft auch ein Reha-Zentrum geben. Kooperationspartner könnte - wie auch schon bei der Notarztversorgung und der geplanten "Mini-Klinik" im Ambulatorium - das Allgemeine Krankenhaus Viersen (AKH) sein. "Das AKH in Viersen soll die ,Ausgangklinik' sein, die Reha-Maßnahmen könnten dann in Willich erfolgen", erklärt Uwe Schummer. Entsprechende Gespräche zwischen Politik, Stadtverwaltung und AKH-Geschäftsführung habe es bereits gegeben. "Da sollen in den nächsten Monaten Nägel mit Köpfen gemacht werden", sagt Johannes Bäumges.

Die Pläne der Union reichen aber noch weiter - perspektivisch könne man auch über eine Palliativstation, in der unheilbar kranke Patienten behandelt werden, in Willich nachdenken. Denn eine solche Station hat das AKH bisher nicht. Im Kreis Viersen gibt es eine solche bisher nur im Krankenhaus in Lobberich. Darauf folgen könnte in Willich später auch ein Hospiz, sagt Schummer. "Wir müssen klein anfangen und nach und nach die Gesundheitsversorgung weiterentwickeln."

Das Gelände des ehemaligen Katharinen-Hospitals im Herzen Alt-Willichs soll nach den Vorstellungen der Union für die innerstädtische Entwicklung genutzt werden. Eine Kombination aus Wohnen und Einzelhandel sei dort wünschenswert. Bisher wird das Gebäude vom Land NRW für die Unterbringung von Flüchtlingen verwendet, ein Ende dieser Nutzung ist allerdings absehbar, falls der Zustrom neuer Flüchtlinge weiter gering ist. Für die Union ist es daher richtig und wichtig, dass der Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause eine Vorkaufsrecht-Satzung für das Gelände auf den Weg gebracht hat. "Ob die Stadt dann wirklich kauft, wenn die Augustinus-Kliniken verkaufen wollen, muss man sehen", sagt Johannes Bäumges. Wie der Fall Brauerei-Areal zeige, könne es auch sinnvoll sein, wenn private Investoren kaufen und im Sinne der Stadt handeln. Die Stadt müsse durch eine entsprechende Satzung aber das Heft in der Hand halten.

Wenn das Land das ehemalige Hospital nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft nutzt, ist allerdings damit zu rechnen, dass der Stadt Willich wieder mehr Asylbewerber zugewiesen werden, um die sie sich selbst kümmern muss. Aber auch hier haben laut CDU Verwaltung und Politik die Weichen richtig gestellt, indem Reihenhäuser für Flüchtlinge an insgesamt vier Stellen in Neersen und Schiefbahn auf den Weg gebracht wurden. "Ich bin froh, dass der Rat damals einmütig entschieden und ein eindeutiges Zeichen gesetzt hat", sagt Bäumges, der ein wenig zerknirscht zugeben muss, dass zwei Abweichler ausgerechnet aus der CDU-Fraktion kamen. "Wir wussten damals nicht, wie viele Flüchtlinge kommen würden, und haben klug entschieden und damit den sozialen Frieden gesichert. Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn die Politik sich hätte auseinanderdividieren lassen und in der Folge eine Turnhalle nach der anderen hätte geschlossen werden müssen."

Nun gelte es, die Flüchtlinge, die dauerhaft in Willich bleiben werden, zu integrieren und die vielen jungen Menschen auch als Chance zu begreifen, vorhandene Strukturen in der Stadt aufrechterhalten zu können, was bei sinkender Einwohnerzahl schwierig werden könnte - Kindergärten und Grundschulen seien nur zwei Beispiele, so Schummer und Bäumges. Allerdings müsse man auch die Flüchtlinge in die Pflicht nehmen und mit ihnen eine Art Integrationsvereinbarung schließen. "Eine solche ist für uns ein Kernbestandteil des Integrationskonzeptes, das die Stadtverwaltung gerade erarbeitet", so Schummer. Als Beispiel könne die Vereinbarung dienen, die vor zwölf Jahren mit der islamischen Gemeinde Willich geschlossen wurde: Darin wurde sinngemäß vereinbart, dass die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland als Hausordnung diene und dass die Freitagsgebete in deutscher Sprache gehalten werden.

Wichtiges Thema wird in den nächsten Monaten für die CDU auch der personelle und zeitliche Ausbau des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) sein. Der Stadtrat hat die Verwaltung zwar damit beauftragt zu prüfen, ob das sinnvoll wäre - SPD, Grüne und FDP haben jedoch schon ihre Skepsis durchblicken lassen. Sie bezweifeln, dass ein KOD tatsächlich die Sicherheit der Bürger steigern könnte, da für Verbrechensbekämpfung und Strafverfolgung nach wie vor die Polizei zuständig sei. "Die Polizei zieht sich aber immer mehr aus der Fläche zurück. Dadurch wird weniger Präsenz des Staates gezeigt. Dem könnten wir mit einem gestärkten KOD entgegenwirken", sagt Johannes Bäumges. Die Finanzierung des KOD sei eine Frage der Prioritätensetzung. "Wem der KOD nicht so viel wert ist, der muss hinterher dem Bürger erklären, wieso die Stadt nicht tätig war, wenn etwas passiert ist", fordert Bäumges mit Blick auf die anderen drei Parteien im Stadtrat.

Quelle: RP
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