| 00.00 Uhr

Stadt Willich
"Rundumschlag" gegen Villa Langels

Stadt Willich: "Rundumschlag" gegen Villa Langels
Laut unterer Denkmalbehörde sind lediglich die Bäume geschützt, die in unmittelbarer Nähe zur Villa Langels stehen. Der Anwalt der Bürgerinitiative zweifelt das an. FOTO: Bürgerinitiative zum Erhalt von Villa und Park Langels
Stadt Willich. Die "Bürgerinitiative zum Erhalt von Villa und Park Langels" hat einen Fachanwalt beauftragt, ihre Interessen durchzusetzen. Allerdings gibt es in der Einwendung einen nicht unbedeutenden Zitierfehler. Von Marc Schütz

Denkmalschutz, Natur- und Artenschutz, Lärmschutz und Verkehrsabwicklung: Mit einem "Rundumschlag" wendet sich der Fachanwalt für Verwaltungsrecht Dr. Hendrik Schilder gegen die Änderung des Bebauungsplans für ein Grundstück an der Bahnstraße. Beauftragt wurde er von der "Bürgerinitiative zum Erhalt von Villa und Park Langels".

Dort möchte, wie berichtet, ein Investor im hinteren Teil des Geländes bis zu elf Einfamilienhäuser bauen - die unter Denkmalschutz stehende Villa Langels soll saniert werden. Da der hintere Teil des Grundstücks als Gartenfläche ausgewiesen ist, müsste es zu Bauland umgewidmet werden. Die Politik muss darüber entscheiden und die Einwendungen der Bürger sowie Behörden und Träger öffentlicher Belange gegen die Interessen des Investors und des Allgemeinwohls abwägen.

Nach einem ersten Informationsabend der Stadt hat die Bürgerinitiative (BI) nun ihre Ankündigung wahr gemacht und einen Anwalt eingeschaltet, um sich gegen die Bebauung des Grundstücks zu wehren. Naturgemäß geht der Anwalt in die Vollen, um die Interessen seiner Mandanten durchzusetzen, und kommt zu dem Ergebnis: "Insgesamt ist festzustellen, dass die vorliegende Planung nicht in abwägungsgerechter Art und Weise beschlossen werden kann." Sollte der Rat der Stadt Willich "wider Erwarten die Planung beschließen", rät Schilder der BI, gegen die Baugenehmigungen zu klagen. Doch noch ist es nicht so weit, denn wie Stadtplaner Thomas Scholemann und Planungsausschussvorsitzender Christian Pakusch während der Bürgerinformation betont hatten, befindet sich das Vorhaben noch im Anfangsstadium und sei "ergebnisoffen".

Rechtsanwalt Schilder stützt sich zunächst auf den Denkmalschutz des Gebäudes und der Parkanlage. Pikant dabei: Schilder zitiert die Unterschutzstellung folgendermaßen: "Mithin ist das beschriebene Objekt im Zusammenhang mit der gesamten Parkanlage, einschließlich der noch aufstehenden Bäume sowie des Springbrunnens (...) in die Denkmalliste der Stadt Willich aufzunehmen." Im Auszug der Denkmalliste, der unserer Redaktion gestern von der Stadt zugesandt wurde, ist allerdings nicht von der gesamten Parkanlage, sondern von "der kleinen Parkanlage" die Rede. Dieser Unterschied ist aber entscheidend, denn der Investor hat deutlich gemacht, dass er die Bäume, die die Villa Langels umgeben, stehen lassen will. Lediglich Bäume im hinteren Teil des Grundstücks, die laut Unterer Denkmalbehörde nicht unter Denkmalschutz stehen, sollen gefällt werden. Auf Nachfrage unserer Redaktion räumte Schilder gestern ein, versehentlich falsch zitiert zu haben. Auswirkungen auf seine Argumentation habe das jedoch nicht, denn nun sei zu klären, was denn mit "kleine Parkanlage" gemeint sei. Zudem spiele der Umgebungsschutz der Villa eine Rolle, und wenn die Denkmalschutzbehörde die Genehmigung erteile, das Grundstück zu bebauen, wäre die Rechtskraft gegebenenfalls gerichtlich zu klären.

Schilder wirft den Denkmalbehörden "Taktik" vor, "den Investor ohne Rechtsgrund in den Genuss des Gewinns aus der Veräußerung der Einfamilienhäuser kommen zu lassen, um hieraus die Sanierung der Villa Langels zu finanzieren". Dies sei rechtlich unzulässig und nicht abgesichert. Interessantes Detail: Es gibt laut Schilder einen Kaufinteressenten, der bereit wäre, die Villa zu einem angemessenen Preis zu erwerben und denkmalgerecht herzurichten. Er warnt zudem davor, dass nach Abschluss der Neubaumaßnahmen die Projektgesellschaft, die eigens für dieses Projekt gegründet wurde, aufgelöst wird oder in die Insolvenz geht - und die Villa dann nicht saniert wird.

Auch zum Natur- und Artenschutz äußert sich der Fachanwalt. "Die Zerstörung einer solchen Freifläche ist mit der Rolle der Stadt Willich als eine von 15 Modellkommunen in NRW als global nachhaltige Kommune unvereinbar." Der bisher eingereichte Fachbeitrag zur Artenschutzprüfung könne die Bedenken auf die Beeinträchtigung der Tierwelt nicht ausräumen. Allerdings, so Planungsausschussvorsitzender Christian Pakusch, werde das Artenschutzgutachten erst im Mai kommenden Jahres beendet.

In der Einwendung wird auch die künftige Verkehrssituation kritisiert, da das Baugebiet über die bereits jetzt starkt befahrene Bahnstraße erschlossen werden soll. Zudem sei die Klimaschutzsiedlung, die derzeit an der Ackerstraße entsteht, nicht berücksichtigt. Christian Pakusch gibt im Gespräch mit der RP zu, dass man über eine andere Erschließung der Klimaschutzsiedlung nachdenken müsse.

Zu guterletzt bezeichnet Schilder die lärmtechnische Untersuchung als "unbrauchbar". Denn dieses berücksichtige unter anderem nicht, dass der Verkehrslärm erstmals "in diese bisherige Ruheoase" eindringe. Auch zahlreiche andere handwerliche Fehler wirft der Anwalt den Gutachtern vor.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Stadt Willich: "Rundumschlag" gegen Villa Langels


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.