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Stadt Willich
Reiter und Pferde warten auf den Umzug

Stadt Willich: Reiter und Pferde warten auf den Umzug
Die Mitglieder der Landesreiterstaffel Rheinland fühlen sich auf dem Rittergut Koof in Anrath wohl. Eine Verlegung ins Ruhrgebiet würde für viele weitere Strecken zur Arbeit bedeuten. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. 16 Pferde und 17 Beamte hat die Landesreiterstaffel Rheinland auf dem Rittergut Koof in Anrath. Sie soll mit der Staffel Westfalen zusammengelegt werden. Wann und wohin sie umziehen wird, ist aber noch offen. Von Bianca Treffer

Ein Jahr ist es her, als die offizielle Verabschiedung der Landesreiterstaffel Rheinland auf der Anlage von Norbert Koof in Anrath stattfand. Allerdings war es damals weniger der Abschied vom Standort, sondern vielmehr die Übergabe vom alten an den neuen Dienstherrn. Im August vergangenen Jahres wechselte die Reiterstaffel vom Polizeipräsidium (PP) Düsseldorf zum PP Bochum. Hintergrund des Wechsels ist die geplante Standortverlagerung. Sowohl die Staffel in Willich wie auch die Reiterstaffel Westfalen in Dortmund sollen im Raum Bochum an einen gemeinsamen Standort verlegt werden. Doch was sich in der Theorie so einfach anhört, präsentiert sich in der Praxis als äußerst schwierig.

Bislang gibt es gar keine neue Anlage, wo die derzeit 16 Pferde samt 17 Beamten aus Anrath sowie die Kollegen und deren Pferde der Reiterstaffel aus Dortmund untergebracht werden können. Die Liegenschaftssuche für insgesamt 32 Pferde und 42 Beamte läuft seit August 2015. "Wir haben eine Ausschreibung gestartet und sind auf der Suche. Es meldeten sich etliche Interessenten, aber es müssen bestimmte Richtlinien berücksichtigt werden. Es geht nicht so schnell, wie wir es uns wünschen", sagt Jürgen Leimanzik, Leiter der Führungsstelle Gefahrenabwehr/Einsatz und für die Zusammenführung der Reiterstaffeln zuständig.

Allen Interessenten fehlt etwas. Die Palette dessen, was benötigt wird, ist lang. Es ist nicht nur einfach die Unterbringung der Pferde und die Möglichkeit, diese zu trainieren. Büros, Lager, Parkplätze, sanitäre Anlagen samt Umkleiden und Waffenkammer sind ebenso von Nöten. Die Projektgruppe, die für die Liegenschaft im Einsatz ist, klopft bei den Bewerbern alles ab und schaut, wo etwas nachträglich realisiert werden könnte und wie die Mietvorstellungen aussehen. Fest steht: Der Standort soll sich im Raum Essen Süd, Bochum oder Gelsenkirchen befinden. "Wir liegen dann in der Mitte von NRW und können mögliche Einsatzorte im gesamten Bundesland gut erreichen", sagt Leimanzik.

Für die Beamten der noch in Anrath stationierten Reiterstaffel ist die aktuelle Situation nicht leicht. Niemand weiß, wann es wo und unter welcher Leitung weitergeht. "Etliche sind schon gegangen. Andere haben wir zwar im vergangenen Jahr neu eingestellt, aber die Situation ist dennoch schwierig. Man weiß nie, ob nicht jemand geht, wenn er die Möglichkeit hat, sich auf eine andere Stelle im Polizeidienst zu bewerben. Zurzeit bestehen extra Übergangsregeln für einen Wechsel", informiert Melanie Lipp, die kommissarische Leiterin der Landesreiterstaffel Rheinland. Sie selbst wird die Staffel ebenfalls verlassen, wenn es zum Umzug kommt. "Jetzt fahre ich 30 Kilometer zu meiner Arbeitsstelle in Anrath. 80 Kilometer oder mehr würden es für mich zum neuen Standort sein. Das ist bei dem anstrengenden Beruf einfach zu viel", sagt Lipp. Eine Entscheidung, die sie schweren Herzens getroffen hat, denn sie ist seit Anfang an dabei und hat in den vergangenen zehn Jahren Aufbauarbeit geleistet.

So ideal wie die Lage bei Koof ist, kann sie nach Ansicht von Diane Königs nie mehr werden. "Mit den Jungpferden kann man für den Anfang über die Feldwege und ins Dorf reiten und sie langsam aufbauen", sagt Königs, die ebenfalls seit zehn Jahren zum Team gehört und mit dem Umzug auch aufhören wird. Die staubelastete Strecke ins Ruhrgebiet ist ihr nach Einsätzen von zwölf bis 14 Stunden zu lang, obwohl sie schon jetzt 52 Kilometer zur Arbeit fährt. Noch mehr Kilometer und noch mehr Stau gingen einfach nicht, sagt sie mit trauriger Stimme.

Eine längere Fahrzeit befürchtet auch Carina Keltjens, obwohl sie selbst in Essen wohnt. "Vielleicht wird es kilometermäßig kürzer, aber der Verkehr wird schlimmer sein. Bei Koof haben wir optimale Voraussetzungen. Wir, die bleiben wollen, machen uns viele Gedanken, denn keiner weiß, was uns erwartet", spricht Keltjens von den Sorgen, die sie bewegen.

Bis 2021 soll der Standort Rittergut Koof aufgegeben werden. "Wir hoffen aber, dass wir im Jahr 2018/19 einen Umzug realisieren können, wobei wir bestehende Kündigungsfristen bei Norbert Koof als auch beim Reiterverein Dortmund einhalten werden", informiert Leimanzik.

Quelle: RP
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