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Stadt Willich
Rettungsanker fürs Schuldenloch

Stadt Willich. Wenn einem die Schulden über den Kopf wachsen - dann gibt es in Willich eine Anlaufstelle: die Schuldnerberatung von Stadt und Arbeiterwohlfahrt. Johannes Jacobs ist im 20. Jahr Ansprechpartner für Schuldner und Gläubiger. Von Nadia Joppen

Seit 1990 gibt es im Kreis Viersen eine Schuldner-Beratung. Im Jahr 1995 hatte der Willicher Rat beschlossen, eine eigene Beratungsstelle in der Stadt anzusiedeln - und er ist im 20. Jahr Ansprechpartner für Menschen, denen ihre Schulden über den Kopf wachsen: der 61-jährige Johannes Jacobs. Er ist Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Kreis Viersen, die die Willicher Schuldnerberatung im Auftrag der Stadt abwickelt.

Dass und wie Menschen in die Schuldenfalle geraten, hat unterschiedlichste Gründe, schildert er: Bei jungen Menschen entstehen Verschuldungen oft, wenn sie den Überblick über ihre Handys und Handy-Verträge verlieren. Es kann aber auch sein, dass ein Klient aus Prestige-Gründen Anschaffungen macht, die über seine finanziellen Verhältnisse gehen, oder dass ein Kaufkranker den Überblick über Einkäufe verliert. Auch Trennungen, Scheidung oder ein plötzlicher Todesfall verändern oft nicht nur die Lebens-, sondern auch die Finanzplanung und lösen so Geldsorgen aus, schildert Jacobs. Dabei bleibt es für die Klienten nicht bei einem oder zwei Gläubigern, sondern die Verschuldung summiert sich auch durch viele Kleinschulden: "Spitzenreiter war bei mir ein Klient mit 150 Gläubigern. Da kann ich dann nicht viel tun, da bleibt nur die Privat-Insolvenz", meint er.

Die ist aber für ihn immer erst der letzte Schritt, "das primäre Ziel meiner Arbeit ist eine Haushaltskonsolidierung, damit die Klienten wieder einen Überblick über ihre finanzielle Situation gewinnen", so der Schuldnerberater: Wie hoch sind Einkommen und Ausgaben, welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es, etwa über Aufstockung, Wohngeld oder auch einen Lastenzuschuss für einen Wohnungseigentümer die finanzielle Situation zu verbessern. Dazu gehört aber auch, dass die Klienten lernen, mit ihrem Geld auszukommen und ggf. auch auf nicht notwendige Anschaffungen zu verzichten. Dann ist das Verhandeln mit den Gläubigern der nächste Schritt: Jacobs versucht, Ratenzahlungen in kleinen Beträgen zu erreichen und ggf. auch einen Verzicht auf einen Teil der geschuldeten Summe. Das kann funktionieren, wenn der Schuldner seinen guten Willen zeigt: Eigentlich hat ein alleinstehender Erwachsener heute Anspruch auf 1079 Euro pfändungsfreies Einkommen - wenn er aber freiwillig aus dieser Summe Abzahlungen leistet, gibt es oft auf der Gläubiger-Seite die Bereitschaft, das anzuerkennen. Ein anderer Weg ist auch die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern, so Jacobs - die funktioniert zum Beispiel mit den großen inhabergeführten örtlichen Unternehmen gut: "Wenn Mietschulden da sind, kann es sein, dass der Arbeitgeber direkt die Miete und eine Abzahlung an den Vermieter zahlt." Es komme auch vor, dass der Arbeitgeber einen qualifizierten Mitarbeiter beim Schuldenabbau unterstütze, damit dieser den Kopf für die Arbeit frei bekomme.

Grundsätzlich ist aber alles eine Frage der Bereitschaft des Schuldners, mitzuarbeiten: "Wenn ich einen Vergleich organisiere, will ich, dass die Klienten mitarbeiten", so Jacobs - denn um für die verschuldeten Menschen Fürsprache einlegen zu können, sei auch die Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit des Schuldnerberaters ein Kriterium: "Ich kann mit den Leuten besser reden, wenn man sich kennt". Er habe sich damals entschieden, die Aufgabe zu übernehmen, "weil ich gerne versuche, Menschen zu helfen", so Jacobs. Er verhandele gerne mit den Gläubigern - erlebt aber auch, dass er drei Generationen einer Schuldner-Familie betreue. Trotzdem betont er: "Man lebt von kleinen Erfolgen."

Der Kontakt für einen Termin: Tel.: 02154 / 81 97 97 oder E-Mail: "mailto:schuldnerberatung.willich@awo-kreisviersen.de"

Quelle: RP
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